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Herbeder Pfarrer Andreas Herzog geht aufs Land

Lächeln für die Fotografin: Pfarrer Andreas Herzog (Mi.) wurde am Sonntag im Herbeder Gemeindegottesdienst verabschiedet.

Foto: Nicole Schneidmüller-Gaiser

Lächeln für die Fotografin: Pfarrer Andreas Herzog (Mi.) wurde am Sonntag im Herbeder Gemeindegottesdienst verabschiedet. Foto: Nicole Schneidmüller-Gaiser

WitTen.   Die Herbeder Gemeinde hat Pfarrer Andreas Herzog feierlich verabschiedet.  Der 37-Jährige wechselt in den Kirchenkreis Soest.

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Wer hätte gedacht, dass ein 37-jähriger vor allem ein Altenheim vermissen wird? Wenn Theologe Andreas Herzog am 1. März in den Kirchenkreis Soest zieht, lässt er manches zurück: die Menschen in der Kirchengemeinde Herbede, ein engagiertes Ehrenamtsteam in der Notfallseelsorge – und eben die Altenheimseelsorge im katholischen Josefshaus im Ortskern.

Andreas Herzog wurde am Sonntag im Herbeder Gemeindegottesdienst verabschiedet wurde, in der vergangenen Woche – im Beisein von Superintendentin Julia Holtz – auch im Herbeder Josefshaus. Dort wohnen auch viele protestantische Senioren. Vor allem das motivierte Pflegeteam und der Leiter des Sozialen Dienstes, Michael Nagel, haben Gemeindepfarrer Herzog stets tief beeindruckt: „Wenn ich mal alt bin, will ich so einen Sozialarbeiter!“

Ab 1. März in der Kirchengemeinde Niederbörde

Was ihm sicherlich nicht fehlen wird, sei der Lärm an der Wittener Ardeystraße. „Da machst Du nicht mal eben das Fenster auf, wenn es im Sommer zu warm ist“, schmunzelt Andreas Herzog, der schon 2012 als Vikar in den Kirchenkreis kam. Dort arbeitete er zunächst in Sprockhövel, seit Juli 2015 wohnte er in Witten. Jetzt wechselt der 37-Jährige in die Kirchengemeinde Niederbörde (Welver), die zum evangelischen Kirchenkreis Soest gehört.


Das Pfarrhaus, das er mit seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn bewohnen wird, liegt eher ländlich. „Ein paar Meter von der Kirche und von der Dorfkneipe entfernt. Die ist aber zur zweimal pro Woche geöffnet.“ Deutlich ruhiger – und landschaftlich flacher wird es werden. „Da sieht man die Gäste schon kommen und kann schon mal Kaffee aufsetzen.“

„Der Schreibtisch blieb immer voll“

Was für Theologe Andreas Herzog aber vor allem den Ausschlag zum Wechsel gab: Der Kirchenkreis Soest war bereit, ihm eine volle Stelle in einer neu fusionierten Gemeinde anzubieten. „Ich hatte in Witten mit meinen zwei halben Stellen immer das Gefühl, dass ich beidem nie gerecht werde“, bedauert der Perfektionist. Denn Herzog bekleidete in Herbede eine halbe Stelle als Gemeindepfarrer. Auf der zweiten halben Stelle war er als Notfallseelsorger tätig.

Egal, wie sehr er sich für Gemeinde und die schlecht zu planende Notfallseelsorge auch eingesetzt habe: „Der Schreibtisch blieb immer voll.“ Ein Schicksal, das Herzog in Zeiten knapper werdender Kassen auch mit anderen Kollegen teilt. Denn die Zahl der Gemeindemitglieder gibt den Ausschlag für Pfarrstellen. Auf jeweils 2700 Menschen kommt derzeit im Kirchenkreis ein Seelsorger in Vollzeit.

„Ich wusste plötzlich ganz genau, was ich wollte“

Die Notfallseelsorge lag Andreas Herzog ebenfalls sehr am Herzen. Bei einem schweren Unfall mit zwei Toten auf der Autobahn A1 war er vor Jahren als Rettungsassistent im Einsatz und erlebte, wie ein Notfallseelsorger dem Verursacher des Unfalls in dieser schweren Stunde beigestanden hat. „Das war total faszinierend und hat mich tief bewegt.“ Der Entschluss, Theologie zu studieren, hat für den „nicht kirchlich sozialisierten“ jungen Mann anschließend nicht mehr lange auf sich warten lassen. „Ich wusste plötzlich ganz genau, was ich wollte.“


Autorin Nicole Schneidmüller-Gaiser ist Sprecherin des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten.

>>> FÜR ANDREAS HERZOG GIBT ES KEINEN NACHFOLGER

Für Andreas Herzogs Arbeit in Herbede wird es keinen Nachfolger geben, heißt es vom Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten. In der Herbeder Gemeinde gebe es zwei Pfarrstellen, die von Dr. Ute Wendel und David Raasch bekleidet werden.

Zum 15. März wird der katholische Pfarrer Burkhard Schmelz die Großpfarrei St. Peter und Paul verlassen. Schmelz, der derzeit noch für die katholische Pfarrei Wetter-Sprockhövel-Herbede zuständig ist, hat eine zu hohe Arbeitsbelastung beklagt. Er wird zukünftig als Militärseelsorger arbeiten.


„Eine Nachfolge-Reglung für Burkhard Schmelz s teht noch nicht fest“, sagte ein Sprecher des Bistums Essen am Montag auf Anfrage unserer Zeitung.

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