Kulturarbeit

Geschichtsverein: Stadt Witten hält sich nicht an Verträge

Der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark in Witten kümmert sich auch um die CDU-Geschichte: 2013 übergaben die Christdemokraten ihr Archiv dem Verein, der im Märkischen Museum seinen Sitz hat.

Der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark in Witten kümmert sich auch um die CDU-Geschichte: 2013 übergaben die Christdemokraten ihr Archiv dem Verein, der im Märkischen Museum seinen Sitz hat.

Foto: Michael Korte

Witten.  Zwischen der Stadt Witten und dem Heimatverein VOHM gibt es Unstimmigkeiten. Denn dem Verein stehen mehr Geld, Personal und Ausstellungsräume zu.

Dem Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark – kurz VOHM – verdankt Witten nicht nur das Gebäude des Märkischen Museums. Er sorgte auch dafür, dass es heute ein umfangreiches Archiv zur Geschichte Wittens gibt, das vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts reicht. Doch es gibt immer wieder Unstimmigkeiten zwischen Stadtverwaltung und Verein. Diese würde vertragliche Pflichten unterlaufen.

Die CDU setzt sich für den Verein ein und fragt bei Bürgermeisterin Sonja Leidemann an. Denn: „Das Märkische Museum ist nicht erst seit dem Anbau der Stadtbibliothek zum kulturellen Mittelpunkt der Stadt geworden. Das 1911 vom VOHM als historisches Heimatmuseum mit umfangreicher Bibliothek und Archiv errichtete Gebäude ist vielmehr Keimzelle der Kulturarbeit in unserer Stadt“, schreibt Fraktionsvorsitzender Klaus Noske in der Anfrage.

Oberbürgermeister enteignet Wittener Verein 1944

Das Problem: 1944 hat der Wittener Oberbürgermeister den Geschichtsverein samt Museum und Sammlung enteignet und dessen Besitz an die Stadt Witten überführt. Als Gegenleistung wurden eine jährliche Geldleistung von 10.000 RM, die kostenlose Nutzung des Museums und Stimmrecht im Kulturausschuss vertraglich zugesichert. Trotzdem gab es in den letzten 75 Jahren immer wieder Meinungsverschiedenheiten über die Entschädigungsleistungen zwischen der Stadtverwaltung und dem Verein.

Dieser Vertrag ist nach Rechtsgutachten der Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner GbR vom 26.7.2019, welches vom Kulturforum in Auftrag gegeben wurde, weiterhin rechtswirksam und bindend für die Stadt Witten. „Umso mehr sind wir erstaunt darüber, dass seitens der städtischen Verwaltungsleitung und seitens des Kulturforums immer wieder vertraglich Verpflichtungen unterlaufen werden und die Stadt Witten dem VOHM Leistungen vorenthält“, so die CDU.

Stadt soll Untergeschoss zu Ausstellungsräumen umbauen

Zuletzt habe es 2019 dazu ein Gespräch zwischen Sonja Leidemann und dem Vereinsvorstand gegeben. In einem Schreiben erinnerte der Vereinsvorstand Mitte Mai an die Klärung verschiedener Sachverhalte. Bis heute sei keine Antwort eingegangen.

Ein offenes Thema ist zum Beispiel der letzte Bauabschnitt beim Umbau des Märkischen Museum: Nach Ratsbeschluss soll die Stadt dessen Untergeschoss herrichten, damit der Verein dort die Engelbert-Statue, ein historisches Stadtmodell und eine Münzsammlung ausstellen kann. Im Weiteren fehlen dem Verein Hinweisschilder sowie Räume für Vorträge oder Vorstandssitzungen.

Archivar in Kurzarbeit geschickt

Zudem beklagt der Verein, dass der vertraglich zugesagte jährliche Zuschuss an den Verein (10.000 Reichsmark) einer Summe von 38.000 Euro entspricht. Der VOHM erhält aber nur 3.500 € pro Jahr. Auch Personal sei dem Verein zugesichert worden. Der Archivar Peter Dembski wird jedoch regelmäßig durch das Stadtarchiv in Anspruch genommen.

Mittlerweile hat das Kulturforum die Geschäftsstelle auf Kurzarbeit gesetzt – obwohl dessen Arbeit nicht von der Corona-Krise betroffen ist. Aus welchem Grund die Kurzarbeit angemeldet wurde, fragt sich der Verein bis heute.

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