Herrlich verträumte Musik mit böhmischer Seele

Wie geht ein Orchester aus dem Baltikum mit deutscher bzw. böhmischer Romantik um? Können Musiker aus der Heimat von Avo Pärt oder Juris Karlsons sich in die Seele von Schumann, Dvorák oder Mendelssohn hineinversetzen? Die Antwort auf diese Frage ist ein eindeutiges „Ja“.

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Wie geht ein Orchester aus dem Baltikum mit deutscher bzw. böhmischer Romantik um? Können Musiker aus der Heimat von Avo Pärt oder Juris Karlsons sich in die Seele von Schumann, Dvorák oder Mendelssohn hineinversetzen? Die Antwort auf diese Frage ist ein eindeutiges „Ja“.

Das können amerikanische oder sogar asiatische Orchester schließlich auch. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass die Musiker das orchestrale Grundhandwerk beherrschen. Dazu gehört neben technischem Können, sauberer Intonation, dynamischer Bandbreite vor allem ein engagiertes Spiel. Diese Eigenschaften brachten die Musiker des „Liepaja Symphonic Orchestras“ – das Lettische Nationalorchester – in hohem Maße mit. Wenn dann noch die Anweisungen der Komponisten in den Partituren in Bezug auf Tempo, differenzierter Lautstärken und Akzente genau beachtet werden, gesellt sich die Lust am Musizieren dazu. Und romantische Klänge entstehen dann ganz zwangsläufig.

Bei Robert Schumanns Ouvertüre zu „Genoveva“ entwickelte das Orchester ein geheimnisvoll märchenhaftes Klanggebilde, in dem besonders die blitzsauberen Hörner deutliche Signale setzen.

Gesprungene Saite sorgt für Lacher

Für einen unfreiwilligen Gag sorgte die litauische Geigerin Dalia Kuznecovaite bei der Wiedergabe von Antonin Dvoráks einzigem Violinkonzert. Unmittelbar vor ihrem Einsatz, schon auf der Bühne stehend, löste sich die Metallumwicklung einer Saite und machte damit ihr Instrument unspielbar. Ein Orchestermusiker lieh ihr sein Instrument und ohne Eingewöhnung legte sie mit der schwierigen Eingangspassage gleich los. Auch im weiteren Verlauf ließ ihr lebendiges Spiel in Bezug auf Klangschönheit und Virtuosität keine Wünsche offen. Besonders der Mittelsatz klang mit böhmischer Seele herrlich verträumt. Das war eine grandiose Leistung.

Passend zum Lutherjahr erklang zum Abschluss die majestätische „Reformations-Sinfonie“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die sakrale Einleitung wurde vom Orchester feierlich intoniert und kann als Vorläufer für das später entstandene Vorspiel zu Wagners Parsifal gesehen werden.

Die stürmischen Themenentwicklungen im ersten Satz geben die Unruhen im Volk vor einem großen Ereignis, wie die Reformation, wieder. Der Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“ krönte einen wunderschönen Konzertabend.

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