Tradition

Lohmänner bauen historischen Rennofen

Die „Hüttenwerker“ bei der Arbeit: Sie überwachen den flammenden Rennofen, hier bei dem Projekt 2014..

Die „Hüttenwerker“ bei der Arbeit: Sie überwachen den flammenden Rennofen, hier bei dem Projekt 2014..

Foto: ERIK OBERBECK

  Auf dem Herbeder Werksgelände zeigen Mitarbeiter der Firma Friedr. Lohman, wie man vor 200 Jahren Stahl aus Eisenerz und Holzkohle herstellte.

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Wie wurde eigentlich vor über 2000 Jahren Stahl gewonnen? Besucher können dieser Arbeit demnächst von den Ruhrwiesen aus zusehen. Auf dem Gelände der Firma Friedr. Lohmann in Herbede wird vom 15. bis 23. Juni ein historischer Rennofen errichtet und Stahl aus Eisenerz und Holzkohle hergestellt.

Die Firma Lohmann unterstützt das Projekt „Tatara“-Rennofen zum dritten Mal. Ähnliche Konstruktionen wurden im Kulturhauptstadtjahr 2010 und zum 800. Geburtstag der Stadt Witten 2014 errichtet. Alle vier Jahre soll nun diese Tradition fortgeführt werden. „Ganz nach unserem Motto „Denken in Generationen“ wird gezeigt, dass die alte Schmelzkunst in einem Unternehmen, in dem heute induktiv geschmolzen wird, nicht in Vergessenheit geraten darf“, sagt Mitarbeiterin Petra Legewie.

Rechteckiger Kasten

Die beiden Ofenbauer Achim Wirtz und Pavel Rihacek haben ein Team aus 15 Teilnehmern aus Tschechien, Belgien, Frankreich, Österreich und Deutschland zusammengestellt. Innerhalb von fünf Tagen wollen die Männer aus Ziegeln, Lehm und Quarzsand einen Ofen zur Eisenverhüttung nach dem Vorbild eines sogenannten Tatara-Ofens errichtet. Dabei handelt es sich um einen äußerlich simpel erscheinenden Schachtofen, ein etwa einen Meter hohen Quader.

Tatsächlich ist der Ofen im Inneren recht komplex aufgebaut und besitzt 16 Luftdüsen, die extra gefertigt werden müssen. Nach der Fertigstellung wird der Ofen einmal durch ein Holzfeuer getrocknet, bevor mit dem eigentlichen Vorgang der Eisenverhüttung, der sogenannten Ofenreise, begonnen wird.

Ofenreise vom 20.-23. Juni

Die Ofenreise beginnt voraussichtlich am 20. Juni und wird bis zum Samstag, 23. Juni, andauern. Dabei wird der Ofen für ca. 72 Stunden ununterbrochen mit Holzkohle befeuert, in die schichtweise Eisenerz eingebracht wird.

Da der Rennofen nicht genügend Hitze entwickelt, um Eisen zu schmelzen, liegt das Eisen ausschließlich in fester Form vor. Die entstehenden Eisenpartikel fügen sich nach und nach zusammen und bilden eine Art Schwamm, die sogenannte Luppe. Vom 20. bis 22. Juni werden für die Verhüttung ca. 5,5 Tonnen geköhlerte Kiefernholzkohle und drei Tonnen Erz benötigt.

Eisenstücke gehen in die Schmiede

Neben dem ständigen Einbringen von Erz und Holzkohle müssen während des Betriebes auch ununterbrochen die Luftdüsen gewartet werden. Auch Schlackeabstiche werden hin und wieder vorgenommen. Dabei wird ein Zugang am Ofenboden geöffnet, so dass die flüssige Schlacke, die sich dort gesammelt hat, abfließen kann. Von diesem Vorgang, also dem Rinnen (Altdeutsch „Rennen“), hat der Rennofen auch seinen Namen.

Erst am Samstag, 22. Juni, etwa 10 Uhr, wird die Luppe in einem für die Ofenarbeiter sehr anstrengenden und heißen Arbeitsschritt geborgen. Die Eisenstücke können anschließend in der Schmiede zu Werkzeugen und Klingen aller Art verarbeitet werden.

>> Tatara-Öfen stammen aus Japan

Der kastenförmige Tatara-Rennofen stammt aus einer japanischen Tradition. Bei Kelten und Germanen sahen die Rennöfen eher aus wie runde Kamine.

Mit der Glut der Holzkohle lassen sich Temperaturen um 1200 Grad Celsius erreichen – das ist nicht heiß genug, um Eisen zu schmelzen. Trotzdem fließt immer wieder heiße Glut aus einer Rinne am Boden des Tatara-Kastens: Das ist allerdings Schlacke. Zuschauern bietet dieses Rinnen ein flammendes Spektakel – ebenso wie die über dem Ofen aufschießenden Flammen.

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