Eisenbahn

Lok rollt mit Verspätung in den Wittener Hauptbahnhof

Die Lok Friedrich im Einsatz auf der Hasper Hütte.

Die Lok Friedrich im Einsatz auf der Hasper Hütte.

Foto: Peter W. Hauswald/EF Witten

Witten.   Historische Lok soll die Halle des Wittener Hauptbahnhofs zieren. Doch die Restauration dauert, die Kosten werden auf 150 000 Euro geschätzt.

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Was ist für eine Bahn schon ein bisschen Verspätung? Seit langem ist geplant, dass die historische Lokomotive Friedrich das Foyer des Hauptbahnhofs zieren soll. 2012 kam die „Henschel & Sohn“-Lok nach Witten, seitdem wird sie restauriert. Das dauert, weil das Vehikel maroder war als gedacht und erhoffte Spendengelder und Hilfen ausblieben.

„Von meiner Heimatstadt bin ich enttäuscht“, sagt Jens Grünebaum, der Vorsitzende der Eisenbahnfreunde Witten, die Friedrich in den Bahnhof bringen wollen. Für sein Herzensprojekt muss der Verein sich gehörig strecken: Geschätzt 150 000 Euro wird Friedrich kosten, das Geld stemmen die Eisenbahner zum größten Teil allein. „Immer wenn wir Gelder rüberschieben, geht es voran“, sagt Grünebaum. Die Rücklagen des Vereins seien schon in das Projekt geflossen, „aber einen Kredit werden wir nicht aufnehmen“. Kleine Dinge bringen nun Geld, etwa der Erlös aus Sonderfahrten.

Schweren Herzens haben sich die Eisenbahnfreunde von einigen Ideen getrennt: Etwa dem „Showeffekt“, dass die Räder sich drehen. „Das würde uns noch einmal 100 000 Euro kosten“, sagt Grünebaum. Es bleibt also bei einer historisch korrekten optischen Aufarbeitung. Pfeife und Glocke immerhin lassen sich mit relativ wenig Aufwand reparieren.

Anschaffung kostete nur 6000 Euro

Seitens der Politik und von Wittener Firmen seien bislang kaum Spenden geflossen. Die Karrierewerkstatt der DEW wollte als „Azubi-Projekt“ das Fahrwerk erneuern, letztlich lagen die Lok-Teile dort aber nur herum. Peu à peu holten die Vereinsmitglieder die Teile mit dem Lkw wieder ab und beauftragten Fachfirmen.

Dabei ist schon eine Menge passiert: Erbaut wurde die Lok von „Henschel & Sohn“ 1949 und wurde bis Mitte der 60er Jahre auf der Klöckner-Hütte in Hagen-Haspe eingesetzt. Dann diente sie Kindern auf einem Spielplatz in Gevelsberg als Abenteuerobjekt. 1984 kam die 900 mm-Lok ins Sauerland zur Museumsbahn „Sauerländer Kleinbahn“. Für 6000 Euro wurde sie schließlich vom Verein erworben.

Neubau nach den Original-Zeichnungen

Der große Aufwand begann 2012: Das fast 20 Tonnen schwere Schienenfahrzeug wurde per Lkw nach Witten gebracht und komplett in Einzelteile zerlegt. Die Rauchkammertür, der Rauchkammerring, die Kohlen- und Wasserkästen waren zu sehr vom Rost zerfressen und mussten erneuert werden.

Teils – wie etwa die Wasserkästen – wurden die Teile nach den Henschel-Zeichnungen von 1949 neu gebaut. Der Kessel wurde in Bruchsal aufgearbeitet, der Rahmen und das Führerhaus befinden sich zurzeit bei der Stiftung Deutsche Eisenbahn in Rheinkamp. „Wenn wir jetzt etwa an 10 000 bis 15 000 Euro an Spenden kämen, würde das das Projekt enorm beschleunigen“, so Grünebaum.

Wann die Lok in den Bahnhof einzieht, steht darum noch nicht fest. Was wohl klar ist: Friedrich wird im Zuge der kompletten Hallensanierung in den Bahnhof gehievt. Das könnte schon 2016 sein. Gebäude-Hausherr Markus Bürger verspricht: „Wir werden eher fertig sein als der Berliner Flughafen.“

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