Familiendrama

Nachbarn zu Tragödie: „Das war eine ganz liebe Familie“

Auf diesem Spielplatz hinter seinem Wohnhauswar das zehnjährige Opfer oft zu sehen.

Auf diesem Spielplatz hinter seinem Wohnhauswar das zehnjährige Opfer oft zu sehen.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   Eine furchtbare Tat erschüttert die Nachbarn des Wohnhauses in Witten-Annen. Sie können kaum glauben, dass Mutter ihren Sohn und sich tötete.

Ihr Sohn habe leider schon am Montagabend auf Facebook von der schrecklichen Tat erfahren. Die Frau, die das ganz fassungslos erzählt, ist eine Nachbarin der Familie, in der sich das Drama ereignete. Sie wohnt im selben Haus in der Annener Rosi-Wolfstein-Straße. Dort hat ein Ehemann und Vater die Leichen seiner Frau und seines zehnjährigen Sohnes am Montag um kurz vor 18 Uhr in der gemeinsamen Wohnung entdeckt.

„Eigentlich“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, habe sie ihrem Sohn schonender beibringen wollen, was passiert ist. „Wir wohnen seit 13 Jahren hier.“ Die Kinder hätten sich von klein auf gekannt und häufig auf dem Platz hinterm Haus zusammen Fußball gespielt. Auch am Montagnachmittag hatten sie sich offenbar verabredet. Doch zu einem Treffen sei es nicht mehr gekommen.

„Das ist eine ganz liebe Familie. Die Frau hat mal bei einem Discounter gearbeitet, wohl als Kassiererin“, sagt eine andere Hausbewohnerin. Auch ihr steht der Schock über das Unfassbare ins Gesicht geschrieben. Keiner kann sich erklären, was in der Familie vorgefallen sein muss. „Das ist ein hellhöriges Haus, aber wir haben nie gehört, dass es dort laut geworden ist.“ Fast schon machen sich die Nachbarinnen, die einen Tag später im Hausflur zusammenstehen, Vorwürfe, dass sie rein gar nichts mitbekommen haben. Natürlich wollten sie sofort Blumen und Kerzen vor die Tür legen, „aber wir durften erst nicht, weil die Kripo nochmal in die Wohnung rein musste“.

Der Ort des grausamen Geschehens befindet sich in der zweiten Etage des Gebäudes, in dem insgesamt 18 Familien in Eigentumswohnungen leben. Die betroffene Wohnung, die über einen Laubengang erreichbar ist, ist versiegelt. „Beschlagnahmt. Betreten polizeilich verboten“ steht auf dem DIN-A4-großen Zettel, der an der Klinke hängt. Oben auf der Tür klebt der Spruch der Heiligen Drei Könige: „Christus segne dieses Haus“. Der Aufkleber stammt aus dem Jahr 2017. Auf den Fensterbänken rechts und links der Tür stehen hübsche Blumenkästen mit rosa blühenden Erika-Pflanzen.

„Man denkt immer, so etwas passiert nur woanders“

Das mehrstöckige kastenförmige Haus ist eines von sechs Gebäuden gleicher Bauart, die entlang der Rosi-Wolfstein-Straße mit Blick zur Uni stehen. Sie sind hellgelb und grau verputzt, haben markante blaue Rollladenkästen. Kaum ein Mensch ist zu sehen an diesem Dienstagmittag.

Eine Frau geht mit ihrem Hund auf der riesigen Wiesenfläche vor den Häusern Gassi. Ja, sie wohne auch hier, habe die Familie aber nicht gekannt, sagt sie. „Meine Kinder haben mir nur von dem großen Polizeiaufgebot am Montagabend erzählt.“ Erst am Dienstag habe sie dann aus der Presse von dem Drama erfahren. „Man denkt immer, so etwas passiert nur woanders. Und jetzt ist das ganz nah – ein komisches Gefühl.“

INFORMATION

  • Der zehnjährige Junge aus Annen, den seine Mutter mit in den Tod riss, besuchte das Ruhr-Gymnasium.
  • Um Mitschüler, die unter Schock standen, kümmerten sich dort am Dienstag vor Ort fünf Notfallseelsorger. Außerdem hatte das Gymnasium mittags eine Informationsveranstaltung organisiert.

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