Stadtbibliothek

Künstler Nils Oskamp bezieht in Witten Stellung gegen rechts

Nils Oskamp (49) , Künstler, Comiczeichner und Kämpfer gegen rechte Ideologien präsentiert seine Ausstellung „Drei Steine" im Foyer der Wittener Stadtbibliothek.

Nils Oskamp (49) , Künstler, Comiczeichner und Kämpfer gegen rechte Ideologien präsentiert seine Ausstellung „Drei Steine" im Foyer der Wittener Stadtbibliothek.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  In seiner Jugend wurde Nils Oskamp Opfer rechter Gewalt. In einer Ausstellung in der Stadtbibliothek bezieht der 49-Jährige Stellung gegen rechts.

Künstler Nils Oskamp bezieht Stellung gegen rechts. Der Grafikdesigner, der heute in Hamburg lebt, ist auch als Künstler tätig. In seinem autobiografischen Comic „Drei Steine“ erzählt der 49-Jährige die Geschichte seiner Jugend in den 1980er Jahren in Dortmund-Dorstfeld. Seine Wanderausstellung ist ein mahnendes Werk gegen den Rechtsradikalismus. Bis zum 13. November ist sie im Foyer der Stadtbibliothek an der Husemannstraße zu sehen.

Zivilcourage zu zeigen, das erfordert eine ganze Menge Mut. Nils Oskamp, der in Hamburg als lllustrator arbeitet, ist ein mutiger Mann. In seiner Jugend in Dortmund-Dorstfeld wurde er Opfer rechter Gewalt. In Witten sind von ihm nun Comic-Originalzeichnungen zu sehen, die die Geschichte seiner Jugend in Dorstfeld erzählen.

Ein Mitschüler in der Schulklasse verleugnete den Holocaust

Bibliothekarin Melanie Duwe ist froh, die „Drei Steine“ mit Unterstützung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ nach Witten geholt zu haben. „Denn diese Geschichte ist nicht nur erschütternd und mahnend, sondern sie ist auch authentisch. Die Bibliothek ist der ideale Ort dafür, denn hier gehen viele junge Menschen ein und aus.“ Der Kampf gegen den Rechtsradikalismus beginnt für Oskamp auf der Wilhelm-Busch-Realschule in Dorstfeld. Ein Mitschüler in der Schulklasse verleugnet den Holocaust und verbreitet nationalsozialistische Parolen.

Nils Oskamp lehnt sich dagegen auf und bezieht Stellung. Von da an wird er Zielscheibe für die örtlichen Neonazis und befindet sich in einem stetigen Kampf – auch ums eigene Überleben. Was bedeutet der Ausstellungs-Titel „Drei Steine“? „Auf meinem Weg von der Schule nach Hause sah ich einen geschändeten jüdischen Friedhof. Dabei sah ich kleine Steine auf den umgekippten Grabsteinen liegen. Drei davon habe ich eingesteckt“, erklärt Oskamp. Genau diese Szene hängt auch mit Bleistift gezeichnet an der Wand im Foyer der Stadtbibliothek.

Abends wollten ihn Neonazis auf einer Kirmes verprügeln

Oskamp trägt die drei Steine von nun an bei sich. Abends wollen ihn Neonazis auf einer Kirmes verprügeln. Oskamp wirft den ersten Stein und trifft einen Angreifer an der Stirn. Dieser erste Stein steht dafür, dass Notwehr zur Verteidigung, wenn das eigene Leben bedroht ist, in Ordnung ist. Der zweite Stein steht dafür, dass Gewalt trotzdem keine Lösung ist.

Nils Oskamp überlebt auch ein Attentat mit einer Schusswaffe. Daraufhin will er mit dem zweiten Stein dem Klassenkameraden „den Kopf einschlagen“. Doch schnell wird ihm bewusst, dass dies kein Weg ist. Schließlich wendet er sich an die Polizei. Viele Jahre später legt Nils Oskamp den dritten Stein am Mahnmal in Yad Vashem, der zentralen Gedenkstätte für den Holocaust des Staates Israel, ab.

Noch heute erhält er regelmäßig Morddrohungen. Im vergangenen Jahr lauerten Neonazis seiner Lebensgefährtin auf und verprügelten sie. Doch er habe keine Angst, sagt er. Und setzt sich weiterhin mutig gegen den Rechtsradikalismus ein.

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