Natur

In Witten gibt es nicht mehr viele Feldhasen

Eigentlich ist die Chance hoch, im Frühjahr einen Feldhasen zu sehen – denn es ist Rammelzeit. In Witten gibt es aber kaum noch Exemplare.

Eigentlich ist die Chance hoch, im Frühjahr einen Feldhasen zu sehen – denn es ist Rammelzeit. In Witten gibt es aber kaum noch Exemplare.

Foto: Patrick Pleul, dpa

Witten.   Zu dicht bebaut, wenige Wiesen: Witten ist kein guter Lebensraum für Feldhasen. Weil es nur wenige Exemplare gibt, sind die Jäger nachsichtig.

Kurz vor Ostern trudeln gute Nachrichten vom Feldhasen ein: Der Bestand habe sich in NRW erholt, so der Landesjagdverband. Das haben die Jäger bei ihrer alljährlichen Hasenzählung festgestellt. Die Feldhasen im Visier haben auch die Wittener Jäger – allerdings gucken sie nur, sie schießen schon lange nicht mehr.

Feldhasen gibt es in Witten kaum noch, eher im südlichen EN-Kreis, in Städten wie Breckerfeld. Kaninchen hoppeln zuhauf über die Friedhöfe oder entlang des Ruhrufers. Aber Hasen, die ja durchaus große, etwa fünf Kilo schwere Tiere sind? „Vielleicht gibt’s die am Salinger Feld“, schätzt Otmar Benner, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Witten sei aufgrund seiner Landschaft kein idealer Lebensraum für Hasen. Meister Langohr bräuchte mehr Wald und Wiese, keine dichte Bebauung und keine landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Zudem seien die Frühjahre 2018 und 2019 ungünstig für die Hasenbabys gewesen. Im letzten Frühjahr war es zu nass, diesmal zu kalt für die Neugeborenen. Die Jungen liegen oberirdisch, in einer flachen Mulde am Wiesenrand. Die Häsin kommt nur zweimal am Tag zum Säugen vorbei, ansonsten bleibt sie fern. Nicht weil sie eine schlechte Mutter ist, sondern um Fuchs, Marder oder Greifvögel nicht auf das Nest aufmerksam zu machen, weiß Benner. Bei so wenig Schutz überleben viele Hasenbabys nicht.

Eine echte Hasenzählung, wie sie im Frühjahr und Herbst deutschlandweit durchgeführt wird, lohnt sich darum in Witten nicht. Woanders ziehen die Jäger nachts mit ihren Ferngläsern über die Felder. Im grellen Licht der Suchscheinwerfer bleiben Hasen erstarrt stehen, man erkennt sie an ihren roten Augen. Dann wird Strichliste geführt.

Vor über 30 Jahren den letzten Hasen erlegt

Der Wittener Otmar Benner erinnert sich, dass er vor über 30 Jahren zum letzten (und übrigens auch zum einzigen Mal) einen Feldhasen geschossen hat. Dieses Tier hat er präparieren lassen. „Damals war ich stolz. Heute würde ich mir eine solche Trophäe nicht mehr machen lassen“, sagt er selbstkritisch. Dem 69-Jährigen missfällt der wachsende Jagdtourismus. Dass Reiseveranstalter Touren in Kanada, Rumänien oder Afrika anbieten, kann er nicht nachvollziehen. „Jagen ist für mich eine Möglichkeit, als Naturschützer Hege zu betreiben. Man muss nachhaltig mit der Natur umgehen.“

Schon seit vielen Jahren haben sich die Jäger in NRW darauf verständigt, keine Feldhasen mehr zu schießen, damit sich der Bestand erholt. Im Münsterland und im Rheinland sei die Zahl der Hasen sogar leicht gestiegen. „Hier bei uns freut sich doch jeder Revierinhaber, wenn er mal zufällig einen Feldhasen sieht.“

Also keine Hasenzählung in Witten! Das heißt, niemand konnte bislang überprüfen, ob der Hase nicht doch die Ostereier bringt.

>> INFORMATION

  • Hasen sind deutlich größer als Kaninchen. Sie werden bis zu fünf Kilo schwer und bis zu 65 cm groß. Ihr Fell ist oben erdbraun und unten weiß. Durch die seitlich stehenden Augen kann er nahezu rundum gucken, ohne den Kopf zu drehen.
  • NRW hat bundesweit die höchste Hasendichte – weil er hier weniger bejagt wird.

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