Essen

Mottomarkt-Besucher lassen sich Deftiges schmecken

Pfeffferpotthast serviert hier Michael Voss von der Herbeder Stadtschänke.

Foto: Thomas Nitsche

Pfeffferpotthast serviert hier Michael Voss von der Herbeder Stadtschänke. Foto: Thomas Nitsche

witten.   Endlich mal ein Mottomarkt, der genau den Geschmack der Wittener traf. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Frag’ nach bei Fründt und anderen.

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Die Mitarbeiter vom Haus Fründt beginnen schon mittags um eins das Feld zu räumen. Ausverkauft. „Himmel un Äd“ und dicke Bohnen mit Kartoffeln und Speck – ruck, zuck weggeputzt. Dabei geht der Mottomarkt „LeckerSchmecker – Wittener Gastronomen kochen nach Omas Rezepten“ noch bis halb vier.

Monika Kaptein hat noch Glück gehabt. Die ältere Dame aus Annen sitzt auf einer der fast voll besetzten Holzbänke und verzehrt genüsslich gebratene Blutwurstscheiben mit Kartoffelstampf und Apfelmus. Ein guter alter deutscher Klassiker ist das, von den Rheinländern ebenso für sich reklamiert wie von den Schlesiern. Oder den Westfalen.

„Früher gab’s ja nicht viel.Wir hatten kaum Fleisch.“

„Das schmeckt sehr gut“, sagt die freundliche, sehr gepflegte Dame. „Zuhause mache ich mir das manchmal auch.“ Aber was hatte denn Omas Küche der heutigen Kost voraus? Das sei schwer zu sagen, sagt Monika Kaptein und erinnert sich dann an die Nachkriegszeit: „Früher gab’s ja nicht so viel. Wir hatten kaum Fleisch, es gab viel Suppen.“

Michael Voss, Koch der Stadtschänke in Herbede, hat da klarere Vorstellungen, während er einem hungrigen Gast sein Pfefferpotthast (gekochter Gulasch) zubereitet. „Damals wurden keine Fertigprodukte verwendet“, sagt der 50-jährige Bochumer. „Das Huhn, das im Kochtopf landete, war vorher noch auf dem Hof herumgelaufen und hat fröhlich gegackert. Es wurde saisonal und regional gekocht. Heute muss immer alles billig sein und immer verfügbar. Aber Qualität und Preis gehen nur bedingt zusammen. Qualität muss einfach teurer sein.“

Diese Qualität konnten sich die Mottomarktbesucher vor Ort kaufen. Denn eingebettet war die Genussmeile mit den vor Ort gekochten Gerichten in den normalen samstäglichen Wochenmarkt, wo es die entsprechenden Zutaten und Produkte an den Ständen zu kaufen gab. Und die Rezepte bekamen die Besucher von den Gastronomen gratis. Wie zum Beispiel für den leckeren Matjes-Stipp mit Bratkartoffeln oder die klare Kartoffelsuppe mit Shrimps, die der Jever Krog servierte. Auch hier standen die Kunden Schlange.

„Es herrscht ein enormer Ansturm“, freut sich Marktleiter Matthias Pöck. „Wir machen das zum ersten Mal.“ Mit „wir“ meint er das Stadtmarketing und die Agentur „Die Eventplanerin“ in Person von Gaby Diedrichs. Sie sagt: „Wir wollen vergessene Rezepte den Jüngeren näherbringen.“ Nun, so vergessen sind Gerichte wie Himmel un Äd ja nicht. Seit etwa 15 Jahren feiert diese Deftigkeit ihr „Revival“ in gutbürgerlichen Häusern, ebenso wie Pfefferpotthast oder ein „Arme-Leute“-Gemüse wie Stielmus.

Derweil dreht Robby an seinem Leierkasten. Es klingt schön nostalgisch. Auf seinem Werbe-Flyer steht „Es lohnt sich immer, etwas Leierkasten Musik im Hause zu haben.“ Um 13.15 Uhr hat er schon zwei Aufträge. Und die ersten Gastronomen melden: „Ausverkauft!“

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