Glauben

Im „Jünglingsverein“ büffelten und turnten einst die Annener

Der Ehrenvorsitzende des CVJM Annen, Uli Kegenhoff (li.), und der aktuelle erste Vorsitzende, Mark Neuhaus, vor einem Foto des beliebten Jugendgästehauses in Burgh/Holland. An die gemeinsamen Freizeiten haben die beiden viele schöne Erinnerungen.

Der Ehrenvorsitzende des CVJM Annen, Uli Kegenhoff (li.), und der aktuelle erste Vorsitzende, Mark Neuhaus, vor einem Foto des beliebten Jugendgästehauses in Burgh/Holland. An die gemeinsamen Freizeiten haben die beiden viele schöne Erinnerungen.

Foto: Schneidmüller-Gaiser

Witten.  In diesem Jahr feiert der CVJM in Witten-Annen sein 150-jähriges Bestehen. Einen Rückblick geben zwei prägende Gesichter des Vereins.

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„Ich sag immer: Ich hab einen Papa und einen Papi. Uli ist mein Papi.“ Wenn Mark Neuhaus, seit 2003 Vorsitzender des CVJM Annen, über seinen geistigen und geistlichen Ziehvater spricht, ist die Zuneigung und Dankbarkeit greifbar. Der mit seinen 75 Jahren bewundernswert fitte Ehrenvorsitzende lächelt dann charmant: „Mein Motto war immer: Den Menschen zur Freude, zu Gottes Lob und Ehren.“ Das scheint im Fall des amtierenden Vorsitzenden wohl gut funktioniert zu haben. So wie bei vielen anderen Menschen auch, die oft schon in zweiter und dritter Generation im CVJM aktiv sind.

Es waren andere Zeiten, als im Jahre 1869 20 junge Männer zusammenkamen und den „Evangelischen Jünglingsverein“ gründeten. Bibelstunden, Vorträge und Gesang standen zunächst auf dem Programm – aber auch Bildung: Lesen, Schreiben, Rechnen, Geographie und Geschichte lernte die schon bald auf 200 Jungen und Männer angewachsene Gemeinschaft vom Gründungsmitglied Pfarrer Gerling.

Posaunenchor und Turnübungen

Das Lokal Steinbrede (später Wösthoff) wird in diesen Jahren vielen zu einem zweiten Zuhause – das jedoch mit Posaunenchor, Vereinsbücherei und den stetig wachsenden Gruppen bald zu eng wird. 1896 bekommt der Verein ein eigenes Haus – dank Spenden und einem Zuschuss der Kirchengemeinde. Ab jetzt wird auch geturnt, mit den Konfirmanden gearbeitet und musiziert – der Posaunenchor ist ein frühes Aushängeschild.

Dann kommt der Erste Weltkrieg und viele der jungen Männer müssen an die Front. Die Daheimgebliebenen kümmern sich, schicken Briefe und Päckchen. Doch viele Plätze bleiben nach Kriegsende leer, Familien haben ihre Ernährer verloren und viele Kinder ihren Vater. Die neu gegründete „Jugendfürsorge“ will die größte Not lindern – und die „Jungmännerabteilung“ dabei helfen, die nachfolgende Generation durch christliches Tun „gegen die Versuchungen dieser Welt zu schützen“. Vielleicht einer der Gründe, warum sich der Annener CVJM später gegen die Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten stellt – und in der Folge bis 1945 keine Jugendarbeit mehr machen darf.

Zeit der Wandergruppen und Zeltlager

Uli Kegenhoff wird 1944 in Gummersbach geboren, kommt aber schon im Kindergartenalter an die Ruhr. Den Weg in die Jungschar ebnet der acht Jahre ältere Bruder und so beginnt für den späteren Maschinenschlosser schon im Alter von neun Jahren sein Leben mit dem CVJM. „Vereinsmitglied wurde ich mit 15. Das war die Zeit der Wandergruppen, der Zeltlager und Nachtwanderungen“, erinnert sich Uli Kegenhoff.

Zu einer Zeit, in der sich nur wenige das Reisen leisten konnten, machten sich die jungen Männer zu Fuß oder mit dem Rad auf den Weg – und fanden bei Gesprächen am Lagerfeuer nicht nur Gemeinschaft, sondern auch einen Zugang zum Glauben. Den jungen Kegenhoff prägte diese Zeit dermaßen, dass er 1973 einen Job bei der Kirchengemeinde als Küster annahm und der Gemeinde bis zu seiner Pensionierung treu blieb.

Vom Ev. Jünglingsverein zum Christlichen Verein Junger Menschen war es ein langer Weg. Gegen die Aufnahme von Mädchen sperrten sich manche konservative Vorstandsmitglieder bis deutlich nach dem Zweiten Weltkrieg: 1954 nannte sich der Jünglingsverein zwar in „CVJM“ um, doch stand das M zunächst für „Männer“. Erst 1977, schon unter dem Vorsitz von Uli Kegenhoff, waren junge Frauen auch außerhalb der Familienfreizeiten offiziell zugelassen.

Mit den Jahren wuchs der CVJM. Ein festes Standbein blieb das Reisen – nun auch ins Ausland, nach Holland, Spanien, in die Berge. Aber: „Diese Freizeiten gibt es nicht mehr“, erzählt Mark Neuhaus und blickt ein wenig wehmütig auf das Foto vom Jugendgästehaus im holländischen Burgh. Stattdessen prägen heute die Arbeit mit jungen Familien und Projekte wie das Krippenspiel die Vereinsarbeit. Daneben gibt es immer noch den Bläserkreis und eine Gruppe nicht mehr ganz so junger Männer, die sich wöchentlich zum Sporttreiben und einmal im Monat zum Kochen treffen. Und zwar noch immer, „den Menschen zur Freude, zu Gottes Lob und Ehren.“

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