Job-Speed-Dating

Jobsuche im Zehn-Minuten-Takt bei Speed-Dating in Witten

Alle zehn Minuten wechselten die Gesprächspartner beim Job-Speed-Dating von Jobcenter und TÜV am Freitag (22.11.) im Saalbau. Hier kamen zwei Mitarbeiterinnen von „Fronttool“, einem Callcenter aus Bochum, mit einem Interessenten ins Gespräch.

Alle zehn Minuten wechselten die Gesprächspartner beim Job-Speed-Dating von Jobcenter und TÜV am Freitag (22.11.) im Saalbau. Hier kamen zwei Mitarbeiterinnen von „Fronttool“, einem Callcenter aus Bochum, mit einem Interessenten ins Gespräch.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Es sind zehn Minuten, die über das Schicksal entscheiden können. Beim Job-Speed-Dating hat der arbeitslose Jan-Erik Huchtmeier neuen Mut gefasst.

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Schon am Vormittag ist der Saal mit den über 30 Tischen, an denen die Arbeitgeber warten, gut gefüllt. Im Zehn-Minuten-Takt führen sie Gespräche mit den Bewerbern, sprich 232 Langzeitarbeitslosen, die hier auf eine neue Chance hoffen. Das Jobangebot ist groß – hier wird der Altenpfleger ebenso gesucht wie der Küchenfachverkäufer. „Job-Speed-Dating“ nennt sich so was im Jahre 2019.

Das Jobcenter hat Arbeitgeber und Arbeitssuchende ab 25 an diesem Freitag (22.11.) in den Wittener Saalbau eingeladen. „Wir haben bei der Auswahl der Teilnehmer natürlich darauf geachtet, dass es sich um Menschen handelt, die Lust auf eine neue Arbeit haben. Alles andere würde keinen Sinn machen“, sagt Bettina Schneider (53) vom Jobcenter Ennepe – Ruhr – Kreis. Zum ersten Mal arbeitet es mit dem TÜV Nord Bildung und 32 Unternehmen aus der Umgebung zusammen, um Arbeitslosen eine neue berufliche Perspektive zu geben – und Arbeitgebern vielleicht das dringend benötigte Personal.

Viele Arbeitssuchende hatten jahrelang keine Vorstellungsgespräche

Zuvor wurden die Teilnehmenden vom TÜV Nord Bildung bei einem dreitätigem Bewerbungstraining vorbereitet. „Viele der Bewerber haben jahrelang keine Vorstellungsgespräche mehr geführt. Deswegen sind sie unsicher“, sagt Geschäftsführer Hermann Oecking. „Die Arbeitssuchenden sollten merken, dass der Arbeitgeber nicht beißt“, so der 57 – Jährige.

Jan– Erik Huchtmeier steht in der Schlange vor dem Tisch des Rettungsdienstes „Reitemeier Hebben“. Dem 25-Jährigen ist die Aufregung anzusehen. Vorher hatte er schon ein Gespräch bei dem Wittener Ambulanten Pflege- und Betreuungsdienst St. Josef. „Ich bin froh über die Möglichkeiten, die sich mir bieten. Ich dachte, hier wäre bestimmt alles sehr fein auf Kante gebügelt. Aber es ist unerwartet solide“, sagt der junge Mann. Seit drei Jahren ist er arbeitslos.

Nach der abgebrochenen Ausbildung als Lagerkraft gearbeitet

Die Ausbildung als „Sozialassistent“ habe er kurz vor der Prüfung abbrechen müssen. Seine Englischkenntnisse seien zu schlecht gewesen. „Ich will natürlich weitermachen, ich will nicht aufgeben“, sagt er nachdenklich. Aber es sei eben nicht so einfach. Nach der abgebrochenen Ausbildung machte er als Lagerkraft in Zeitarbeit weiter. Nebenbei nahm er an verschiedenen „Maßnahmen“ teil, so wie jetzt beim Speed-Dating.

Sein zweites Bewerbungsgespräch an diesem Morgen, das er mit einem Rettungsdienst führt, scheint ihm neue Kraft zu geben. „Das waren Frohnaturen aus dem Ruhrpott., ich habe mich aufgenommen gefühlt. Sie schienen sich wirklich für mich zu interessieren“, sagt Jan-Erik. Die Überraschung darüber ist ihm ins Gesicht geschrieben.

Die Zeit ist knapp, reicht aber für ein erstes Kennenlernen

Die besagten Frohnaturen heißen Ralph Hebben (50) und Axel Reitemeier (47). Sie sind mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden. „Unsere ersten Eindrücke waren sehr positiv. Wir knüpfen hier aber zunächst erste Kontakte“, so Reitemeier. Auch für erste Gehversuche ist das Job-Speed-Dating gedacht. Beide Seiten, Arbeissuchenende und Arbeitgeber, sollen sich zunächst kennen lernen.

„Die Zeit ist sehr knapp. Aber das ist für uns Leute aus dem Ruhrgebiet doch genau das Richtige. Alles wird schnell auf den Punkt gebracht“, sagt Ralph Hebben. Für tiefergehende Gespräche sei dann später noch genug Zeit. Denn gerade beim Rettungsdienst sei viel Einarbeitung nötig, so der Rettungssanitäter.

Ein Bandscheibenvorfall setzt der handwerklichen Karriere ein Ende

Abdalmuttalip Camur war bis vor fünf Jahren noch Industriemechaniker. Ein Bandscheibenvorfall setzte seiner guten Anstellung ein jähes Ende. Der 37-Jährige schulte um auf Industriekaufmann. Trotz des eigentlich sehr gefragten Berufes hat er große Schwierigkeiten, eine neue Anstellung zu finden. „Es harkt wohl an der Berufserfahrung. Aber woher soll ich die haben, wenn ich nicht die Chance bekomme, welche zu sammeln?“ sagt der Herdecker. Er bleibt optimistisch, selbst wenn heute kein Job herausspringt. „Man sammelt Erfahrung, und das ist doch schon mal was.“

Jobcenter und TÜV sind gespannt, wie viele Teilnehmer des Speed-Datings am Ende tatsächlich Arbeit finden. „Wir warten die Prognosen ab. In etwa einem Jahr sehen wir, wie viele eine längerfristige Anstellung erhalten haben“, sagt Hermann Oecking vom TÜV Nord Bildung. Er hofft auf eine Quote zwischen 20 und 30 Prozent. Dann geht das Job-Speed_Dating im nächsten vielleicht in eine zweite Runde.

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