Religion

Kirchenkreis Hattingen-Witten sorgt sich um Altenseelsorge

„An der Lebensgrenze präsentiert bleiben“: Helga Wemhöner, die Beauftragte der evangelischen Landeskirche für Altenheimseelsorge, will die Aktiven besser vernetzen.

„An der Lebensgrenze präsentiert bleiben“: Helga Wemhöner, die Beauftragte der evangelischen Landeskirche für Altenheimseelsorge, will die Aktiven besser vernetzen.

Foto: Evangelischer Kirchenkreis Hattingen-Witten

Witten/ Hattingen.  Immer weniger Pfarrer und Ehrenamtliche – darunter leidet auch die Altenheimseelsorge im Ev. Kirchenkreis Hattingen-Witten. Was ist zu tun?

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Der Verlust von Pfarrstellen und Ehrenamtlichen macht sich auch in der Altenseelsorge bemerkbar – obwohl die Generation 60 plus immer wichtiger wird. „Es gibt so viel zu tun. Aber es sind wenige, die bereit oder in der Lage sind, die nötige und wichtige Arbeit zu erledigen“, sagt die Wittener Pfarrerin und Synodalassessorin Ute Wendel.

Zwar wüssten die 16 Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises, dass Menschen in der zweiten Lebenshälfte „Gegenwart und Zukunft von Kirche sind“, heißt es. Doch gleichzeitig sinke die Zahl der Pfarrer und Ehrenamtlichen, die bislang Besuchsdienste und Frauenhilfen organisieren. Sie würden selbst immer älter. „Wie lange reicht die Kraft noch?“ fragen die Verantwortlichen.

Bei „Visitationen“ das Gespräch mit Menschen vor Ort gesucht

Deshalb suchten sie bei sogenannten „Visitationen“ das Gespräch vor Ort – in der Altenhilfe, in Gemeindehäusern, bei Gottesdiensten, in städtischen Seniorenbüros. Der Synodalvorstand redete mit Ehrenamtlichen aus Gemeinden, mit Pflegekräften, Heimleitungen und Gemeindeschwestern.

Dabei trafen sie „auf Menschen, die sich abrackern und die sich manchmal fragen, wie lange die Kraft wohl noch reichen wird“, sagt Ute Wendel. „Sie erlebten Pflegekräfte und deren Vorgesetzte, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten müssen, weil zu viel Arbeit auf zu wenig Schultern lastet und weil manches Gesetz den Arbeitsalltag eher erschwert als erleichtert.“ Ein besonderes Lob gilt den Gemeindeschwestern, die sich im Rahmen von geringfügigen Beschäftigungen sehr für die älteren Menschen engagierten.

Vernetzung der Aktiven durch eine „Seniorenkonferenz“ empfohlen

Wie es nun weitergehen kann, skizzierte Pfarrerin Helga Wemhöner, landeskirchliche Beauftragte für Altenheimseelsorge. Diese müsse zukunftsfähig aufgestellt werden. Momentan kümmerten sich in Witten und Hattingen drei hauptamtliche Pfarrer und ein Diakon um Menschen in Altenheimen, etwa bei Besuchen und Gottesdiensten. Sinke die Zahl der Theologen wie prognostiziert, werde es schwieriger, „dass Kirche an der Lebensgrenze derart präsent bleibt“, heißt es.

Um Ehrenamtliche zu stärken und zu qualifizieren, empfiehlt das Visitationsteam eine Vernetzung der Aktiven – ob in Chören, in der Frauenhilfe, bei Mittagstischen, in Gruppen, bei kulturellen Veranstaltungen und Feiern. Ähnlich wie in der Jugendarbeit soll eine „Seniorenkonferenz“ zum Austausch und für Fortbildungen aufgebaut werden.

Kirche macht den „jungen Alten“ nur recht wenige Angebote

Nur wenige Angebote gebe es derzeit speziell für die „jungen Alten“. Hier will sich die Kirche auch mit externen Partnern, etwa den Kommunen, stärker abstimmen. Aus dem Blick wolle man auch die Alten und pflegebedürftigen Menschen nicht verlieren, die zuhause leben und von den bestehenden Angeboten nicht erreicht werden. Über deren Situation habe man nur wenig herausgefunden. Doch sie erwarteten zu Recht, dass die Kirche ihnen beisteht.

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