Arbeit

Immer mehr Flüchtlinge in Witten bekommen einen Job

Diese beiden Syrer (li.) haben einen Ausbildungsplatz in einer Bäckerei gefunden.

Diese beiden Syrer (li.) haben einen Ausbildungsplatz in einer Bäckerei gefunden.

Foto: Martin Möller / Funke Foto services

Witten.  Laut Jobcenter ist die Zahl der Vermittlungen 2018 in Witten um über 70 Prozent gestiegen. Und es läuft weiter gut – mit einem neuen Café.

Die Zahl der Geflüchteten, die in den Arbeitsmarkt integriert werden können, steigt in Witten rasant. Ende 2018 erhielten etwa 300 Menschen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, einen Ausbildungsplatz oder machten sich selbstständig. „Das ist ein Plus von gut 73 Prozent gegenüber 2017“, sagt Steffen Louis vom Jobcenter. Und es kann nur besser werden: Denn ab Montag bietet ein neues Bewerbercafé Geflüchteten und Zugewanderten unbürokratisch Hilfe bei der Jobsuche an.

Viele, die 2015 ins Land kamen, hätten die Phase des Spracherwerbs jetzt hinter sich, so Louis. „Nun profitieren wir von ihrer unheimlich guten Motivation, hier beruflich Fuß zu fassen.“ Auch wenn man das natürlich nicht pauschal sagen können, wie er nachschiebt. Doch auch bis April 2019 habe sich bereits ein Vermittlungs-Plus von rund 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ergeben. Allerdings, auch das will Louis nicht verschweigen, bewegten sich der vermittelte Job oder die Lehrstelle „auf qualifikatorisch eher niedrigem Niveau“. Dass etwa ein Zahnarzt aus Syrien hier tatsächlich ähnliche Arbeit finde – das sei dann ein „Leuchtturmprojekt“.

Bewerbungsberatungen sind aufwändig

Andrea Pfeiffer von der städtischen Stabsstelle für Integration hat gerade Flyer beim Jobcenter und am Help-Kiosk ausgelegt, die über das neue Bewerbercafé informieren. Schon länger ging ihr die Idee im Kopf herum. Denn Pfeiffer war selbst mal beim Jobcenter tätig. „Und da haben mich immer viele Geflüchtete gefragt, ob ich ihnen nicht bei den Bewerbungsunterlagen helfen könnte.“ Doch das sei nicht mal eben erledigt.

Pfeiffer: „Bewerbungsberatungen sind aufwändig.“ Selbst mit in Deutschland Geborenen könne das locker zwei Stunden dauern. Und selbst Geflüchtete mit akademischer Bildung wüssten nicht über die Verfahren in Deutschland Bescheid. „Die Menschen brauchen kontinuierliche Begleitung. Die können wir als Stabsstelle nicht anbieten.“ Zwar biete u.a. auch die Caritas Bewerbungstrainings an. Jedoch nur mit Anmeldung. „Und die sind voll.“

Ein offenes Ohr fand Andrea Pfeiffer bei Golde Ebding vom Verein „Migration Miteinander“. Und so nimmt die Idee eines offenen Bewerbercafés nun Gestalt an.

Hilfe bei der Stellensuche

Ab dem 24. Juni erhalten Geflüchtete – aber auch alle anderen Zugewanderten – Hilfe bei der Stellen- oder Praktikumssuche, bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen und bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Praktikanten des Vereins und Ehrenamtliche unterstützen sie „kultursensibel“ dabei und wurden zu diesem Zweck entsprechend geschult. Wichtig: Sie werden zum Beispiel die Bewerbungsschreiben nicht für, sondern mit den Ratsuchenden verfassen.

Das Bewerbercafé sei, so Andrea Pfeiffer, nicht als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten zu sehen, sondern als deren Fortführung und Begleitung im weiteren Prozess. Denn schließlich eint alle der Wunsch: die Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

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