Psychiatrie

Psychiatrie Herdecke nimmt ab 2021 Menschen aus Witten auf

Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke soll ab dem kommenden Jahr psychisch erkrankte Menschen aus Witten stationär versorgen. Die Klinik sucht hierfür noch rund 40 neue Mitarbeiter.

Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke soll ab dem kommenden Jahr psychisch erkrankte Menschen aus Witten stationär versorgen. Die Klinik sucht hierfür noch rund 40 neue Mitarbeiter.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Witten.  Die Herdecker Klinik wird noch nicht am 1. Januar mit der Pflichtversorgung psychisch kranker Patienten aus Witten starten können. Die Gründe.

Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, das nach dem Streit um den Neubau einer Psychiatrie in Witten nun psychisch erkrankte Wittener versorgen soll, wird diesen Auftrag des Landes noch nicht ab Januar wahrnehmen können. Der Ärztliche Direktor der Klinik, Prof. Alfred Längler, sagte der Redaktion, dass man hiermit im Laufe der ersten drei Monate des neuen Jahres starten werde. Um auf die vom Düsseldorfer Gesundheitsministerium geforderte Bettenzahl von 110 zu kommen, wird in der Klinik noch umgebaut.

18 neue Betten für eine psychiatrische Intensivstation entstehen seit Juli innerhalb des Krankenhauses in einem Gebäude von 1969. „Hier war früher unter anderem die Bäderabteilung untergebracht“, so Mediziner Längler. Auch für weitere zehn bis 15 Betten müsse noch umgebaut werden. Bislang halten die Herdecker 82 stationäre Betten für Patienten vor, die in den Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychosomatik behandelt werden.

Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke benötigt noch rund 40 neue Mitarbeiter

Mitte November vergangenen Jahres kam die Nachricht aus dem Düsseldorfer Gesundheitsministerium: Am Evangelischen Krankenhaus Witten soll keine Psychiatrie gebaut worden. Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke solle künftig die Wittener Patienten versorgen. Diese werden bisher zum größten Teil vom St.-Elisabeth-Krankenhaus in Hattingen-Niederwenigern behandelt.

Wenn die Herdecker 2021 übernehmen, brauchen sie vorher auch noch mehr Personal. Prof. Alfred Längler geht von rund 40 neuen Mitarbeitern aus – Ärzten und Pflegekräften. Der neue Chef der Psychiatrie wurde bereits gefunden: Im April hat Prof. Helge Müller die Leitung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie übernommen. Der gebürtige Niedersachse war vorher stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn.

Tagesklinik an der Pferdebachstraße in Witten soll zweiten Standort bekommen

Der 41-Jährige ist auch privat nach Herdecke gezogen und hat an der Universität Witten/Herdecke den neu eingerichteten Lehrstuhl für Integrative Psychiatrie und Psychotherapie übernommen.

An der Wittener Pferdebachstraße unterhält das Gemeinschaftskrankenhaus noch eine Tagesklinik mit derzeit 21 Plätzen. 35 sollen künftig angeboten werden. Die zusätzlichen Plätze sollen in einer angemieteten Immobilie in der Nähe der jetzigen Tagesklinik entstehen.

Apropos Pferdebachstraße: Seine Psychiatrie-Pläne für das Evangelische Krankenhaus Witten hat Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter trotz der Absage aus Düsseldorf noch nicht zu den Akten gelegt. Die Ev. Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel, zu der das EvK gehört, verklagt das Land vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Denn zunächst hatte es für den geplanten Psychiatrie-Bau positive Signale gegeben. Es gab außerdem eine breite Unterstützung für das Vorhaben seitens der Wittener Politik, aus der Ärzteschaft und von Patienten.

Politiker baten Gesundheitsminister Laumann um Erläuterungen

Das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Niederwenigern und das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke bestanden ihrerseits auf eine Erweiterung der bereits vorhandenen eigenen Kapazitäten. Landrat Olaf Schade und die Landtagsabgeordneten Nadja Büteführ (SPD) und Verena Schäffer (Grüne) wurden aktiv. Sie baten NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann um Erläuterungen für eine Entscheidung für den Standort Witten.

Nadja Büteführ antwortete auf eine jetzige Anfrage der Redaktion, dass es für sie nicht hinnehmbar sei, dass Witten durch die Entscheidung des Gesundheitsministeriums „nun völlig außen vor“ bleibe. Sie hoffe, „dass die Krankenhausbedarfsplanung spätestens im nächsten Jahr dazu führt, dass die größte Stadt im Kreis über ein eigenes psychiatrisches Angebot verfügt“.

Keine Antwort von Landrat Olaf Schade

Die auch angefragte Verena Schäffer betonte schriftlich gegenüber der Redaktion, dass sie es „sehr bedauerlich“ finde, dass vor der Entscheidung des Gesundheitsministeriums „kein Kompromiss zwischen den Beteiligten herbeigeführt werden konnte“. Die Grünen-Politikerin erwartet vom Düsseldorfer Gesundheitsminister, dass er das EvK Witten bei der nächsten Krankenhausplanung berücksichtigt, „insbesondere hinsichtlich einer gerontopsychiatrischen Versorgung“. Landrat Olaf Schade antwortete der Redaktion nicht auf eine schriftliche Anfrage zum gleichen Thema.

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