Wirtschaft

Nach Galladé-Insolvenz läuft es bei PZW gut an

Seit 100 Tagen gibt es das Press- und Zerspanungswerk PZW, ehemals Galladé in Witten, Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Seit 100 Tagen gibt es das Press- und Zerspanungswerk PZW, ehemals Galladé in Witten, Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

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Witten.Vor 100 Tagen wurde aus dem insolventen Wittener Automobilzulieferer Galladé ein Werk für Press- und Zerspanungstechnik. Betriebsrat und Geschäftsführung der neuen GmbH ziehen eine positive Bilanz.

Die ersten 100 Tage sind vorbei. Betriebsrat und Geschäftsführung der im Juli aus der insolventen Galladé GmbH hervorgegangenen „Press- und Zerspanungstechnik Witten“ (PZW) ziehen eine positive Bilanz. Knapp 80 Mitarbeiter, doppelt so viele wie geplant, sind schon heute wieder bei dem Automobilzulieferer in Heven tätig. Wie versprochen wurden neben den 40 Mitarbeitern, die seit Juli dabei sind, alle weiteren neuen Stellen mit früheren Galladé-Beschäftigten besetzt. Vorausgesetzt, die wirtschaftliche Gesundung des Unternehmens geht weiter, hoffe er Mitte 2011 wieder auf dreistellige Belegschaftszahlen, so Betriebsratsvorsitzender Frank Ellerkamp.

In Heven hatten einst über 200 Leute gearbeitet. Die Talfahrt des Traditionsunternehmens fand ihren vorläufigen Höhepunkt im Oktober 2009, als die Mitarbeiter selbst Insolvenz anmeldeten. 2010 bekamen alle vom Insolvenzverwalter die Kündigung. Mangels Investoren drohte noch Ende Juni diesen Jahres die Schließung. Erst die Übernahme durch die Familie Uhe, Besitzer der KMS Gesenkschmiede in Solingen, brachte die Rettung in letzter Sekunde.

Insbesondere in der Schmiede und der Kaltfertigung ist die Auslastung besser als geplant

Uhe habe bisher gute Arbeit geleistet, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Derzeit profitiere das Unternehmen auch vom Boom der Automobilindustrie. Insbesondere in der Schmiede und Kaltfertigung sei die Auslastung besser als geplant. Wobei in den ersten drei Monaten vor allem Auftragsspitzen abgearbeitet worden seien. Viel hänge jetzt von der Planung der Großkunden für das nächste Jahr ab.

Über den Berg sei die Firma erst, meint Ellerkamp, wenn sie wieder Gewinn mache und genug Kapital für eigene Investitionen erwirtschafte. Sie würden jetzt noch auf eigenes Risiko von der Familie Uhe gestemmt, die zum Beispiel 250 000 Euro in die Zerspanung in der Komponentenfertigung steckt.

Bei einer Auslastung von 30 bis 35 Prozent gebe es noch „viel Luft nach oben“, so Ellerkamp. Die Schmiede arbeitet zurzeit nur ein- statt dreischichtig, in der Komponentenfertigung laufen nur 17 von 34 Maschinen. Das Unternehmen sei von seinem Maschinenpark her auf einen Umsatz von 40 Mio Euro ausgelegt, sagt Geschäftsführer Jörg Uhe. „Da wollen wir wieder hin.“

Zwölf bis 15 Mio Euro Umsatz sind für 2011 geplant. Dann soll zumindest die schwarze Null wieder stehen. Uhe: „Wir sind mit 239 000 Euro pro Monat gestartet, jetzt liegen wir bei 750 000.“ Im November werde sich entscheiden, welche „Quoten“ große Automobilzulieferer wie Daimler vergeben.

150 bis 400 Euro brutto fehlen monatlich in der Lohntüte

Uhe: „Man hat uns zugesagt, uns zu berücksichtigen, nur noch nicht in welcher Höhe.“ Immerhin sei es gelungen, Kunden wieder zurückzugewinnen, wenngleich noch nicht im vollen Umfang. Wichtig seien die Serienaufträge. Sobald die Auftragsbestände wieder dauerhaft seien, wolle man das Personal weiter aufstocken.

Derzeit müssen die Beschäftigten noch deutliche Lohneinbußen hinnehmen. Laut Sanierungstarifvertrag bekommen sie kein Weihnachts- und Urlaubsgeld, Prämien wurden gestrichen, es wird mehr gearbeitet (bis 40 Stunden) als bezahlt. 150 bis 400 Euro brutto fehlen monatlich in der Lohntüte. Im nächsten Jahr hofft der Betriebsrat auf eine Ausgleichszahlung von 1000 Euro.

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