Abschiedsfest

Kita Augustinchen schließt für immer ihre Türen

Traurige Gesichter beim Abschiedsfest im  „Augustinchen“: Die Kita schließt für immer.

Foto: Barbara Zabka

Traurige Gesichter beim Abschiedsfest im „Augustinchen“: Die Kita schließt für immer. Foto: Barbara Zabka

Witten.   Kinder, Eltern und Erzieherinnen trafen sich zum Abschiedsfest. Das Aus war längst beschlossen. Kirchenkreis konnte Umbau für U3 nicht stemmen.

Den Abschluss-Segen in der Kita Augustinchen spendete Pfarrer Wolfram Linnemann. Traditionsgemäß für die Kinder, die in die Schule entlassen werden. Doch am Samstagvormittag war alles anders. Der Pfarrer segnete alle – Kinder, Eltern, Mitarbeiter – wünschte einen guten Weg in die Zukunft und verteilte Friedenstauben aus Olivenholz zur Erinnerung. Denn das Augustinchen, Kita der Johannis-Kirchengemeinde, schließt ab sofort die Türen. Für immer.

Das letzte Fest war also nur bedingt ein Grund zum Feiern. So gab es feuchte Augen auf vielen Seiten. Besonders bei den Eltern. Annika Ehricht (33) will sich ihre Tränen nicht verkneifen. Beide Töchter waren hier. Ihre kleine Jolina (6) geht bald zur Breddeschule. Neben ihr steht der Kinderwagen mit dem einen Monat alten Damien. „Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass auch mein Jüngster hierhin gehen könnte“, sagt sie. „Es war immer so harmonisch und schön.“

Viele Eltern sind da, die selbst hier ihre Kindergarten-Zeit verbracht haben. Und ihre eigenen Sprösslinge waren natürlich auch im Augustinchen. Sichtlich ergriffen sitzen Camilla (34) und Benjamin (32) Korn auf kleinen Stühlen und lassen ihren Blick durch die fast leeren Räume streifen.

„Die Kita war für unsere Kinder beinahe eine zweite Heimat“, so Camilla. Alle vier Kinder der Eheleute sind kleine „Augustinchen“. Shona (13) und Luna (11) sind jetzt schon groß. Aber die sechsjährigen Zwillinge Jasmin und Marian gehören zu den letzten Kindern der Tagesstätte. Elf Jahre lang fühlte sich die Familie eng mit der Einrichtung verbunden. „In unserer Straße wird das Kinderlachen sehr fehlen“, so die aufgewühlte Mutter. Die Kinder nehmen’s leichter. Sie haben sichtlich Spaß auf der Hüpfburg, in der Korbschaukel und beim Luftballon-Künstler.

Das Aus fürs Augustinchen ist seit Januar 2015 beschlossene Sache. Die Räume sind für eine moderne Kita mit U-3-Betreuung nicht mehr zeitgemäß. Dazu kommt ein großer Investitionsstau. „Das können wir nach den bestehenden Richtlinien nicht stemmen“, erklärt Angelika Arend, kaufmännische Geschäftsführerin des Trägerverbundes der Kitas im Kirchenkreis Hattingen-Witten. Bis zu anderthalb Millionen Euro hätte der Verbund für eine Sanierung der Einrichtung in die Hand nehmen müssen.

„Aus diesem Grunde haben wir damals beschlossen, den Kindergarten langsam zurückzufahren, also auszudünnen“, erklärt Leiterin Denise Finke (29). „Wir haben keine neuen Zwerge aufgenommen und jedes Jahr rund 30 Kinder in die Grundschulen entlassen.“ Von den ursprünglich 100 Kindern besuchten zum Schluss noch 37 das Augustinchen. 29 davon sind nach den Sommerferien Grundschüler. Acht werden noch in benachbarte Einrichtungen der Gemeinde gehen. Auch die sieben Mitarbeiterinnen sind in Witten untergekommen.

„In unseren Räumen wollen wir künftig eine andere Form der Kinderbetreuung anbieten“, so Pfarrer Wolfram Linnemann. „Wir führen dazu Gespräche mit der Stadt. Die Entscheidung könnte während der Ferien spruchreif werden.“ Mehr will er aber nicht verraten.

>> ZEITREISE

  • Ein Blick in die Chronik verrät, dass im Jahr 1920 im alten Gemeindehaus Augustastraße ein Kindergarten gegründet wurde.
  • Nach einer Odyssee durch verschiedene Räume fand er 1974 ein neues Domizil im Garten des Gemeindehauses. Das war die Geburtsstunde des Augustinchen. Seit 1976 wurden hier stets vier Gruppen betreut.

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