Märkisches Museum

Märkisches Museum in Witten zeigt „Hymne an die Jungen“

Jana Schumacher, Museumsleiter Christoph Kohl, Kuratorin Cora Waschke, Thomas Helbig, Ben Cottrell und Ina Johanna Götte Luisa (von links) bereiten die Eröffnung vor.

Jana Schumacher, Museumsleiter Christoph Kohl, Kuratorin Cora Waschke, Thomas Helbig, Ben Cottrell und Ina Johanna Götte Luisa (von links) bereiten die Eröffnung vor.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.   Das Wittener Märkische Museum bringt Arbeiten von Hans Kaiser mit denen junger Künstler zusammen. Gemeinsam ist allen: Sie malen gegen den Trend.

Eine „Hymne an die Jungen“ hat das Märkische Museum seine neue Ausstellung genannt. Dabei ist die Schau viel mehr als ein Loblied auf den Nachwuchs. Die Kunsthistorikerin Cora Waschke aus Berlin stellt vielmehr Arbeiten von sechs jungen Künstlern den Werken des bekannten Malers Hans Kaiser gegenüber.

Der selbst hatte die Hymne 1982 geschrieben, weil er nach einem Besuch im Essener Folkwang-Museum so begeistert war von der freien und ungezwungenen Kunst der sogenannten „Neuen Wilden“. Der gebürtige Bochumer hatte schon 1942 in Witten ausgestellt und ist mit mehreren bedeutenden Werken im Bestand des Märkischen Museums vertreten. Die wollte Museumsleiter Christoph Kohl wieder einmal zeigen, zumal jüngst neue Arbeiten hinzukommen sind – eine Schenkung von Kaisers Erbengemeinschaft.

Nicht immer gibt es augenfällige Parallelen

Doch eine Gruppe von „Neuen Wilden“, die zu Kaiser passen würde, hat Kuratorin Waschke in der aktuellen Kunstszene nicht gefunden. Nur den Trend, gesellschaftspolitische Fragen in Kunst umzusetzen. Sie war sicher: Das wäre Kaisers Ding nicht gewesen. Stattdessen suchte sie für die Austellung sechs Künstler, die sich dem Trend widersetzen, die Kunst machen, „die aus sich heraus relevant ist, und nicht deshalb, weil das Thema relevant ist“, erklärt die 34-Jährige.

Deren Bilder und Installationen bringt die Berlinerin nun in Witten mit Kaiser zusammen. In jedem Saal hängen an einer Wand Werke des Bochumers, an den anderen seine zeitgenössischen Gegenstücke. Nicht immer gibt es augenfällige Parallelen. Waschke hat Werke gewählt, die sich mit Kaiser reiben und bei näherer Betrachtung dennoch Gemeinsamkeiten aufweisen.

Mal ist es der Schwung der Formen, wie bei Ben Cottrell, mal der Fokus auf die grafischen Flächen (Shahin Afrassiabi). Jana Schumacher wiederum spielt auf weißen, nicht lesbaren Tarot-Karten mit den Unwägbarkeiten des Lebens. In ihrem Raum hängen zwei Bilder aus der Schenkung, in denen auch Kaiser seine Wünsche an das Leben abstrakt aufgemalt hat.

Gerard Kever ist der „Special Guest“ der Ausstellung

Und schließlich wird ein frühes, noch impressionistisches Selbstbildnis Kaisers kontrastiert mit grinsenden Smileys, die wie von Kinderhand gekritzelt sind (André Butzer) und den Totenschädeln auf dem Bild „Begegnung mit der Philosophie“ von Gerard Kever. Er ist der „Special Guest“ der Ausstellung: Denn dieses Bild war eines jener Werke, von denen Kaiser 1982 nach seinem Besuch in Essen geschwärmt hatte.

Ob dem Altmeister ihre Zusammenstellung gefallen hätte? Cora Waschke ist zuversichtlich. Sie habe Künstler ausgewählt, die „gegen den Zeitgeist ohne Netz und doppelten Boden“ arbeiten würden. Und genau das, so habe Kaisers Tochter Anna-Hiltrud Berger-Felix ihr versichert, habe er auch immer getan.

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