Gesundheit

Kritik an in Witten geplanter Psychiatrie wird laut

Noch zieren Diakonissen der Wittener Bildhauerin Christel Lechner den Rasen vor dem Evangelischen Krankenhaus in Witten. Bekommt Witten den Zuschlag für eine neue Psychiatrie, soll auf dem Grün der Neubau entstehen.

Noch zieren Diakonissen der Wittener Bildhauerin Christel Lechner den Rasen vor dem Evangelischen Krankenhaus in Witten. Bekommt Witten den Zuschlag für eine neue Psychiatrie, soll auf dem Grün der Neubau entstehen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten  Die auf dem Gelände des EvK geplante Psychiatrie sorgt für Kritik. Landrat Olaf Schade meldet „Gesprächsbedarf“ beim NRW-Gesundheitsminister an.

. Der angedachte Psychiatrie-Neubau mit 79 vollstationären und 21 Tagesklinik-Plätzen auf dem Gelände des Evangelischen Krankenhauses (EvK) sorgt für Kritik. Landrat Olaf Schade hat sich, wie unsere Redaktion erfuhr, bereits Anfang Juni mit einem Schreiben an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gewandt. Hierin betont Schade, dass er aufgrund der Rückmeldungen der „pflichtversorgenden Kliniken“ in Hattingen-Niederwenigern und Herdecke „dringenden Gesprächsbedarf“ habe.

Wie Landrat Schade haben auch die Landtagsabgeordneten Nadja Büteführ (SPD) und Verena Schäffer (Grüne) in einem Schreiben Laumann um eine „Erläuterung“ der Entscheidung für den Standort Witten in einem persönlichen Gespräch gebeten. Büteführ und Schäffer, die Parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Partei im Düsseldorfer Landtag ist, fordern den Minister auf, mit den betroffenen Kliniken in den Dialog zu treten, „um eine einvernehmliche Lösung zu finden“. Gemeint sind das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, das St. Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern und das Fliedner-Krankenhaus in Gevelsberg.

Landrat Schade fürchtet eine schlechtere Versorgung

Hintergrund: Das Herdecker und das Hattinger Klinikum haben beide Erweiterungspläne. Nach Ansicht von Schade bedeute der „Entscheidungsentwurf“ für die Einrichtung eines neuen vollstationären Angebotes in Witten „für die bereits im Bereich der psychiatrischen Vollversorgung tätigen Klinken, deren Wunsch auf Bettenaufstockung abzulehnen“. Dies, so befürchtet Schade in seinem Schreiben an den Minister, werde die aktuelle Versorgungslage für Menschen mit psychischen Erkrankungen im Kreis verschlechtern.

Eine Argumentation, die der Wittener CDU-Chef Ulrich Oberste-Padtberg nicht nachvollziehen kann. „Die CDU Witten würde es sehr begrüßen, wenn die größte Stadt des EN-Kreises eine eigene Psychiatrie bekommen würde“, sagte er auf Anfrage unserer Redaktion. Dies würde nicht nur eine Stärkung des Medizinstandortes Witten mit den beiden Kliniken und der Universität, sondern auch eine Erleichterung für Wittener Patienten bedeuten. Oberste-Padtberg: „Sie müssten für eine stationäre Behandlung dann nicht mehr nach Niederwenigern, was ja nicht um die Ecke liegt.“

Herdecke und Niederwenigern planen 59 neue Patientenbetten

Außerdem würden die geplanten Bettenaufstockungen in Herdecke und Niederwenigern deutlich unter dem liegen, was für Witten mit insgesamt 100 Plätzen angedacht sei. Im Schreiben von Landrat Olaf Schade ans NRW-Gesundheitsministerium ist für Herdecke und Niederwenigern von insgesamt 59 geplanten neuen Patientenbetten die Rede.

Der Wittener Verein Viadukt unterstützt mit Einrichtungen, Hilfsangeboten und Beratungen jährlich mehrere hundert psychisch erkrankte Menschen. Jochen Herold, Leiter des Viadukt-Fachdienstes ambulant betreutes Wohnen, weiß: „Zur stationären Behandlung gehen die meisten Wittener bislang nach Niederwenigern.“ Wer dort mit dem Bus hinfahre, benötige dafür fast anderthalb Stunden. Herold findet es richtig, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen dort behandelt werden, wo sie wohnen. Nicht zuletzt, so seine Hoffnung, könnte eine Psychiatrie in Witten vielleicht auch zu einer größeren gesellschaftlichen Akzeptanz von psychischen Erkrankungen führen.

Mehrere Monate Wartezeit auf einen Platz in Wittener Tagesklinik

Herold betont, dass der Verein Viadukt bislang sehr gut mit den Kliniken in Herdecke und Niederwenigern zusammengearbeitet habe. „Beide machen seit Jahrzehnten eine gute Arbeit. Es ist klar, dass sie für ihre Belange kämpfen.“ Dass es einen Mehrbedarf an psychiatrischer Versorgung gebe, stehe außer Frage, so Herold. Der ein Beispiel nennt: Wenn sich Menschen in der Wittener Tagesklinik an der Pferdebachstraße meldeten, müssten sie mit mehreren Monaten Wartezeit rechnen.

EvK-Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter hofft, den Zuschlag vom NRW-Gesundheitsministerium zu bekommen. Wenn es so kommen sollte, soll der Neubau ab Frühjahr 2020 vor dem EvK auf der grünen Wiese entstehen. Dort, wo derzeit noch die Diakonissen der Bildhauerin Christel Lechner ihren Platz haben.

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