Freizeit

Lernen und leben im Naturfreundehaus

Neue Pächter im Naturfreundehaus Eggeklause: Sonja Witt (Mitte), Ehemann Wolfgang Schmidt und Landwirtin Sonja Braselmann (links)

Foto: Elisabeth Semme

Neue Pächter im Naturfreundehaus Eggeklause: Sonja Witt (Mitte), Ehemann Wolfgang Schmidt und Landwirtin Sonja Braselmann (links) Foto: Elisabeth Semme

Witten.   Ein Wengeraner Ehepaar betreibt die Eggeklause nach neuem Konzept. Für Wittener ist das Naturfreundehaus Urlaub vor der Haustür.

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Lernen mitten in der Natur – das ermöglichen die neuen Betreiber der Eggeklause allen Besuchern. Für Wittener fühlt es sich wie Urlaub vor der Haustür an: Denn das Naturfreundehaus liegt hoch über dem Wengeraner Elbschebachtal, gegenüber von Bommerholz. Und wenn in den nächsten Monaten der Radweg durch das romantische Tal fertig wird und an das Wittener Radlernetz anbindet, ist die Eggeklause ein idealer Zwischenstopp.

Pächterin Sonja Witt, ihr Ehemann Wolfgang Schmidt und die befreundete Landwirtschaftsmeisterin Sonja Braselmann sind voller Ideen und Tatendrang. Anfang des Jahres haben sie das Naturfreundehaus in Esborn übernommen. Seitdem gab es zwar keine Minute Freizeit mehr, „aber es macht total Spaß“, versichert Wolfgang Schmidt. Apropos Spaß – der neue Lebens- und Arbeitsmittelpunkt des Trios wird auch genau dafür stehen; denn Gäste sollen in ihrem Haus Erholung finden und all das genießen, was angeboten wird.

Doch der Reihe nach: Ende letzten Jahres verabschiedete sich das Ehepaar Marion und Günther Grunert, die bisherigen Betreiber der Eggeklause, in den Ruhestand. „Sie waren angestellt bei den Naturfreunden, Ortsgruppe Bochum-Mitte. Aber der Verein wollte keine neuen Angestellten mehr, sondern Pächter“, berichtet Sonja Witt, die selbst seit 13 Jahren zweite Vorsitzende der Naturfreunde Bochum-Mitte ist. Da der Verein selbst nicht in der Lage sei, das Haus zu führen, habe es nur zwei Optionen gegeben: verpachten oder verkaufen. Nur 14 Tage hatten Sonja Witt und Wolfgang Schmidt Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Sie entschieden sich für die Eggeklause – in vollem Bewusstsein dessen, was damit auf sie zukommt.

„Ich bin immer wieder mit Schulklassen auf Klassenfahrt hier gewesen“, erzählt Sonja Witt, die als Sonderpädagogin an der Hasenclever-Förderschule in Gevelsberg unterrichtet. Ehemann Wolfgang Schmidt ist Ur-Wengeraner – also quasi neben dem Naturfreundehaus groß geworden. Er brachte seine Frau vor 13 Jahren auch zu den Naturfreunden – damals war die Zukunft der Einrichtung schon einmal gefährdet.

Ganz schnell wurde dem Ehepaar aber auch klar, dass für ihr Projekt weitere Unterstützung her muss. In Freundin Sonja Braselmann, einer gelernten Landwirtin und Landwirtschaftsmeisterin, fanden sie, was sie suchten. „Meine Aufgabe wird es sein, Jugendgruppen im Außenbereich zu betreuen. Dort werden wir einen Bio-Gemüsegarten anlegen, und wir wollen eine Fahrradwerkstatt aufbauen. Außerdem gibt es mit der Pflege des Außengeländes immer etwas zu tun. Hecken schneiden und Laub harken zum Beispiel“, weiß Sonja Braselmann. Neben den Hunden Monty und Tinka gehören schon jetzt zwei Kaninchen und drei Katzen zum Haus. Bald sollen Hühner dazu kommen, die natürlich einen Stall brauchen. Eine weitere mögliche Aufgabe für junge Besucher.

Sonja Braselmann ist bereits mit ihrem 15-jährigen Sohn in eine der beiden Wohnungen in der Eggeklause eingezogen. In der zweiten Wohnung richtet sich das Ehepaar Witt/Schmidt, das zuvor auf Hof Sackern und in Dortmund wohnte, ein Zuhause ein. Zur Umgestaltung im Inneren erklärt Wolfgang Schmidt: „Früher gab es 46 Betten auf zwei Etagen. Jetzt stehen 21 Betten auf einer Etage sowie eine weiteres Dreibettzimmer für Besucher zur Verfügung. Die zweite Etage haben wir zu einer zweiten Wohnung umgebaut. Dafür mussten auch Fenster, Wände und anderes erneuert werden.“

Während also Garten und Außengelände zu Sonja Braselmanns Aufgabenbereich gehören, werden Sonja Witt und Wolfgang Schmidt das Konzept ihres Lernortes mit vielen weiteren Aufgaben anreichern: Wolfgang Schmidt ist Künstler mit Atelier in Dortmund; er will ab September in der Eggeklause unter anderem Zeichenkurse anbieten. Ein Yoga-Kurs ist bereits angelaufen. „Auch Landart-Seminare und Hauswirtschaftsseminare unter dem Motto ,Vom Korn zum Brot’ sind angedacht. Außerdem kann man hier mit Schülern auch wunderbar das Servieren sowie das Ein- und -abdecken eines Tisches üben. Man kann gemeinsam kochen und essen“, sagt Sonja Witt und blickt sich zufrieden in den Gastraum um, der sich nach dem Anstrich mit hellgrauer Farbe in freundlichem Landhaus-Stil präsentiert.


Schüler auf das Berufsleben außerhalb des Klassenzimmers vorbereiten, ihnen Ausdauer, Motivation und ein Miteinander im Sozialen vermitteln, auch das ist Ziel der neuen Betreiber der Eggeklause. „Es gibt wenig Vergleichbares für unser Vorhaben, wir müssen uns alles erarbeiten und auch offen sein für die Ideen anderer“, weiß die Pädagogin, die unlängst schon Besuch von einem Sonderpädagogen der Sekundarschule am See hatte. Auch von dort könnten neue Impulse kommen, eine Kooperation sei angestrebt.

Während am Konzept Lernort Natur für groß und klein also noch gefeilt wird, haben die neuen Betreiber den gastronomischen Betrieb für Tagesgäste seit Mitte März wieder eröffnet. Das bedeutet: An den Wochenenden sind Kochen und Backen angesagt. Für Sonja Witt kein Problem: Sie kocht die Bio-Linsensuppe eben wie die Frikadellen und den Kartoffelsalat selbst, und auch sämtliche Kuchen sind hausgemacht. „Eine Offene-Ganztags-Schülergruppe aus Volmarstein war schon hier. Es gibt bereits Anfragen von Chören für Probenwochenenden, eine Taekwondo-Gruppe hat sich angemeldet, und der Kinderschutzbund Wetter ist für nächstes Jahr auch wieder fest eingeplant “, freut sich das Trio auf alle Gäste.

Öffnungszeiten von Gästehaus und Gastronomie

Der Naturfreunde-Lernort Eggeklause befindet sich Auf der Egge 63 in Wetter-Wengern, 02335-71924, E-mail: info@nfh-eggeklause.de

Öffnungszeiten Gastronomie: März bis Oktober, an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 17 Uhr. Das Gästehaus ist nach Absprache für Gruppen, Vereine und Privatleute geöffnet.

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