Nahverkehr

ÖPNV in Witten: Neuer Busfahrplan erntet viel Kritik

Verärgert über die neuen Linienpläne: Die Studenten (v.l.) Julia Mandroschek, Patricia Paschen und Steffen Schmidt am Wittener Busbahnhof.

Verärgert über die neuen Linienpläne: Die Studenten (v.l.) Julia Mandroschek, Patricia Paschen und Steffen Schmidt am Wittener Busbahnhof.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Witten.  Am 15. Dezember tritt der neue Nahverkehrsplan in Kraft. Gerade für Witten-Heven, Herbede und die City ändert sich einiges. Es gibt viel Kritik.

Fahrgäste aus Witten schlagen Alarm. Denn mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember brechen auch für Witten neue, aber nicht unbedingt rosige Zeiten an, folgt man den Kritikern. Es gibt neue Linien und neue Abfahrtzeiten, einige Verbindungen werden ganz eingestellt. Vor allem Heven, Herbede und die Innenstadt werden komplett neu strukturiert. Anwohner aus den Hölzern fühlen sich abgehängt, ebenso Studenten, die ihre bislang direkte Anbindung zur Ruhr-Universität verlieren.

Im Ruhrgebiet fahren S- und Regionalbahnen nun im 15- oder 30-Minuten-Takt. Daran werden jetzt die Anschlüsse der Busse angepasst. In Witten sorgt zudem der Ausbau der Straßenbahn für Fahrplanänderungen. Obwohl sich die Bauarbeiten verzögern – Stand jetzt bis September 2020 –, werden die Buslinien bereits jetzt umgestellt.

Einige Beispiele: Die Linie 378 (Castrop-Langendreer) wird nicht mehr nach Witten fahren. Bommern bleibt über die 379 mit der Innenstadt verbunden. Auf der Schnellbuslinie 38 kommt die Haltestelle „Bommern Mitte“ hinzu, „Bundesverlag“ entfällt. Die Linie 371 verkehrt künftig jede Viertelstunde zwischen Innenstadt und Stockum, nach Oespel fährt sie alle halbe Stunde.

Reaktion auf 15-Minuten-Takt der Straßenbahn

Die Straßenbahn nach Bochum fährt künftig ebenfalls öfter, das war ein Hauptanliegen der Wittener Politik. „Die beiden Straßenbahnlinien 310 und 309 sollen künftig in einem 15-Minuten-Takt fahren. Deswegen wurden Buslinien, die parallel von der Innenstadt nach Heven fahren, ausgedünnt“, sagt EN-Nahverkehrsplaner Jürgen Tannenfels. Gleichzeitig sollen Kosten eingespart werden. Deswegen fährt zum Beispiel die Linie 379 samstagabends und sonntags nicht mehr nach Durchholz und endet in Bommern. Tannenfels: „Nach unseren Zahlen gab es zu diesen Zeiten kaum bis gar keine Nachfrage.“

Die neuen Pläne gehen auf Beschlüsse zurück, die schon 2014 im Kreistag und im Stadtrat gefällt wurden.

2016 wurde dann der Nahverkehrsplan beschlossen, den Bogestra und VER nun im Auftrag des Kreises umgesetzt haben. „Wir haben da sehr viel Zeit- und Gehirnschmalz reingesteckt“, sagt Tannenfels. Auch etliche Bürger hätten sich aktiv beteiligt. Trotzdem: die meisten realisieren erst jetzt, dass ihr Bus nicht mehr so fahren wird, wie man es über Jahre gewohnt war.

„In den Bussen wird zurzeit nur an den Endhaltestellen durchgesagt, dass die Linie sich ändern wird“, sagt Julia Mandroschek. Weitere Informationen gäbe es nicht. Die Studentin pendelt täglich von der Oberkrone zur Ruhr-Universität. Ihr Bus, die 375, ändert Zeit und Route.

Bauingenieur-Student Steffen Schmidt ärgert sich ebenfalls. „Ich fahre auch aus Umweltgründen mit dem Bus zur Ruhr-Uni. Aber demnächst wäre es viel praktischer, das Auto zu nehmen.“ Sein bisheriger Bus, die 320, fährt jetzt nur noch halb so oft zur Ruhr-Uni. Die Studenten haben sich bei der Bogestra beschwert. Sie fordern auch die Stadt Witten auf, einzugreifen.

Eindruck: Witten verliert zugunsten Bochums

Die Krux: Die Bogestra informiert zwar in Bochum groß und öffentlich über ihr neues „Netz 2020“, das „den öffentlichen Personennahverkehr der Stadt Bochum zukunftssicher und attraktiver machen soll“. Das verstärkt in der Ruhrstadt den Eindruck, dass in Witten zugunsten Bochums gespart wird. Dabei gehen die Wittener Änderungen auf den neuen Nahverkehrsplan zurück.

Für Empörung sorgt in den Hölzern, dass die Buslinie 320 nicht mehr nach Durchholz/Kämpen hochfährt. Klaus Pranskuweit (SPD) hat sich beim Studium der neuen Fahrpläne gehörig die Augen reiben müssen. Der Politik seien immer wieder neue Streckenführungen etc. vorgelegt worden. Pranskuweit: „Am Ende wusste keiner mehr so recht, wo was und warum geändert wurde. So war es dann wohl auch, als der Wittener Fachausschuss und Rat über den Plan abstimmen musste.“

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