Wirtschaft

In Witten gibt es keine freien Gewerbeflächen

Im Januar wurden auf der Fläche „Drei Könige“ Bäume gefällt. Das innenstadtnahe Bahngelände in Witten soll vermarktet werden.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Im Januar wurden auf der Fläche „Drei Könige“ Bäume gefällt. Das innenstadtnahe Bahngelände in Witten soll vermarktet werden.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Witten.   Freie Gewerbeflächen? In Witten Fehlanzeige. Wirtschaftsförderin Anja Reinken kann Firmen, die bauen wollen, nichts anbieten.

Die Nachfrage nach freien Gewerbeflächen ist in Witten groß, nur kann sie nicht bedient werden. Anja Reinken, bei der Stadt für die Wirtschaftsförderung zuständig, muss interessierten Firmen, die bauen oder ihr Unternehmen erweitern möchten, immer wieder eine Absage erteilen. „Ich habe das der Politik gesagt. Wenn wir nichts unternehmen, werden interessierte Handwerksbetriebe und andere Firmen Witten verlassen“, fürchtet Reinken.

Hintergrund: Ein Vertreter der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr GmbH hatte unlängst im Wirtschaftsausschuss eine Gewerbeflächen-Analyse des Ennepe-Ruhr-Kreises vorgestellt. Die Tochter des Regionalverbandes Ruhr ist die Wirtschaftsförderung für die Region. Ihr Bericht zeigt für Witten: In der Stadt gibt es zwar insgesamt 39,4 Hektar, die als Gewerbeflächen zur Verfügung stehen könnten und im Flächennutzungsplan ausgewiesen sind. Darunter das Wullener und das Salinger Feld, auch das Thelen-Gelände im Umfeld des Baumarktes „Bauhaus“ in Rüdinghausen. Nur seien die 39,4 Hektar eine rein theoretische Größe, betont Anja Reinken. Denn bei rund 66 Prozent dieser Grundstücke gebe es sogenannte Nutzungs-Restriktionen.

„Interessenten möchten nicht Mieter werden“

„Es handelt sich zum Beispiel um Flächen, die nicht oder nur schwer entwickelt werden können. Oder sie gehören Menschen, die diese nicht verkaufen wollen“, erläutert die Ingenieurin. Auch seien darunter Grundstücke, die aufgrund ihrer Beschaffenheit schwierig oder nur unwirtschaftlich zu erschließen seien. Im Falle der Thelen-Flächen etwa würde die Essener Thelen-Gruppe gerne bauen und dann vermieten. „Interessenten aber möchten hier nicht Mieter werden, sondern selbst bauen“, weiß Reinken aus zahlreichen Gesprächen.

Freie Flächen an der Alfred-Herrhausen-Straße oder der Rosi-Wolfstein-Straße seien für die Erweiterung und die Entwicklung der Universität gedacht. Was ist mit den angedachten Gewerbegebieten an der Pferdebachstraße in Stockum und an der landwirtschaftlich genutzten Freifläche an der Kleinherbeder Straße in Heven? Beide seien noch in der Diskussion, so die Wirtschaftsförderin. Der Regionalverband prüfe noch.

Derzeit werden auf dem Gelände Schienen demontiert

Vor einem Jahr hatte die Stadt auf eine diesbezügliche Anfrage der Piraten geantwortet, dass in Heven und Stockum die Einschränkungen für eine Nutzung sehr hoch seien – wie etwa der Schutz der Natur.

Im Haupt- und Finanzausschuss stand am Montagabend das brachliegende Bahngelände „Drei Könige“ an der Herbeder Straße auf der Tagesordnung. Es soll zu attraktiven Gewerbeflächen insbesondere für Handwerksfirmen und Dienstleistungs-Unternehmen umgewandelt werden. Wenn alles gut laufe, könne das innenstadtnahe Gelände jedoch erst Ende 2018/Anfang 2019 in die Vermarktung gehen, kündigt Anja Reinken an.

Als Parkplatz von den Edelstahlwerken genutzt

Sie spricht von einer geringen Belastung durch Altlasten in dem Bereich, der veräußert werden soll. „Es werden dort gerade die Schienen demontiert, dann wird der Boden aufgearbeitet.“ Das Gelände ist seit rund 30 Jahren ungenutzt. Bis vor etwa 100 Jahren war „Drei Könige“ der Standort der Steinhauser Hütte und anderer Industriebetriebe. Bis Mitte der 80er Jahre wurde die Fläche unter anderem als Parkplatz von den Deutschen Edelstahlwerken genutzt.

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Im gesamten EN-Kreis gibt es rein theoretisch noch insgesamt 134 Hektar, die gewerblich genutzt werden könnten. Davon sind allerdings nur rund 47 Hektar frei von Nutzungs-Beschränkungen.

In Witten gibt es derzeit rund 30 000 sozialversicherungspflichtig beschäftige Menschen. Damit hat die Ruhrstadt im Kreis die Nase vorn. Gefolgt von Ennepetal mit fast 13 000 Beschäftigten.

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