Interview

„Klassik ist unbewusst immer da“

DIe Geigerin Kathy Kang tritt im Saalbauf auf.

DIe Geigerin Kathy Kang tritt im Saalbauf auf.

Foto: privat

Witten.   Als „große Geigerin der Zukunft“ bezeichnet Dirigent Ingo Ernst Reihl, Musikdirektor der Universität Witten/Herdecke, die junge Musikerin, die er für das nächste Konzert seines „Jungen Orchesters NRW“ gewinnen konnte

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Als „große Geigerin der Zukunft“ bezeichnet Dirigent Ingo Ernst Reihl, Musikdirektor der Universität Witten/Herdecke, die junge Musikerin, die er für das nächste Konzert seines „Jungen Orchesters NRW“ gewinnen konnte. Die Rede ist von Kathy Kang (22). Am Samstag, 26. Januar, wird sie auf der Saalbaubühne als Solistin Beethovens Violinkonzert D-Dur (op. 61) präsentieren. Im Interview spricht die gebürtige Koreanerin über ihren Werdegang und ihre musikalischen Einflüsse.

Wann haben Sie angefangen, Geige zu spielen?

Kathy Kang: Im Alter von drei Jahren. Damals habe ich noch in Seoul gewohnt. Aber als ich neun Jahre alt war bin ich mit meiner Mutter und meinem Bruder nach Deutschland gekommen. Ich wurde als Jungstudierende an die Robert-Schumann-Hochschule eingeladen. Vor zwei Jahren habe ich ein Vollstipendium bekommen und studiere jetzt bei Prof. Pinchas Zukerman an der Manhattan School of Music in New York.

Dann ist ihre Familie für Ihre Ausbildung extra umgesiedelt?

Ja, aber mein Bruder hat hier auch eine sehr gute Ausbildung bekommen und studiert jetzt in Bonn. Für meine Mutter war es natürlich schwieriger, weil sie schon älter war und sich als Koreanerin erst an die Mentalität in Deutschland gewöhnen musste. Aber ich glaube, bei Müttern ist es so: Wenn die Kinder glücklich sind, dann sind sie auch glücklich.

Wie erklären Sie sich den Erfolg der klassischen Musik in Ostasien?

Für die asiatische Kultur ist diese Musik etwas fremd. Aber die Menschen interessieren sich sehr für alles Westliche. Da haben sie die klassische Musik für sich entdeckt. Aber auch Essen, Architektur oder neuerdings Wein: Das ist in Korea jetzt ein sehr populäres Getränk. Gerade die Hauptstadt Seoul, in der ich geboren wurde, ist sehr modern und nur wenig „koreanisch“.

In Deutschland scheint die klassische Musik gerade bei jungen Leuten immer weniger beliebt zu sein.

Wenn man sich aber die europäische Weihnachtsmusik oder die Kirchenmusik anhört, dann war und ist die Klassik – für die Leute vielleicht unbewusst – immer da. Ich hatte auch auf dem deutschen Gymnasium das Gefühl, dass bestimmt 90 Prozent der Kinder in meiner Klasse ein Instrument gespielt haben. Das wurde in den Familien noch sehr gepflegt.

Sie hatten schon früh professionelle Lehrer. Welchen Einfluss hatten sie auf Sie?

Rosa Fain, bei der ich in Deutschland unterrichtet wurde, war eine Meisterschülerin von David Oistrach. Sie hatte von ihm die ganze russische Schule und die vielfältige russische Musikgeschichte gelernt. Das hat sie geprägt und sie hat es auf mich übertragen. Ich habe unglaublich viel bei ihr gelernt. Danach kam ich nach New York und ich liebe das Leben und das Studium dort. Mit Herrn Zukerman habe ich einen fantastischen Lehrer. Er hat bei Ivan Galamian studiert. Das war einer der berühmtesten und wichtigsten Geigenpädagogen in der Musikgeschichte. Ich kann wirklich glücklich sein, dass ich für mich diese Kombination von inspirierenden Lehrern gefunden habe.

Am Samstag spielen Sie als Solistin mit dem Jungen Orchester NRW.

Ja, schon zum zweiten Mal. Es ist schön, mal aus New York hierhin zu kommen. Ich habe mit meinem Lehrer sehr hart an dem Beethoven-Violinkonzert gearbeitet. Ich freue mich darauf, es dann jetzt vor Publikum spielen zu können.

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