Bauarbeiten

Herbeder Ruhrbrücken: Langjährige Sperrung ist vom Tisch

Rechts neben diesen Teil der Herbeder Ruhrbrücke in Witten soll die neue Brücke gebaut werden. Lediglich die Ortseinfahrt bei Haus Herbede wird auf der alten Trasse erfolgen.

Rechts neben diesen Teil der Herbeder Ruhrbrücke in Witten soll die neue Brücke gebaut werden. Lediglich die Ortseinfahrt bei Haus Herbede wird auf der alten Trasse erfolgen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Abriss und Neubau der Herbeder Ruhrbrücken sollten ab 2024 bei Vollsperrung erfolgen. Nun hat NRW-Verkehrsminister Wüst diese Pläne gekippt.

Der erbitterte Widerstand der Herbeder Bevölkerung gegen die Pläne von Straßen NRW, die neuen Ruhrbrücken bei drei- bis vierjähriger Vollsperrung zu bauen, war erfolgreich. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hat die ursprünglichen Neubaupläne abgesetzt. Der Landesbetrieb hat nun eine neue Planung mit nur einjähriger Sperrung vorgeschlagen. Dabei wird parallel zum alten Bauwerk vor dessen Abriss eine neue Bücke entstehen.

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Ministers war wohl ein Brief mehrere Herbeder Vereine nach Düsseldorf, den Claudia Gah von der Herbeder CDU am 17. September weiterleitete. Kaum eine Woche später kippte der Minister die Pläne, gegen die das Dorf so lange angegangen war.

Einer der Verfasser, der Arzt Arne Meinshausen, ist nun „total begeistert“. Mit dieser schnellen Entscheidung hatten die Herbeder nicht gerechnet. Unter anderem hatten Bürgerkreis, Werbegemeinschaft, Heimatverein und Standortgemeinschaft Witten-Mitte sich zusammengeschlossen, um mit Unterschriftenlisten und einer Online-Petition zu protestieren. Sie hatten auch mit Klage gedroht, denn der Stadtteil sollte nicht über Jahre von Witten abgehängt werden.

Wittener CDU-Ratsfrau sprach beim Staatssekretär vor

Claudia Gah hatte bereits im Juni bei einem Termin beim zuständigen Staatssekretär Hendrik Schulte vorsprechen dürfen. Regelmäßig habe sie WAZ-Berichte dorthin geschickt, die den Bürgerprotest begleitet hatten. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, kommentiert sie gestern ihr Vorgehen.

Im Verkehrsausschuss Ende August hatte sich auch die gesamte Wittener Politik gegen die Vollsperrung gestellt. SPD-Fraktionschef Uwe Rath fand deutliche Worte: Man müsse das Ganze auch von der menschlichen – und nicht nur von der technischen Seite her betrachten.

Straßen NRW hat nun eine Alternative vorgelegt, bei der „deutliche Mehrkosten anfallen“, so Sprecher Andreas Berg. Auch verlängere sich die Bauzeit. Dabei werden die beiden Brücken über die Ruhr und den Mühlengraben parallel zu den vorhandenen gebaut, auf Seite des Kemnader Stausees. Der Verkehr werde nach zweijähriger Bauzeit auf die Neubauten umgelenkt. Dazu sei nur eine kurze Sperrung der L 924 während der Umlegung erforderlich.

Ein Jahr Vollsperrung für Neubau der Omegabrücke

Die dritte Brücke über die Bahnstrecke müsse aber wegen sehr beengter Platzverhältnisse und der beiden denkmalgeschützten Gebäude Haus Herbede und Rathaus der Medizin in der vorhandenen Trasse neugebaut werden. „Die Bau- und damit Sperrzeiten hierfür können mit Einsatz neuer Brückenbaumethoden nach ersten Erkenntnissen voraussichtlich auf rund ein Jahr reduziert werden“, heißt es aus dem Ministerium. Auf der Basis neuer technischer Entwicklungen seien sogar weitere Sperrzeitenoptimierungen möglich.

Auch bei dieser neuen Lösung wird die Lake-Brücke für Fußgänger und Radfahrer vorab neu gebaut. Zeitlich plant Straßen NRW nun folgendermaßen, so Andreas Berg: Ab 2023 Neubau der Lakebrücke. 2024 und 2025 sollen die parallel laufenden Ruhrbrücken entstehen. 2026 käme dann die einjährige Vollsperrung auf Herbede zu, bei Abriss und Neubau der Omega-Brücke über die Eisenbahnstrecke.

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