20.000 Euro Schaden

Polizistentrick: Prozess gegen 36-Jährigen geht weiter

Dem 36-Jährigen wird wegen bandenmäßigen schweren Raubes der Prozess vor dem Bochumer Landgericht gemacht, hier ein Bild vom neuen Justizzentrum.

Foto: Ingo Otto

Dem 36-Jährigen wird wegen bandenmäßigen schweren Raubes der Prozess vor dem Bochumer Landgericht gemacht, hier ein Bild vom neuen Justizzentrum. Foto: Ingo Otto

Witten.   Ein Angeklagter, der in Witten 20.000 Euro ergaunert haben soll, steht weiterhin vor Gericht. Er gilt als schuldfähig, trotz Drogen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Eine Kernfrage im Prozess gegen einen wegen bandenmäßigen schweren Raubes angeklagten 36 Jahre alten Mann ist, inwieweit der Angeklagte bei den Taten unter Drogeneinfluss stand. Der Mann hatte gestanden, im April 2017 eine 74-jährige Frau in Witten um 20.000 Euro gebracht zu haben. Sie war mit dem Polizistentrick gelinkt worden.

Telefonisch soll sich der Beschuldigte bei der Frau als Polizist ausgegeben haben. Ein Kollege werde vorbeikommen und ihr Geld abholen, um zu überprüfen, ob es sich um Falschgeld handle. Als er ein zweites Mal abkassieren wollte, wurde er festgenommen. Damals habe er unter Amphetamin gestanden, behauptete der Beschuldigte.

Vor den Taten zwei oder drei Nasen Koks

Weitere Anklagepunkte betreffen zwei Raubüberfälle in Köln und Bochum zusammen mit Komplizen. Vorher habe er jeweils zwei bis drei „Nasen“ Kokain geschnupft. Außerdem habe er sowieso gewohnheitsmäßig Kokain konsumiert. Es waren angeblich bis zu vier Gramm täglich, mit Freunden zusammen bis zu zehn Gramm.

Ein Gutachter (68) erklärte am Donnerstag, eine Drogenabhängigkeit sei nicht auszuschließen. Allerdings sei die Steuerungsfähigkeit bei den Taten nicht nennenswert beeinträchtigt gewesen, das habe der Angeklagte selbst gesagt. Somit beurteilte der Mediziner den 36-Jährigen als voll schuldfähig. Er empfahl dem Gericht, den Mann für mindestens zwei Jahre in einer Drogenentzugseinrichtung unterzubringen.

Überfälle, um Schulden beim Dealer zu bezahlen

An den Raubüberfällen habe er teilgenommen, um Schulden bei seinem Dealer abzahlen zu können, so der Angeklagte. Am 4. Oktober 2013 war er mit Komplizen in die Villa eines Bochumers eingedrungen, am 5. Dezember 2013 ins Wohnhaus eines Kölners. Sie erbeuteten Schmuck und Bargeld. Das Opfer aus Köln leidet heute unter einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Die 35 Jahre alte Verlobte des Angeklagten sagte aus, sie habe in der Vergangenheit mehrfach Drogenkonsum bei ihm vermutet. „Er schlief nächtelang nicht, war sehr aufgedreht und hatte einen roten Kopf.“ Sie habe auch auf einer CD-Hülle Rückstände eines weißen Pulvers gefunden und dabei an Kokain oder Amphetamin gedacht. Der Angeklagte arbeitete als Wachmann und abends als Türsteher.

Unter chronischem Schnupfen gelitten

Die 37jährige Schwester des Angeklagten erklärte, sie habe ihren Bruder nur einmal zu Silvester 2015 darauf angesprochen, ob er Drogen nehme. „Er grinste nur.“ Er habe körperliche Schmerzen gehabt und unter chronischem Schnupfen gelitten. Er habe sein Leben nicht im Griff gehabt und Schulden gemacht. Nach seiner Festnahme im April 2017 waren Amphetamine in seinem Blut festgestellt worden. Der Prozess wird fortgesetzt. (boro)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik