Hohe Abfindung

Mann kassierte 250.000 Euro vor Job-Wechsel nach Witten

Im Wittener Rathaus fand der ehemalige Mitarbeiter der Stadt Iserlohn eine neue Anstellung. Foto: Svenja Hanusch / Funke Foto Services

Im Wittener Rathaus fand der ehemalige Mitarbeiter der Stadt Iserlohn eine neue Anstellung. Foto: Svenja Hanusch / Funke Foto Services

Witten.  Nach Ärger bei der Stadtverwaltung Iserlohn ist ein Mitarbeiter zum Wittener Ordnungsamt gewechselt. Vorher kassierte er noch 250.000 Euro.

Eine Abfindungs-Affäre, die in der Iserlohner Stadtverwaltung ein politisches Beben ausgelöst hat, spielt nach Witten. Es geht um einen ehemaligen Angestellten der Stadt Iserlohn, der seit Kurzem Angestellter des Wittener Ordnungsamtes ist. Am Mittwoch, so schrieb der Mann selbst auf seiner Facebook-Seite, habe man das Arbeitsverhältnis mit ihm wieder beendet. Der Mann hatte bei seinem Ausscheiden in Iserlohn – als einfacher Angestellter – eine Bruttoabfindung in Höhe von 250.000 Euro kassiert. Nachdem die kostspielige Angelegenheit durch den Iserlohner Kreisanzeiger (IKZ) aufgedeckt worden war, hatte Iserlohns Bürgermeister Peter Paul Ahrens seinen Rücktritt für September angekündigt.

Am Dienstag (21.5.) hatte die Hagener Staatsanwaltschaft im Iserlohner Rathaus Akten im Zusammenhang mit der Affäre beschlagnahmt. Es werden Hinweise dafür gesucht, warum dem ehemaligen Mitarbeiter eine solch hohe Abfindung gezahlt wurde. In diesem Zusammenhang wurden auch fünf Privatwohnungen in Dortmund und Iserlohn durchsucht. Der 37-jährige Angestellte, der von der Stadtverwaltung Iserlohn zur Stadtverwaltung Witten wechselte, war elf Jahre in Iserlohn beschäftigt. Am Anfang soll er dort Strafzettel für Falschparker geschrieben, später die Abteilungen gewechselt haben. Der Mann sei schwierig gewesen. Städtische Mitarbeiter des Ordnungs- und Servicedienstes des Ordnungsamtes hätten sich über ihn beschwert, heißt es. Diese sollen sich durch abfällige Äußerungen, auch verbale Drohungen von dem Mann unter Druck gesetzt gefühlt haben, zitiert der Iserlohner Kreisanzeiger aus einem internen städtischen Papier.

Kämmerer soll versucht haben, die Auszahlung zu stoppen

Der 37-Jährige soll in diesem Januar im Iserlohner Rathaus vorstellig geworden sein, gesagt haben, er sehe keine Perspektive mehr bei der Stadt Iserlohn und wie man „auseinanderkommen könne“, schreibt die IKZ. In einem Auflösungsvertrag sei ihm eine Abfindung in Höhe von 250.000 Euro zugesichert worden. Iserlohns Kämmerer soll im März noch versucht haben, diese hohe Auszahlung zu stoppen. Iserlohns Bürgermeister habe für die Zahlung jedoch grünes Licht gegeben. Als die sehr hohe Abfindungssumme bekannt wurde, gab es Ärger mit der örtlichen Politik. Die Iserlohner CDU wirft Bürgermeister Peter Paul Ahrens einen Alleingang vor. Die IKZ zitiert aus einer städtischen Informationsdrucksache über die im nicht öffentlichen Teil im Mai im Hauptausschuss beraten wurde. Im Papier heißt es: „Der sicherlich ungewöhnlich hohen Abfindungssumme steht eine problembeladene Weiterbeschäftigung bis zum Renteneintritt in 29 Jahren mit Personalgesamtkosten von 1,8 Millionen Euro gegenüber.“

„Er ist bei uns in der Probezeit“

Laut IKZ ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue in besonders schwerem Fall gegen Iserlohns Bürgermeister, den Kämmerer und weitere Mitarbeiter der Iserlohner Stadtverwaltung.

Wittens Personaldezernent Matthias Kleinschmidt sagte auf die Frage unser Zeitung zur Anstellung des ehemaligen Mitarbeiters der Stadt Iserlohn im Wittener Ordnungsamt: „Er ist bei uns in der Probezeit.“ Bei einer Bewerbung um eine städtische Stelle müssten die Kandidaten neben einem polizeilichen Führungszeugnis auch ein Arbeitszeugnis des letzten Arbeitgebers vorlegen. Wenn es hieran keine begründeten Zweifel gebe, „rufen wir nicht beim vorherigen Arbeitgeber an“.

Am Mittwochabend meldete sich der nach eigenen Aussagen von der Stadt Witten entlassene Mitarbeiter bei unserer Zeitung. Gegenüber unserer Zeitung behauptete er, die hohe Abfindung weder gewollt noch gefordert zu haben. Die Gründe für die hohe Abfindung habe er in einer fünfstündigen Vernehmung den Ermittlungsbehörden mitgeteilt.

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