Digitales Rathaus

Mit einem Wisch zum Trautermin

Den Weg ins Rathaus ersparen sich immer mehr Bürger. Sie kommunizieren über den PC  mit der Stadt  – oder mobil am Smartphone oder Tablet.

Den Weg ins Rathaus ersparen sich immer mehr Bürger. Sie kommunizieren über den PC mit der Stadt – oder mobil am Smartphone oder Tablet.

Foto: ANDRE HIRTZ

Witten.   Immer mehr Bürger nutzen Online-Dienste. Das Rathaus will sie ausbauen. Mit dem Smartphone kann man dann Müll melden oder das Standesamt buchen.

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Witten kommt auf dem Weg zur modernen, digitalen Abwicklung von Dienstleistungen im Rathaus gut voran. Diesen Eindruck untermauerte Astrid Raith im Rat mit etlichen Beispielen. Gemeinsam mit Eike Zengerle ist sie Beauftragte fürs städtische e-Government.

Wohngeld beantragen, das Kind für einen Kita-Platz anmelden, Anregungen oder Beschwerden vortragen – das regeln viele Wittener inzwischen online. Beim Beantragen eines Bewohnerparkausweises oder eines Sperrmülltermins sind sie schon in der Mehrheit gegenüber denen, die anrufen, schreiben, mailen oder persönlich „vorsprechen“. 48 solcher Dienstleistungen bietet die Stadt bereits über die Servicefunktionen auf ihrer Homepage an. Und inzwischen erfolgen 56 Prozent der Zugriffe darauf „mobil“ – also vom Smartphone oder Tablet aus und nicht vom PC. Astrid Raith nimmt das als Bestätigung dafür, dass die Stadt hier die veränderten Bedürfnisse der Bürger trifft und sieht weiteres Potenzial. „Unser Credo ist: Jeder soll die Angebote nutzen dürfen, wann und wo er möchte.“

Einmal für immer authentifizieren

Im zweiten Quartal 2018, also bis Juni, planen die e-Government-Beauftragten mit der Rathaus-IT und den Fachämtern drei weitere Dienste. Als erstes geht auf der Stadtseite ein neues Service-Portal an den Start. In diesem können sich Bürger „einmal richtig anmelden“ – entweder im Rathaus oder mit digitalem Personalausweis und Kartenlesegerät von zu Hause aus. In vielen Formularen sind dann – wie bei der Steuererklärung – die Grundangaben vor-ausgefüllt. Der Bürger kann auch Nachweise hochladen. Die Stadt verfügt damit gleichzeitig über einen elektronischen Rück-Kanal. Dieser ist – anders als E-Mail-Verkehr – geschützt, so sie auch papierlos antworten kann.

„Mängel-Melder“ auch für Dreckecken

Die zweite Neuerung bis zum Sommer soll ein „Mängel-Melder“ sein. „Den wollen viele“, ist sich Raith sicher. Per App oder über die Homepage können Bürger dann zum Beispiel eine Müllecke melden – am besten mit Foto und digitalen Ortungsdaten. Damit nicht genug: Wenn das Betriebsamt ein Häkchen hinter den Auftrag setzt, soll der Bürger auch direkt eine elektronische Rückmeldung bekommen: Alles erledigt.

Das dritte Angebot ersetzt die schon seit längerer Zeit abgestellte Baustellen-Übersicht. Eine digitale Karte mit anklickbaren Hintergrundinfos soll nicht nur zeigen, wer gerade wo buddelt und warum. Sie soll auch etliche Infos über Schulen, Kitas und Friedhöfe liefern.

Standesamt Tag und Nacht „offen“

Bis Ende des Jahres möchte das e-Government außerdem den digitalen Traukalender eingeführt wissen. Ort, Datum und Uhrzeit für den Standesamtstermin soll man sich dann online aussuchen können. Astrid Raith erntete Heiterkeit im Rat für ihre schmissige Ansage: „Wenn irgendjemand irgendwem dann irgendwo vor die Füße fällt, soll er auch zu jeder Tages- und Nachtzeit gleich alles klarmachen können.“

>> Smart City Witten

Auf Antrag der Großen Koalition (SPD/CDU) gab der Rat der Stadt den Auftrag, eine „Digitalisierungsstrategie für die Smart City Witten“ zu erarbeiten. Kostenneutral soll sie die Stelle eines Digitalisierungsbeauftragten einrichten. Das Arbeitsfeld umfasse viele Lebensbereiche.

Die Linke nannte den Antrag „zu schwammig“. Die Piraten fanden ihn „völlig fleischlos“. Die GroKo wolle „irgendwas mit Digitalisierung“ machen, ohne Geld auszugeben. Die CDU verteidigte sich: Es gehe um alle Aspekte der Digitalisierung, man wolle dabei gute Ideen nicht ausbremsen.

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