Prozess

Hausbewohner aus Witten wollte sich durch Feuer umbringen

Der Dachstuhl stand bei dem Brand am 4. Juli 2017 in Flammen.

Foto: Alex Talash

Der Dachstuhl stand bei dem Brand am 4. Juli 2017 in Flammen. Foto: Alex Talash

Witten.   Der 56-Jährige, wegen besonders schwerer Brandstiftung angeklagte Rüdinghauser, wollte sich das Leben nehmen. Das sagte er jetzt vor Gericht aus.

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Er wollt sich umbringen und legte daher Feuer. Das gab der angeklagte 56-jährige Wittener am Donnerstag im Prozess um den Wohnungsbrand am 4. Juli 2017 in einem Vier-Familien-Haus an der Brunebecker Straße offen zu.

„Ich war verzweifelt und fühlte mich unverstanden. Ich habe Bioethanol in der Wohnung verteilt, um Suizid zu begehen“, erklärte er vor dem Landgericht Bochum. Dort muss sich der ehemalige Opel-Mitarbeiter wegen besonders schwerer Brandstiftung verantworten.

Feuer drohte auf Nachbarhaus überzugreifen

Das Feuer zerstörte den kompletten Dachstuhl und drohte, auf das Nachbarhaus überzugreifen, bestätigte am Donnerstag der Einsatzleiter der Feuerwehr als Zeuge. „Der Dachstuhl brannte in voller Ausdehnung und der Giebel war einsturzgefährdet“, so der 52-jährige. Der Bewohner selbst hatte eigenen Angaben zufolge noch vergeblich versucht, den Brand in seiner Wohnung zu löschen, und war auf den Balkon geflohen. Von dort rettete er sich mit einem Sprung aus etwa fünf Metern Höhe auf eine Garage darunter.

Nachbarn hatten den nicht ansprechbar auf dem Garagendach liegenden Mann heruntergeholt und auf die andere Straßenseite in Sicherheit gebracht, von wo aus er kurz darauf ins Krankenhaus transportiert worden war.

Ein Arzt der Intensivstation (32) betreute ihn dort. „Bereits bei der Einlieferung des Patienten war eine suizidale Absicht bekannt. Wir haben daher eine psychiatrische Untersuchung veranlasst“, sagte er nun aus. Tags darauf wurde der glücklicherweise nur leicht verletzte Mann in eine psychiatrische Klinik verlegt. Seitdem befindet sich der Angeklagte in einer entsprechenden Fachklinik.

Streit mit Miteigentümern und Ärger wegen Unfällen

Die Eigentumswohnung in dem Haus bewohnte er seit 28 Jahren. Es gab Streit mit den übrigen Miteigentümern und Ärger um zwei Unfälle des Mannes. Der Mann, der von Arbeitslosengeld lebt, hatte bei einem Gläubiger 45 000 Euro Schulden – somit drohte ihm, die Wohnung zu verlieren.

Am Tag des Brandes verlor der Mann zudem einen Berufungsprozess vor dem Oberlandesgericht Hamm. Dabei ging es um einen Unfall zwischen ihm als Fußgänger und einem Radfahrer. Die Richter urteilten, er müsse 7500 Euro an die Krankenkasse des verletzten Radfahrers zahlen.

Hoch brennbare Flüssigkeit in Wohnung verschüttet

Anschließend war er völlig neben der Spur, sagte der Beschuldigte aus. Zuhause angekommen, befeuerte er eigenen Angaben zufolge den Kamin mit Bioethanol aus einem von drei Zehn-Liter-Kanistern und verschüttete die hoch brennbare Flüssigkeit in seiner Wohnung. Es gab eine Verpuffung und alles stand in Flammen.

Weil der Weg nach unten bereits versperrt war, lief er die Treppe hinauf ins Dachgeschoss und sprang dort schließlich vom Balkon. An den genauen Hergang habe er keine Erinnerung mehr. „Ich bin erst im Krankenhaus wieder zu mir gekommen“, erzählte er am Donnerstag. Der Prozess wird fortgesetzt.

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