Soziales

Mit dem Babysimulator das „Mutter sein“ lernen

Mutter sein ist gar nicht so leicht: Einiges lernt Antonia (Mitte) mit Hilfe eines Babysimulators. Auch ihre Klassenkameraden machen mit bei dem Projekt, unter ihnen Michelle, Felix, Marian, Anastasia und Arta (v.l.). Sexualtherapeutin Stefanie Dürr (r.) beantwortet ihre Fragen.

Mutter sein ist gar nicht so leicht: Einiges lernt Antonia (Mitte) mit Hilfe eines Babysimulators. Auch ihre Klassenkameraden machen mit bei dem Projekt, unter ihnen Michelle, Felix, Marian, Anastasia und Arta (v.l.). Sexualtherapeutin Stefanie Dürr (r.) beantwortet ihre Fragen.

Foto: Jürgen Theobald (theo)

Witten   Pestalozzischülerin Antonia versorgt Mia, einen Babysimulator. 10. Klasse lernt bei pro familia, was Verantwortung als Mutter oder Vater bedeutet.

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Erst wimmert die kleine Mia nur, dann fängt das drei Monate alte Baby richtig an zu schreien. Möchte ihr Kind das Fläschchen oder muss die Windel gewechselt werden? Noch weiß Mama Antonia noch nicht, was ihm fehlt. Die 16-Jährige lernt gerade das „Muttersein“.

Die Pestalozzischülerin und ihre Kameraden der 10. Klasse nehmen in dieser Woche an dem pro familia-Projekt „Rund um die Zukunft“ teil. Die Jugendlichen lernen, dass es ganz schön schwer ist, wenn man für ein Baby Verantwortung trägt – egal, ob als Vater oder Mutter. Antonia erlebt diese Erfahrung gerade hautnah: Sie ist „Mama auf Zeit“. Mia – ein Babysimulator – ist ihr Kind in dieser Woche. Und der Säugling macht sich zwischendurch lauthals bemerkbar.

Windel mit elektronischem Chip

Vier Tage lang ist es für Antonia (fast) so, als sei sie wirklich Mama eines Neugeborenen. „Das mit dem frühen Aufstehen, das ist so eine Sache“, grinst die Pestalozzischülerin. „Um halb sechs hat Mia angefangen zu schreien.“ Dann heißt es: Füttern (ein Fläschchen an den Mund der Puppe halten), wenn nötig, die Windeln zu wechseln (ein kleines Tüchlein mit elektronischem Chip) oder das Baby hin und her zu wiegen. Alle Reaktionen sind programmiert. Und auch, ob Antonia ihre Aufgaben kindgerecht erledigt, wird abgespeichert: Bekommt Mia immer schön das Fläschchen, wenn sie Hunger hat? Wird sie ja nicht geschüttelt?

In Beratungsstelle hineinschnuppern

„Wir wollen, die Jugendlichen dafür sensibilisieren, dass ein Kind große Verantwortung mit sich bringt“, erklärt Klassenlehrer Michael Kraus, warum seine Schüler an der Projektwoche teilnehmen. „Ein Kind zu haben, ist ein 24-Stunden-Job, bei dem jeder seine Grenzen hat“, weiß Ursula Kersting-Otte, bei pro familia zuständig für den Bereich Familienplanung.

Neun Schüler der 10. Klasse sind heute in die Beratungsstelle gekommen, um hineinzuschnuppern, die Mitarbeiter, die Räume und Angebote kennenzulernen. Und natürlich, um rund ums Thema „Kind“ dazuzulernen. Was passiert, wenn man ein Baby schüttelt, fragt Ursula Kersting-Otte in die Runde. „Es stirbt“, sagt ein Junge und erntet ein Nicken der Expertin. „Ja, das kann passieren.“ Auch die Frage, warum ein Baby schreit, kann die Gruppe beantworten: „Wenn es Hunger hat“ oder „Wenn es Aufmerksamkeit braucht“.

Irgendwann will Antonia ein „richtiges“ Kind

Felix (16) hat schon einiges über Baby gelernt. Sein Fazit: „Das ist ziemlich anstrengend.“ Michelle (16) hat schon Erfahrungen gesammelt. „Ich bin es gewohnt, mit Babys umzugehen. Ich habe eine große Familie.“ Und Antonia? Sie muss sich um „ihr“ Baby kümmern.

Vorsichtig nimmt die 16-Jährige die Decke aus der Babyschale, versucht die schreiende Mia zu beruhigen – mit Fläschchen, mit einer neuen Windel. Erst das Hin-und-Her-Wiegen – so will es das Computerprogramm – hilft, den Säugling versöhnlich zu stimmen. Wann Mia das nächste Mal anfängt, zu schreien, weiß Antonia nicht. Vielleicht in der Nacht? Egal - ihr Entschluss jedenfalls steht schon fest: „Irgendwann“, sagt die Schülerin, „dann will ich ein richtiges Kind.“

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Das Projekt will pro familia nicht als Reaktion auf „Frühschwangerschaften“ verstanden wissen, von denen es ohnehin aufgrund guter Aufklärung nicht sehr viele gebe. Man wolle aufklären, niemanden von einer Schwangerschaft abhalten, so Sexualpädagogin Stefanie Dürr.

Auch der Unterricht dreht sich um Schwangerschaft: Was kostet ein Kind? Passt ein Baby überhaupt in meine Lebensplanung? In den vier Tagen lernen die Jungen und Mädchen auch, welche Beratungsstellen es im Fall der Fälle gibt – wie pro familia oder den Kinderschutzbund.

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