Mieterhöhungen

LEG-Mieter befürchten Verdrängung aus Wittener Wiesenviertel

Knut Unger (Mitte) und Mieter vor den LEG-Häusern an der Steinstraße im Wiesenviertel. Werden die Menschen hier aus ihren Wohnungen gedrängt?

Knut Unger (Mitte) und Mieter vor den LEG-Häusern an der Steinstraße im Wiesenviertel. Werden die Menschen hier aus ihren Wohnungen gedrängt?

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   35 LEG-Wohnungen werden modernisiert - was zu Mieterhöhungen bis 200 Euro führen soll. Der Vermieter behauptet: „Das ist keine Luxussanierung“.

Der Wittener Mieterverein spricht von „Sanierung auf Kosten der Mieter“ und befürchtet „Verdrängung im Wiesenviertel“. Es geht um 35 Wohnungen der LEG Immobilien AG an der Steinstraße 34 und 41 sowie an der Friedrich-Ebert-Straße 40, die ab Juni instandgesetzt und modernisiert werden sollen – was zu Mieterhöhungen um 25 bis 38 Prozent führen soll. „Die meisten Menschen, die in den angegrauten Häusern lange leben, können sich das nicht leisten“, teilte der Mieterverein mit.

Für eine Mieterin an der Steinstraße 34 bedeuten die geplanten Sanierungen beispielsweise eine Erhöhung der Grundmiete von 481,21 Euro auf 663,53 Euro. Erlaubt ist das. Die LEG, größter privater Vermieter in Witten, schöpft die erlaubten Mieterhöhungen durch Modernisierung allerdings komplett aus. Die gesetzliche Grenze liegt bei einer Steigerung von 2 Euro pro Quadratmeter bzw. 8 Prozent der Jahreskosten.

LEG: Wir helfen dem Klima

„Damit umgeht die LEG den aktuellen Mietspiegel und treibt die ortsübliche Vergleichsmiete für alle an“, so Knut Unger, Vorsitzender des Mietervereins. Besonders treffe das auf die Häuser an der Steinstraße zu, die im Wiesenviertel stehen. Will die LEG also Besserverdiener in das angesagte Viertel locken?

„Nein“, heißt es seitens LEG-Sprecherin Judith-Maria Gillies. „Wir wollen ausdrücklich, dass sich unsere bestehenden Mieter weiterhin bei uns wohlfühlen.“ Die geplanten Sanierungen seien deshalb auch keine „Luxussanierungen, sondern notwendige bodenständige Modernisierungen ohne Schnickschnack.“ Zudem reduziere man etwa durch Dämmungsarbeiten den CO2-Ausstoß der Immobilien und helfe dabei, die Klimaziele zu erreichen.

SPD fordert sozialverträgliche Modernisierung

Gleichzeitig betont die LEG, die Maßnahmen habe man mit Blick auf die finanzielle Tragbarkeit der Mieter ausgewählt. „Falls es dennoch zu einer finanziellen Überforderung kommen sollte, stehen wir immer für eine Einzelfallberatung bereit, beispielsweise indem wir nach einer günstigeren Wohnung in unserem Bestand suchen“, so Judith-Maria Gillies.

Auch die Wittener SPD äußerte ihre Bedenken über die geplanten Maßnahmen und forderte die LEG auf, die Modernisierungen „sozial verträglich“ zu gestalten. „Verantwortungsvolles Unternehmenshandeln kann nicht nur renditegesteuert sein, sondern muss auch die in ihren Wohnungen verwurzelten Menschen im Blick haben“, teilten die Sozialdemokraten mit.

„35 Jahre wurde nichts gemacht“

Dass die LEG die Wohnungen umfänglich modernisieren und damit teurer machen möchte, ärgert die Mieter auch deshalb, weil der Wohnungsriese die Häuser vorher stark vernachlässigt haben soll. „In 35 Jahren ist hier nichts gemacht worden. Und jetzt auf einmal so viel“, beklagt Rentner Detlef Lichkotta, der seit Jahren in der Steinstraße 41 wohnt und bei einem Treffen des Mieterbundes seine Sicht geschildert hat.

Ähnlich äußert sich Bettina Bloemberg, Mieterin in der Steinstraße 34: „Die LEG hat hier nie modernisiert, wenn Wohnungen freigezogen waren. Aber jetzt, wo alle vermietet sind, legen sie voll los.“ Die umfangreichen Modernisierungen und Instandhaltungen sollen vom 17. Juni bis 13. Dezember stattfinden. Laut Mieterverein ist dann mit viel „Lärm, Schmutz und Stress“ zu rechnen. „Dabei hat meine Tochter ein Attest, dass sie den Baustaub über all die Woche gar nicht aushalten kann“, erzählt Bloemberg.

Verrottete Treppenzugänge

Ärgerlich finden es Tochter und Mutter auch, dass die Nottoiletten während der Arbeiten im Hof sein sollen – und dass dort auch ein Containerwagen mit Duschen geplant wird. Dass die eingeplante Bauzeit bei so vielen Neuerungen eingehalten wird, hält die Familie ebenfalls für äußerst unrealistisch.

Wie sehr die Immobilien in der Vergangenheit vernachlässigt wurden, schildert der Mieterverein anhand der Steinstraße 41. Dort kam es in einer Wohnung vor Weihnachten zu einem langen Heizungsausfall, der bis Mitte Januar nicht behoben wurde. Dazu soll es dort Schimmel, verrottete Treppenzugänge, Stromversorgung und Risse in den Wänden geben.

Mieter: Die LEG kennt Häuser gar nicht

Ein weiterer Vorwurf der Mieter: Die LEG kenne ihre Häuser überhaupt nicht. Beispielsweise werde ein Platz für Mülltonnen eingeplant, wo gar kein Platz dafür bestehe. Die Sorge ist, dass Gärten für den Standplatz verkleinert werden müssen. Auch wird laut Mietparteien der Einbau von Gegensprechanlagen angekündigt. „Dabei haben wir die schon seit Jahren“, sagt Detlef Lichkotta. Vieles sei also unsinnig – wie auch die Ankündigung von komplett neuen Iso-Fenstern und Bädern „Das ist doch alles noch in Ordnung“, findet nicht nur Lichkotta. Die LEG betont dagegen: „Die meisten Menschen freuen sich darüber, wenn sie ein neues Bad bekommen.“

Der Mieterverein erwägt nun, rechtlich gegen die Maßnahmen vorzugehen. Derzeit laufen vor dem Amtsgericht Witten bereits mehrere Prozesse der LEG gegen Mieter, die Mieterhöhungen nicht akzeptieren wollen, der nächste am Donnerstag, 17. April, um 9.20 Uhr.

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