Hohenstein-Party

Polizei ermittelt nach Chaoten-Party von 250 Jugendlichen

Das Bergerdenkmal am Morgen nach der Chaoten-Party: Wo Menschen sonst einen einmaligen Blick ins Wittener Ruhrtal genießen, sah es aus wie auf einer wilden Müllkippe. Drei städtische Mitarbeiter brauchten Stunden, um den Abfall einzusammeln.Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Das Bergerdenkmal am Morgen nach der Chaoten-Party: Wo Menschen sonst einen einmaligen Blick ins Wittener Ruhrtal genießen, sah es aus wie auf einer wilden Müllkippe. Drei städtische Mitarbeiter brauchten Stunden, um den Abfall einzusammeln.Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.   Nach der Hohenstein-Feier hoffen Ermittler, den Verursacher zu ermitteln. Wohl über WhatsApp hatten Hunderte von der Party in Witten erfahren.

Ein 21-jähriger Wittener und ein gleichaltriger Wetteraner sind am Montagabend (15.4.) bei der spontanen Party, die rund 250 Jugendliche am Bergerdenkmal feierten, leicht verletzt worden. Die jungen Männer waren an einer dortigen Prügelei beteiligt. Die Polizei erstattete Anzeige wegen Körperverletzung.

Die Ermittler hoffen – nach einer Anhörung der 21-Jährigen – den Verursacher des Flashmobs ermitteln zu können. Polizei-Sprecher Jens Artschwager sagte am Mittwoch: „Die Einladung zur Feier ist nicht strafbar, aber deren Folge.“

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen waren nach ersten Ermittlungen über ein Schneeballsystem per „WhatsApp“ zur Party auf den Hohenstein eingeladen worden. Die wegen Ruhestörung von Wittenern alarmierte Polizei bat vor Ort direkt um Verstärkung. Jens Artschwager: „Es waren mehrere Einsatzwagen auf dem Hohenstein.“

Stühle flogen in Richtung Wetterstraße

Die Beamten kümmerten sich um die zwei Verletzten, erteilten den „Partygästen“ am Bergerdenkmal ein Platzverbot. „Dieses wurde auch befolgt. Als die Kollegen eintrafen, befand sich alles schon in Auflösung“, so Artschwager. Daher hätten auch keine Personalien aufgenommen werden können. Die Hinterlassenschaften des Partyvolks: Berge von leeren Flaschen, Plastikbechern, Snack-Verpackungen. An der Uferstraße wurden zudem Baustellenbegrenzungen umgeworfen.



Drei Mitarbeiter des städtischen Betriebsamtes waren am Dienstag mehrere Stunden damit beschäftigt, den Müll rund ums Bergerdenkmal zu beseitigen. Hans-Georg Rentrop, seit über 20 Jahren Betriebsamts-Chef: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“


Auch Wittener Abi-Feiern seien in der Vergangenheit schon aus dem Ruder gelaufen. Aber das, was am Montagabend auf dem Hohenstein passiert sei, habe „eine andere Dimension“, findet Rentrop. Er weiß, dass auch Stühle vom Bergerdenkmal aus den Hang hinunter in Richtung Wetterstraße geworfen worden sind. Die Kosten für den städtischen Aufräum-Einsatz schätzt der Amtsleiter auf rund 1000 Euro – Steuergelder.

Der Betriebsamtsleiter beklagt, dass generell mit Wittens grüner Lunge nicht sehr wertschätzend umgegangen werde. „Wir machen immer freitags auf dem Hohenstein für die Wochenend-Besucher gründlich sauber. Montags sieht es da jedes Mal schlimm aus.“

Grewals Gäste hatten keine ruhige Nacht

Ajit Grewal, Inhaber des Hotels Haus Hohenstein, hat von den rund 250 Feiernden am Montagabend nichts mitbekommen. „Wir haben gegen 21 Uhr das Restaurant geschlossen. Ich habe mich nur über die vielen Autos auf den Parkplätzen gewundert“, sagt der Hotelier. Grewals Gäste hatten keine ruhige Nacht. „Da fragten Leute schon am nächsten Morgen, wo sie denn hier gelandet seien.“

Denn Gäste, die im Haus Hohenstein ein Hotelzimmer buchen, freuen sich auf Entspannung am Waldesrand und morgendliches Vogelgezwitscher. Dass diese Ruhe im Frühling und Sommer an den Wochenenden immer wieder durch Feiernde gestört wird, ärgert Ajit Grewal.

Betrunkene kommen ins Hotel, um zur Toilette zu gehen

Als es auf dem Hohenstein noch einen öffentlichen Grillplatz gab, habe es dort auch „Radau“ gegeben. Diese Grillgelegenheit gibt es nicht mehr, „die Leute bringen jetzt einfach ihren eigenen Grill mit“. Betrunkene kämen in sein Hotel, sagten, sie müssten mal aufs Klo. „Die Leute müllen auch unseren Hotel-Parkplatz zu“, so Grewal zu unserer Zeitung. Draußen stehen Behälter für Abfälle. „Aber die Leute werfen den Müll dort nicht hinein.“ Bei Feiern im Grünen, die nach 22 Uhr seine Gäste stören, bittet Ajit Grewal die Verursacher um Rücksichtnahme. „In 80 Prozent der Fälle wird das akzeptiert, in den anderen Fällen rufen wir wegen Ruhestörung die Polizei.“

Bei der Chaoten-Party am Montagabend hätten sich wohl Bommeraner bei der Polizei beschwert, vermutet der Hotelier. „Denn wenn es am Bergerdenkmal so laut ist, schallt das ja bis nach Bommern rüber.“

Zufahrt zum Hohenstein wird zugeparkt

Eine Bitte richtet der Hotelier generell noch an Besucher des Hohensteins: Diese sollten nicht, wie es leider oft geschehe, die Zufahrtsstraße zum Hohenstein auf der rechten Seite zuparken. „Denn dies beeinträchtigt nicht nur die Anfahrt der Gäste zu unserem Hotel. Was viel gravierender ist: Im Notfall wird auch die Anfahrt für Rettungskräfte dadurch behindert.“

Was ein wenig an den Vorfall auf dem Hohenstein am Montagabend erinnert: In Essen haben Abiturienten während der Mottowoche Anfang April am Baldeneysee die dortige Regattabühne vermüllt. Diese war übersät mit Pappbechern, Pizzakartons und Glasscherben. Bei einer anderen Party, die aus dem Ruder lief, wurden Polizisten und Ordnungsamtskräfte aus der Menge heraus mit Flaschen beworfen.

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