Kreishandwerkerschaft

Nach 33 Jahren endet in Bochum eine Ära

„Technisch gehen wir immer voran“, sagt Johann Philipps über den Betrieb seiner Familie. Schon vor vielen Jahren wurden Sonnenkollektoren auf dem Dach der Werkshalle montiert. Als Kreishandwerksmeister lenkte er rekordverdächtige 33 Jahre lang die Geschicke der hiesigen Handwerkerschaft.

Foto: Ingo Otto

„Technisch gehen wir immer voran“, sagt Johann Philipps über den Betrieb seiner Familie. Schon vor vielen Jahren wurden Sonnenkollektoren auf dem Dach der Werkshalle montiert. Als Kreishandwerksmeister lenkte er rekordverdächtige 33 Jahre lang die Geschicke der hiesigen Handwerkerschaft. Foto: Ingo Otto

Bochum.  Johann Phillips wurde bei einem Empfang im Musikforum verabschiedet. Mehr als drei Jahrzehnte lenkte er die Geschicke des Handwerks in der Region.

Die Frage, ob er mal ein Ehrenamt übernehmen würde, hat sich für Johann Philipps nie gestellt. Sein Vater habe sich zeit seines Lebens für das Gemeinwohl engagiert, erzählt er. Daran hat er angeknüpft.

Wofür und wie lange, lassen die vielen Urkunden erahnen, die in einem Besprechungsraum des Familienunternehmens an der Rombacher Hütte hängen: darunter die goldene Ehrennadel des Fachverbands Sanitär, Heizung, Klima NRW, der Initiativpreis NRW in der Kategorie Erneuerbare Energien und die Don-Bosco-Verdienstplakette. Nun kam eine weitere Auszeichnung hinzu. Mit einem großen Empfang im Bochumer Musikforum ehrte die Kreishandwerkerschaft Ruhr ihren ehemaligen Vorsitzenden. „Eine Ära neigt sich dem Ende zu“, heißt es dazu.

In der Tat. 33 Jahre lang hat Philipps als Kreishandwerksmeister die Geschicke der Handwerkerzünfte in der Region geprägt – von 1984 bis 2009 in Bochum, nach der von ihm wesentlich mitgeprägten Fusion mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis dann sogar über die Grenzen der Stadt hinaus. Damit gehört er zu den dienstältesten Kreishandwerksmeistern Deutschlands.

Frühsport an jedem Morgen

Zumindest auf diesen imaginären Eintrag in das Kammerregister hätte der 78-Jährige gerne verzichtet. Als das Zusammengehen mit dem Nachbarkreis anstand, hatte er erleichtert gedacht, „jetzt bin ich den Vorsitz los“. So jedenfalls war es verabredet. Aber es kam anders. Und „Hannes“ Philipps, wie ihn seine Freunde nennen, ließ sich wieder in die Pflicht nehmen. Als hätte der Mann, der den kleinen Handwerksbetrieb seines Vaters zu einem großen, innovativen mittelständischen Sanitär-Unternehmen mit 100 Beschäftigten ausbaute, nicht genug zu tun gehabt. „Jeder hat gedacht, ich könnte nicht loslassen.“ Dabei habe er mehrfach ernsthaft versucht, einen Nachfolger zu finden. Immer ist etwas dazwischen gekommen.

Was die Tatkraft des Unternehmers nicht geschmälert hat. Seit Jahrzehnten ist die Nacht für ihn gegen 5 Uhr rum. 18 Jahre lang ist er mit zwei Mitstreitern in aller Herrgottsfrühe morgens im Wattenscheider Südpark gejoggt, damals indes hieß das noch dauerlaufen, bevor er in die Firma gefahren ist. Mittlerweile schwimmt er eine halbe Stunde vor dem Frühstück. Die Tage hätten vor allem früher mehr als 24 Stunden haben können, zumal er nicht nur Handwerker, Unternehmer, Verleger und Kreishandwerksmeister war, sondern für die CDU im Rat saß und sich sozialen Projekten widmete.

Haben sie aber nicht. Johann Philipps hat sie auch so gut bewältigt. „Der liebe Gott hat immer auf mich aufgepasst“, sagt er. Und er hat ihm womöglich die Erkenntnis mitgegeben, „dass man bei der Arbeit für das Gemeinwohl auch immer etwas für sich tut“ und dass an erster Stelle immer der eigene Betrieb und dann das Ehrenamt komme müsse. „Viele – auch in Bochum – sind damit nicht klargekommen“, so Philipps.

Erfolgreiche Stiftung

Er selbst hat jetzt mehr Zeit – vor allem für die 1995 gegründete Stiftung „Von Werkstatt zu Werkstatt“. Sie unterstützt von den Salesianern Don Boscos unterhaltene Bildungseinrichtungen und hat die Ausbildung vieler junger Menschen auf der ganzen Welt möglich gemacht. Allein 2016/17 fördert sie mit 59 000 Euro insgesamt 80 handwerkliche Ausbildungsplätze im Berufsbildungszentrum der Salesianer Don Boscos in Fatumaca (Osttimor).

Daheim in Bochum haben sich die Dinge am Ende dann doch so gefügt, wie Johann Philipps es gerne schon vor geraumer Zeit gehabt hätte. „Der neue Vorstand der Kreishandwerkerschaft ist genauso, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Alles gute Leute.“ Allen voran sein Nachfolger. „Michael Mauer ist ein guter Mann, der die Aufgaben mindestens genauso gut erledigen wird wie ich“, lobt er.

Und nur der Ordnung halber hat er zwei Tage vor seinem letzten Tag im Amt des Kreishandwerksmeisters noch einmal alle Konten geprüft. Soll schließlich keiner sagen, der Hannes hätte sich am Schluss nicht mehr gekümmert.

>>Der Mann für den Übergang

Eins ist klar. So lange wie sein Vorgänger wird Michael Mauer das Amt des Kreishandwerksmeisters nicht bekleiden. Genau genommen wird er voraussichtlich nur eine Amtsperiode an der Spitze der Kreishandwerkerschaft Ruhr stehen. Denn: „Meine Aufgabe ist es, einen Kreishandwerksmeister aufzubauen“, sagt der 66-Jährige.

Das allein hat den erfolgreichen Unternehmer allerdings nicht gereizt, den personellen Übergang in eine neue Ära mitzugestalten. Ginge es nur darum, hätte er womöglich abgewunken, als er für die Philipps-Nachfolge ins Gespräch gebracht wurde. Zumal er eine intakte Organisation übernimmt, in der es auch finanziell zum Besten steht. Seinem Vorgänger Johann Philipps attestiert Mauer „eine exorbitant gute Arbeit. Der Acker ist gut bestellt, es gibt keinen akuten Handlungsbedarf“. Also: Wo ist die Herausforderung?

Rasante technische Entwicklung

Die liegt aus Sicht von Michael Mauer darin, das Handwerk fit zu machen für die Veränderungen, die vor allem geprägt sind von rasanten technischen Entwicklungen mit großen Auswirkungen auf Berufe und Ausbildung sowie vom Fachkräftemangel. „Deshalb wird sich in der Kreishandwerkerschaft auch zwangsläufig etwas ändern“, kündigt er an.

Ein klassischer Handwerker sei er ja nicht, so Mauer. Uhrmacher und Goldschmied hat er gelernt, nicht Dachdecker oder Installateur. Er doziert an der Ruhr-Uni, in diesem Semester über Verhandlungstechniken und Marketingstrategien für Luxusgüter, und schafft nicht auf einer Baustelle.

Gesamter Vorstand in der Pflicht

Den richtigen Ton glaubt er in den nächsten vier Jahren aber dennoch zu treffen – und will dabei seine gesamte Vorstandsmannschaft mit- und mit in die Pflicht nehmen. Sein Credo: „Ich schätze ein offenes Wort. Und ich habe Handwerker als aufgeschlossene, offene Menschen kennengelernt.“ Das sollte passen.

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