Naturschutz

Lämmchen bekämpfen am Wittener Ruhrufer den Riesen-Bärenklau

Schäferin und Schafzüchterin Dunja Berendsen muss bei ein paar Lämmchen mit der Flasche nachhelfen. Auch die wenige Wochen alten Tiere fressen aber schon den Riesen-Bärenklau am Ruhrufer.

Schäferin und Schafzüchterin Dunja Berendsen muss bei ein paar Lämmchen mit der Flasche nachhelfen. Auch die wenige Wochen alten Tiere fressen aber schon den Riesen-Bärenklau am Ruhrufer.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   70 Schafe vernichten auf der bei Lohmann gelegenen Rasenfläche am Wittener Ruhrufer den Riesen-Bärenklau. Schon die Kleinsten helfen mit.

Noch hat der Riesen-Bärenklau nicht seine imposante Höhe und sein markantes Äußeres, doch schon jetzt sprießt und wächst die giftige Pflanze wieder allerorts entlang der Ruhr – auch auf der rund fünf Hektar großen Rasenflächen der Firma Lohmann nördlich der Lakebrücke. Doch hier rücken seit einigen Tagen 70 Schafe dem ungeliebten Gewächs auf die Pelle.

Seit vergangenem Sommer besteht die Kooperation zwischen dem Familienunternehmen und Schäferin Dunja Berendsen vom Naturhof Witten. „Und wir haben schon tolle Erfolge erzielt“, sagt Katja Lohmann-Hütte. Heißt: deutlich weniger Exemplare des Riesen-Bärenklaus. „Ich wollte hier schon lange eine Schafbeweidung. Aber es war nicht so einfach, einen Schäfer zu finden.“

Schafe fressen den Riesen-Bärenklau gerne

Die Schafe fressen die nachwachsenden Pflanzen ab, bevor diese blühen und so ihre Samen weiterverbreiten können. „Schon im letzten Jahr konnte man wieder gut ans Ufer ran“, sagt Lohmann-Hütte. Auch die Schafe freuen sich. „Die fressen den Bärenklau richtig gerne“, so Berendsen. „Und von den Giftstoffen geht auch nichts ins Fleisch der Tiere über.“

Die Ausbreitung der auch Herkulesstaude genannten Pflanze mit Schafen zu verhindern, sei einfach ökologisch sinnvoll, sagt Lohmann-Hütte. „Durch meine Tiere werden zum Beispiel auch Insekten nicht gestört“, ergänzt Berendsen. „Denn sie verursachen ja weder Lärm, noch Abgase. So kann die Artenvielfalt wieder aufleben.“ Außerdem kommen die 70 „Coburger Füchse“ auch problemlos in den Böschungsbereich, wo der Riesen-Bärenklau besonders zahlreich wächst, weil sich seine Samen auch über das Wasser verbreiten.

Schafe als Landschaftspfleger

25 Muttertiere und 45 kleine Lämmchen mampfen nun bis Ende Oktober immer wieder alle nachwachsenden Exemplare des Riesen-Bärenklaus hinweg – und natürlich auch alles andere, was auf der Lohmannschen Wiese wächst, etwa Brombeersträucher und Brennnesseln.

„Schafe sind wichtig für die Pflege der Landschaft, das ist leider schon zu sehr in Vergessenheit geraten“, sagt Schäferin Berendsen, für die die Zucht der „Coburger Füchse“ – eine vom Aussterben bedrohte, alte Landschaf-Rasse – ein Stück gelebter Naturschutz ist. „Eine Umweltorganisation mit Spenden zu unterstützen, ist die eine Sache. Aber selber etwas zu tun, ist viel schöner.“

Acht Schafe sind noch trächtig

Eine kleinere Herde der 47-Jährigen grast derzeit auf einer privaten Streuobstwiese in Vormholz. Zehn Mutterschafe stehen noch auf dem Hof in Durchholz, darunter zwei frischgebackene Mamas mit Zwillingen und acht trächtige Schafe. Sobald die Böcke geschlechtsreif sind, werden sie von den weiblichen Tieren getrennt. „Sonst hätten wir direkt wieder Nachwuchs“, sagt Berendsen.

Schafe könnten sich pro Jahr zweimal fortpflanzen. „Aber das wollen wir nicht. So eine Schwangerschaft ist für jedes weibliche Wesen eine enorme Leistung. Und bei uns geht es nicht um Produktion.“ Mit Schafhaltung ein Einkommen zu erzielen, werde immer schwieriger, sagt die gelernte Bürokauffrau. „Aber das Ganze macht für mich einfach so viel Sinn.“

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