Fridays-for-Future

Klima-Demo: 1500 Leute protestieren vor Rathaus in Witten

Rund 1500 Menschen haben am Freitag auf dem Wittener Rathausplatz für mehr Klimaschutz protestiert.

Rund 1500 Menschen haben am Freitag auf dem Wittener Rathausplatz für mehr Klimaschutz protestiert.

Foto: Bastian Haumann / Funke Foto Services GmbH

Witten.  Rund 1500 Menschen sind zur Klima-Demo auf dem Wittener Rathausplatz gekommen. Nicht nur Schüler, auch viele Erwachsene waren diesmal dabei.

Alle Erwartungen wurden übertroffen: 1500 Menschen – so die Schätzung der Polizei – sind am Freitagmittag zur „Fridays-for-Future“-Demo in Witten gekommen. Nicht nur Schüler, wie sonst.

Diesmal wurde die Klimakundgebung auch von vielen Erwachsenen unterstützt und begleitet. „Es sind viel mehr gekommen, als wir gedacht haben“, sagt Organisatorin Laura Schmidt. „Wir sind mega-zufrieden.“

Viele der älteren Teilnehmer sind zum ersten Mal bei den Friday-Protesten dabei. „Wenn nicht heute, wann dann?“ so Jennifer Ramos e Silva. Spontan hat sie sich auf den Boden gehockt, um Beate Scharf dabei zu helfen, ein Protestplakat gegen Massentierhaltung zu malen. „Darüber wird viel zu wenig geredet, die Fleischproduktion macht 51 Prozent der Treibhausgase aus“, so die 57-Jährige. Auch Lienhard Lötscher ist mit seiner Frau Beatrice zum ersten Mal zur Demo gekommen. „Das muss man einfach unterstützen. Denn sonst wird die Zukunft für unsere Enkel beängstigend.“

„Mit ihrem Protest darf man die Jugendlichen jetzt nicht allein lassen“, sagt Roland Schröter-Liederwald von den „Teachers for Future“. Die gleiche Formulierung wählt Karola Weidenbach. Es sei gut, dass die Schüler für ihre Zukunft auf die Straße gehen, das wolle sie mit ihrer Teilnahme unterstützen. Sorge bereitet ihr aber, „dass hier allen möglichen politischen Strömungen eine Plattform gegeben wird“.

Werner Frischmann von der Klimaallianz lädt zum Klimamarkt

Denn auf der Bühne werden nicht nur Schlachtrufe für die Demo eingeübt. Das große Publikum nutzen auch Vertreter verschiedener Organisationen, um für ihre Sache zu werben. Susanne Rühl vom ADFC betont, „Radverkehr ist Klimaschutz“, Werner Frischmann von der Klimaallianz lädt zum Klimamarkt und die IG Metall verspricht ihre Unterstützung.

Unmut wird dann aber laut, als Linken-Ratsmitglied Carsten Samoticha lautstark gegen die Bebauung des Kornmarkts und die Politik in Witten aktiv macht. „Klimaschutz brauchen wir nicht“, würde es bei allen Entscheidungen im Rat heißen. Auch Romero Frey von Auf Witten ergreift das Mikrofon: „Ein grüner Kornmarkt wäre der sichtbare Wandel in der Klimapolitik Wittens.“

„Es ist halt ein offenes Mikro. Da geben wir erst mal keine Stellungnahme zu ab“

Eine „Unmöglichkeit ist das, dass die hier Lügen verbreiten können“, kommentiert Lilo Dannert von den Grünen die Auftritte der Vorredner. Auch Pirat Stefan Borggraefe hält es nicht mehr im Publikum, er meldet sich spontan zu Wort, um einiges richtigzustellen. Der Kornmarkt werde sehr wohl eine Grünfläche bekommen – und eine Frischluftschneise sei er schon jetzt nicht. Demo-Organisatorin Laura Schmidt zuckt angesichts der Politik-Querelen mit den Schultern. „Es ist halt ein offenes Mikro. Da geben wir erst mal keine Stellungnahme zu ab.“

Stattdessen setzt sich der Protestzug nach gut einer Stunde lautstark in Bewegung – wie immer die Bahnhofstraße runter zum Hauptbahnhof. „Rinderhack ist Kack“ wird skandiert und „Wer nicht springt, der ist für Kohle“. Gesprungen wird aber wenig – das mag an den älteren Teilnehmern liegen.

Die Geschäfte sind trotz Friday-Demo geöffnet, viele Kunden lächeln und nicken den Demonstranten zu. „Recht hamse, aber nützen wird es nichts“, sagt eine 58-Jährige. Eine andere schimpft zwischen zwei Currywurst-Stücken: „Da laufen die Blagen mit Colaflaschen in der Hand, um gegen Plastik zu protestieren, die spinnen doch.“ Ob denn Klimaschutz nicht wichtig sei? „Doch, aber die wollen doch nur die Schule schwänzen.“

Der lange Demozug bringt den Verkehr auf der Bergerstraße zum Erliegen. Die meisten Autofahrer ertragen es gelassen, Ärger gibt es erst, als einige Jugendliche beschließen, die Demo mit einem Sitzstreik im Kreisel und vor dem Bahnhof zu verlängern. Erst nach viel gutem Zureden lassen sie sich überzeugen, die Straße zu räumen. „Aber ansonsten“, so lobt die Polizei, „war es eine friedliche Veranstaltung.“

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