Feuerwehr

Neuer Wittener Feuerwehrchef bleibt nicht im Büro

Der neue Wittener Feuerwehrchef, Brandrat Mario Rosenkranz (re.), hier mit Oberbrandmeister Ralf Pröbsting – fürs Foto in einem Einsatzleitwagen der Feuerwehr. Das Fahrzeug wird bei Bränden als mobile Einsatzzentrale genutzt.Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Der neue Wittener Feuerwehrchef, Brandrat Mario Rosenkranz (re.), hier mit Oberbrandmeister Ralf Pröbsting – fürs Foto in einem Einsatzleitwagen der Feuerwehr. Das Fahrzeug wird bei Bränden als mobile Einsatzzentrale genutzt.Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.   Wittens neuer Feuerwehrchef Mario Rosenkranz will weiter auch draußen im Einsatz sein. Eine „Baustelle“: die Suche nach qualifiziertem Personal.

Stellvertreter war er schon seit 2014. Seit dem 1. Dezember ist Mario Rosenkranz Wittens Feuerwehrchef. Der Wahl-Stockumer folgt auf Hans-Joachim Donner. Ende November war der Wuppertaler von seinen Kollegen in den Ruhestand verabschiedet worden. Wittens neuer erster Brandschützer, der seit 2015 auch stellvertretender Kreisbrandmeister ist, war früher einmal Schornsteinfeger.


Mario Rosenkranz mit seinem Vorgänger Hans-Joachim Donner kurz vor dessen Verabschiedung Ende November. Foto: Bastian Haumann / Funke Foto Services Herr Rosenkranz, Sie haben auf dem Chefsessel Platz genommen. Ein neues Gefühl?
Rosenkranz: Ich war ja schon Stellvertreter. Und seit zwei Jahren stand fest, dass ich die Nachfolge von Hans-Joachim Donner antrete . . .


S ie sind ein Praktiker, einer, der sich bei der Feuerwehr hochgearbeitet hat. Wechseln Sie jetzt an den Schreibtisch?
Nein. Sie werden mich weiterhin draußen sehen – auch bei Wohnungsbränden und größeren Verkehrsunfällen. Ich möchte da im Geschäft bleiben. Ich möchte draußen auch sehen, wenn es irgendwelche Probleme gibt.


S ie sind gebürtiger Bochumer, sind erst nach einer Ausbildung als Schornsteinfeger zur Berufsfeuerwehr gewechselt. Kommen Sie aus einer Feuerwehrfamilie?
Nein. Mein Vater ist Dachdecker. Ich bin gelernter Schornsteinfeger-Geselle. Während der Lehrzeit bin ich in die Freiwillige Feuerwehr Bochum-Stiepel eingetreten. Mein Lehrmeister, der Löschzugführer in Querenburg war, hat damals gesagt: Ein guter Schornsteinfeger ist auch in der Freiwilligen Feuerwehr. (schmunzelt) Damals machte man, was der Lehrmeister sagte.


Stelle als Schornsteinfeger war schwierig zu finden

Machte Ihnen das Ehrenamt Spaß?
Ja, keine Frage. In Stiepel gab es eine gute Kameradschaft. Ich ging zu den ersten Lehrgängen. Ich bin 1989 zur Berufsfeuerwehr Witten gewechselt, weil in der damaligen Zeit viele Schornsteinfeger arbeitslos waren. Es war schwierig, in diesem Beruf eine Stelle zu finden.


Mario Rosenkranz vor der Hauptwache der Feuerwehr an der Dortmunder Straße. Der 51-Jährige ist Chef von 100 Berufsfeuerwehrleuten.Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services Warum die Berufsfeuerwehr Witten? Sie waren doch Bochumer.
Das war ein Tipp eines väterlichen Kollegen aus dem Löschzug Stiepel. Ich hätte die Ausbildung auch bei der Feuerwehr Bochum machen können. Witten ist kleiner und familiärer. Das sind Vorteile, sagte der Kollege damals. 1989 habe ich in Witten meine zweite Ausbildung als Feuerwehrmann begonnen.


Sie haben viel Organisationserfahrung. Stichwort Weltjugendtag 2005 in Köln.
Über die Bezirksregierung Arnsberg haben wir den Auftrag bekommen, den Bereitstellungsraum in Kerpen zu organisieren. Bis zu 1200 Einsatzkräfte konnten dort verpflegt werden, sie konnten dort auch schlafen. Ich war mit 60 Leuten aus dem EN-Kreis vor Ort und habe das dort geleitet. Ein Jahr später, bei der Fußballweltmeisterschaft 2006, hatte der EN-Kreis einen eigenen Einsatzbereich in der Dortmunder Innenstadt. Ich war etwa ein halbes Jahr bei der Dortmunder Feuerwehr, habe den Einsatz mit geplant.

2030 werden 62 Feuerwehrmänner nicht mehr da sein

Gibt es „Baustellen“ bei der Wittener Berufsfeuerwehr, die Sie angehen wollen oder müssen?
Die personelle Situation, das Nachwuchsproblem. Wir suchen nach Lösungen, um qualifiziertes Personal zu bekommen. Ich war von 2000 bis 2014 für die Aus- und Fortbildung in unserem Haus zuständig. 2030 werden 62 von derzeit 100 Wittener Berufsfeuerwehrmännern nicht mehr da sein. Weil sie dann im Ruhestand sind. Bei der Nachwuchssuche dürfen wir als Feuerwehr nicht alles dogmatisch sehen. Stichwort: körperliche Leistungsfähigkeit. Wir müssen darüber nachdenken, was wir von zukünftigen Mitarbeitern erwarten können.


Bei Ihnen besteht nur jeder zehnte Bewerber den körperlichen Leistungstest. Das ist doch dramatisch.
Die Leute sind bei uns anderthalb Jahre in der Grundausbildung. Wenn die mit einem Defizit zu uns kommen, wenn einer nicht weit genug springen kann oder im 50-Meter-Lauf ein bisschen zu langsam ist, dann muss man sich überlegen, lasse ich solche Leute außen vor oder habe ich eine Chance, deren körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Wir haben diese Chance! Wir haben Mitarbeiter im Haus zu Übungsleitern qualifiziert. Wir müssen auch neue Führungskräfte schulen. Aus diesem Bereich gehen demnächst einige Kollegen in den Ruhestand.

>>> DIRK LIEDER IST DER NEUE STELLVERTRETER


Wittens Berufsfeuerwehr ist ein 100-köpfiges Team, dem auch zwei Feuerwehrfrauen angehören. Dirk Lieder (53), Abteilungsleiter Einsatz und Organisation, ist neuer stellvertretender Feuerwehrchef. In der Stadt gibt es noch 350 ehrenamtliche Feuerwehrleute.

Die Berufsfeuerwehr würde sich über weitere 70 Kräfte bei der Freiwilligen Feuerwehr freuen. Der Vorgänger von Mario Rosenkranz, Hans-Joachim Donner, betonte: „Ohne den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr wäre der Brandschutz nicht aufrechtzuerhalten.“

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