Naturpflege

Helfende Hände für den Naturgarten im Wittener Muttental

Heike Guthardt von der Lebenshilfe sammelt im Garten der Naturschutzgruppe Witten im Muttental Steinquendel-Samen.

Heike Guthardt von der Lebenshilfe sammelt im Garten der Naturschutzgruppe Witten im Muttental Steinquendel-Samen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Mit einem Naturgarten in Wittens Muttental will die Naturschutzgruppe Witten weg vom Einheitsgarten. Ein Projekt gemeinsam mit der Lebenshilfe.

Raphael Trzechan ist völlig überrascht: „Da kommt eine Schlange aus dem Kompost.“ Kurze Zeit später entdeckt er dann zehn Eier dort. Es ist nur eine Entdeckung, die man im Naturgarten der Naturschutzgruppe Witten (Nawit) im Muttental zwischen Zeche Theresa und Zeche Nachtigall machen kann. Raphael Trzechan ist einer von mehreren Mitgliedern aus dem Werkstattbereich für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen des Sozialverbands Deutschland (SoVD, die alle 14 Tage im Naturgarten helfen.

Seit 2017 gibt es diese Kooperation zwischen Naturschützern und Lebenshilfe. Seit 2016 hat die Nawit das 1400 m² große Grundstück vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe gepachtet. „Unser Ziel war, einen Naturschutzgarten anzulegen, der der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte. Wir wollen zeigen, dass man mit einfachen Mitteln solche Gärten gestalten kann“, sagt Nawit-Mitglied Susanne Sinzig. Sie wollten den Leuten helfen, von den Einheitsgärten oder von den Schottergärten wegzukommen, die augenblicklich im Trend sind. „Sie sind ökologisch tot“, meint Sinzig.

Die Natur kenne keine Abfälle, sagt die Frau von der Nawit. Zweige und Pflanzenrückschnitt könne man wieder verwerten – zum Beispiel für Totholzhaufen, die als Nistplatz für Vögel und Igel dienen. Es sei gut, die Pflanzenreste zu kompostieren, weil eben auch Schlangen darin einen Lebensraum fänden.

Im Wittener Naturgarten kann man viel über die heimische Pflanzenwelt erfahren

„Wir genießen die Ruhe miteinander“, sagt Heike Guthardt vom SoVD über den Aufenthalt im Naturgarten. Gerade sind sie dabei, die Eidechsenfläche freizuschneiden., damit sich die Tiere auf den Steinen wärmen können. Im vergangenen Jahr haben Nawit und Lebenshilfe gemeinsam eine Dachbegrünung angelegt. Dazu musste eimerweise ein Dachsubstrat auf den Untergrund des Daches aufgebracht werden, bevor entsprechende Pflanzen gesetzt werden konnten, etwa heimischer Berglauch oder Karthäusernelken. André Brzezina von der Lebenshilfe macht gerade den Brombeerschnitt. „Ich habe zuhause einige Pflanzen und habe einen grünen Daumen. Es macht Spaß, hier diese Naturnähe zu spüren“, sagt er.

André findet es toll, dass man im Naturgarten so viel über die heimische Pflanzenwelt lernen kann. „Wir möchten durch die Anlage von Beeten zeigen, dass heimische Pflanzen an bestimmte Standorte gebunden sind“, sagt Susanne Sinzig von der Nawit. „Das heißt, dass zum Beispiel in einem Schatten- und Waldbeet Pflanzen wie Lungenkraut, Hirschzungenfarn, Nelkenwurz und Waldziest bevorzugt wachsen. Und an einem trockenen, sonnigen Standort Pflanzen wie Natternkopf, Wegwarte, raue Nelke und Königskerze gut gedeihen, die zugleich viele Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten anlocken.“

Holzwerkstatt baut Vogelnistkästen und Fledermauskästen

Außerdem würden sich in den Kräutergärten neben heimischen Wild- und Heilkräutern Küchenkräuter finden, die regelmäßig geerntet werden könnten, so die Expertin.

Die SoVD-Mitarbeiter helfen auch dabei, reife Samenstände der heimischen Pflanzen und Kräuter zu ernten, um sie dann bei der Pflanzentauschbörse zu verkaufen oder im Naturgarten erneut auszusäen. „Beim ersten Mal haben wir die Gehwege abgelaufen und den Bärenklau ausgestochen. Denn an dem kann man sich verletzen“, erinnert sich André Brzezina.

Die Nawit profitiert nicht nur von der Mithilfe der Lebenshilfe, sondern auch von dem Engagement der dortigen Holzwerkstatt. Sie baut für die Naturschutzgruppe Vogelnist- und Fledermauskästen, die dann im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit verkauft werden können.

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