Wald

Grüne machen sich für Wildnis im Wittener Wald stark

Stephanie und Tobias Dankowski mit Tochter bei einem Spaziergang auf dem Hohenstein, fotografiert vor zwei Jahren. Wittens Grüne setzen sich für Areale im städtischen Wittener Wald ein, die nicht vom Menschen bewirtschaftet werden.

Stephanie und Tobias Dankowski mit Tochter bei einem Spaziergang auf dem Hohenstein, fotografiert vor zwei Jahren. Wittens Grüne setzen sich für Areale im städtischen Wittener Wald ein, die nicht vom Menschen bewirtschaftet werden.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Witten.   Der Stadtförster prüft, ob es Areale im städtischen Wittener Wald gibt, die der Mensch ganz der Natur überlassen kann. Eine Anregung der Grünen.

Rund 700 Hektar groß – also sieben Millionen Quadratmeter – ist der Wittener Wald, der der Stadt gehört. Klaus Peter ist für ihn zuständig. Der Stadtförster wird sich in den kommenden Wochen Gedanken darüber machen, ob es im kommunalen Wald Areale gibt, die man der Natur überlassen könnte. Hintergrund: Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat sich im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umweltschutz (ASU) hierfür per Antrag stark gemacht.

Dieser wurde im ASU in einen sogenannten Prüfauftrag (an die Verwaltung) umgewandelt und so einstimmig von den Ausschussmitgliedern auf den Weg gebracht. Bislang ist Wittens städtischer Forst ein reiner Wirtschaftswald, sagt der Stadtförster. Laut Peter liegen die vier großen kommunalen Waldgebiete auf dem Hohenstein, in Vormholz, Buchholz und im Herrenholz. „Die machen zusammen rund 420 Hektar aus.“ Der Rest des kommunalen Waldes verteile sich über die Stadt.

Mehr Artenvielfalt, wenn der Mensch sich raushält

Von Menschen geplant und gepflegt, dient dieser der Erholung, das Holz der Bäume spült beim Verkauf Geld in den Stadtsäckel. Dass Wald, der sich ohne menschliche Einflussnahme entwickeln kann, um ein Vielfaches artenreicher ist als bewirtschafteter, dass er vielen Pflanzen und Tieren Raum bietet, kann man in NRW im Nationalpark Eifel sowie in Thüringen im Nationalpark Hainich erleben.

In ihrem Antrag haben Wittens Grüne vorgeschlagen, der Anteil von unbewirtschafteten Flächen im örtlichen Kommunalwald solle jährlich um 0,5 Prozent auf mindestens zehn Prozent der städtischen Waldgesamtfläche wachsen.

Bäume im Wirtschaftswald fallen vor ihrer Zeit

Förster Klaus Peter wird – „in Absprache mit Kollegen der Stadt“ – Vorschläge dazu machen, an welchen Stellen man den Wald künftig einfach Wald sein lassen könnte – ohne menschliche Eingriffe wie einen Holzeinschlag oder Neuanpflanzungen.

Die Grünen weisen darauf hin, dass Bäume im Wirtschaftswald in der Regel nicht ihr „biologisches Alter“ erreichen. So würden etwa Buchen meist im Alter von 120 bis 140 Jahren geerntet, obwohl die Bäume über 350 Jahre alt werden könnten. Eichen müssten meist im Alter zwischen 180 und 300 Jahren fallen, obwohl Eichenwälder ein Alter von über 800 Jahren erreichen könnten.

Neues Siegel für den Wald gefordert

In Wittens städtischem Wald sei jeder dritte Baum eine Rotbuche, ein weiteres Drittel seien Nadelbäume. „Das restliche Drittel verteilt sich auf Eichen, Buchen, Erlen und Pappeln“, so Klaus Peter. Beim vom Ausschuss auf den Weg gebrachten Prüfauftrag geht es auch ums Thema Zertifizierung. Der Vorschlag der Grünen: Der städtische Wald soll mit dem Siegel „FSC 3-0“ ausgezeichnet werden. Peter: „Der Wald ist schon zertifiziert – durch das PEFC-Siegel.“

Beide Siegel dokumentieren, dass es sich um nachhaltig erwirtschaftetes Holz handelt. Klaus Peter wird für die Politik zusammenstellen, wodurch sich die beiden Siegel dennoch unterscheiden, und auch, „was eine neue Zertifizierung kosten wird“. Er könne mit beiden Zertifizierungsverfahren leben, betont er.

Worin sich die Wald-Siegel unterscheiden

Beim FSC-Siegel werden die Kriterien für die Zertifizierung von drei Kammern beschlossen – von Vertretern von Naturschutzverbänden, sozialen und wirtschaftlichen Interessengruppen. Dagegen legt PEFC – nach eigenen Angaben – Wert darauf, dass die Interessen der Waldeigentümer gewahrt bleiben. Außerdem: Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist in FSC-zertifizierten Wäldern nur nach behördlicher Anordnung erlaubt, während er in PEFC-zertifizierten Wäldern „auf das notwendige Maß“ beschränkt wird.

>>> IN WITTEN GIBT ES MEHR PRIVATEN WALD

Neben dem städtischen Wald gibt es in Witten noch rund 1000 Hektar Privatwald. Hierfür ist Klaus Peters Kollege, Förster Maximilian Bremes, in Wetter zuständig, der beim Landesbetrieb Wald und Holz angestellt ist.

Klaus Peter, der derzeit im Muttental und im Vormholzer Wald Probleme mit Borkenkäfern hat, ist beim Regionalverband Ruhr beschäftigt. Er kümmert sich auch um Waldstücke in Herdecke, Hagen und Breckerfeld.

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