Beratung

Netzwerk informiert türkische Bürger über Demenz

Organisieren den Info-Nachmittag: (v.li.) Kathrin Brommer, Anke Steuer, Waltraud Sjamken und Petra Möller vom Netzwerk Demenz Witten/Wetter/Herdecke.

Foto: Thomas Nitsche

Organisieren den Info-Nachmittag: (v.li.) Kathrin Brommer, Anke Steuer, Waltraud Sjamken und Petra Möller vom Netzwerk Demenz Witten/Wetter/Herdecke. Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Immer mehr ältere Migranten sind auf Pflege angewiesen. Doch nur wenige kennen entsprechende Hilfsangebote. Das soll sich jetzt ändern.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Während Experten und Bürger gerade den Ausgang der Abstimmung in der Türkei diskutieren und manche von fehlgeschlagener Integration sprechen, handeln die Mitglieder des Netzwerks Demenz Witten/Wetter/Herdecke. Sie wollen türkischen Familien bei einem Informationstreffen am 25. April erklären, welche Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten es hier gibt, wenn Mutter, Vater oder die Großeltern dement werden. Denn die Zahl der Betroffenen steigt.

„Viele Gastarbeiter sind inzwischen Senioren“, sagt Anke Steuer, Koordinatorin des Netzwerks. „Und sie fahren nicht mehr wie früher als Rentner in ihre Heimat zurück.“ Zehn Prozent der über 64 Jahre alten Menschen in Deutschland seien Migranten, das sind 1,5 Millionen. Gerade im Ruhrgebiet machen die Türkischstämmigen dabei die größte Gruppe aus. „Deshalb wollen wir uns zuerst auf diese konzentrieren“, so Steuer.

Flyer in türkischer und deutscher Sprache

Um die türkischen Familien mit ihrem Angebot tatsächlich zu erreichen, haben sich die Netzwerkerinnen etwas Besonderes überlegt. Zunächst einmal haben sie einen Flyer entworfen, der auf Deutsch und Türkisch erklärt, worum es geht. Doch selbst wenn die sprachliche Barriere damit ausgeräumt ist, fehle vielen dennoch das Verständnis für die Pflegemöglichkeiten, die sich außerhalb der Familie bieten. „Altenheime gibt es in der Türkei nicht“, sagt Petra Möller von der Alzheimer-Gesellschaft. „Pflege ist nach wie vor eine Familienangelegenheit.“

Und obwohl die Generation der pflegenden Angehörigen inzwischen selbst meist berufstätig sei, würden sich viele scheuen, Hilfe von außen anzunehmen. Und so kommen in Petra Möllers Demenz-Sprechstunden selten Menschen mit Migrationshintergrund, „höchstens polnische Bürger waren mal da“. Auch das Café Vergissmeinnicht vom Mobile-Projekt der Caritas war eigentlich offen für alle Kulturen. „Aber das hat nicht geklappt“, sagt Kathrin Brommer.

Film und Gesprächsrunde bei Tee und Gebäck

Die Veranstalterinnen hoffen, dass ihr Schritt einer in die richtige Richtung ist. Deshalb haben sie die Flyer und Plakate nicht nur in Banken oder bei Ärzten verteilt, sondern auch in Dönerbuden. Für den Info-Nachmittag haben sie etwas mehr Zeit eingeplant als sonst – nämlich drei Stunden. Weil sie gelernt haben, auf die gastfreundliche Kultur einzugehen, wird erst mal in aller Ruhe ein Glas Tee getrunken. Ein türkischer Lieferservice bietet entsprechende Häppchen. Die Besucher sitzen nicht in langen Stuhlreihen, sondern familienweise an Tischen. Und ein Film in türkischer Sprache mit deutschen Untertiteln führt erst mal in das Thema ein: „Kalp unutmaz“ ist sein Titel – „Das Herz vergisst nicht“.

>> DIE VERANSTALTUNG

  • Die kostenlose Veranstaltung am Dienstag, 25. April, richtet sich an türkische und deutsche Bürger: 16 bis 19 Uhr, Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte, Hans-Böckler-Str. 11.

  • Referentin ist Ayse Kus vom Gelsenkirchener Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik