Kultur

Galerie Himmelstropfen eröffnet neue Ausstellung

Vivien Knoth vor ihren Bildern.

Vivien Knoth vor ihren Bildern.

Foto: Funke Foto Services

Witten.   Kennen Sie Blätterplaneten? Wenn nicht, dann lohnt sich ein Besuch in der Galerie Himmelstropfen. Dort hängen nämlich welche – und noch viel mehr.

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Die Natur hat Einzug gehalten in die Galerie Himmelstropfen: Ameisen, Hirschkäfer, Heuschrecken, eine Spinne, Grashalme, Blüten und Rindenstücke hängen an den Wänden. Nicht alle sind gemalt, sondern tatsächlich mal durch die Landschaft gekrabbelt oder standen im Wald. Vivien Knoth und Klara Ratajczak stellen hier nicht etwa nur ihre Liebe zur Natur zur Schau, sondern setzen sich mit „dem Fremden in uns und um uns herum“ auseinander.

Die Natur als Fremdkörper? Aber mit der haben wir doch fast täglich zu tun, die kennen wir doch, mag jetzt manch einer denken. Zum einen: weit gefehlt – oder haben Sie sich schon mal intensiv mit einem Tausendfüßler beschäftigt? Zum anderen denken die beiden Künstlerinnen da etwas weiter. Ausgangspunkt ist tatsächlich die Flüchtlingsthematik: „Doch dann haben wir uns Gedanken gemacht über unsere grundsätzliche Angst vor dem Fremden“, sagt Vivien Knoth (45), die in Witten lebt und Mitinhaberin der Galerie ist. Und es gehe nicht etwa darum, diese Angst nicht zu haben, sondern sich intensiv mit ihr zu beschäftigen.

Weil Vivien Knoth generell keine Menschen malt und immer „sehr im Tierreich unterwegs war“, hat sie begonnen, sich Insekten zu widmen, „weil ich mit denen am wenigsten anfangen konnte“. Längst hat sie gemerkt: „Die sind eigentlich schön, haben tolle Farben und interessante Formen.“ So kommt es, dass sie etwas, was sie vorher nicht so mochte, jetzt richtig „liebgewonnen“ hat. Statt Acrylfarbe, die sie sonst oft der Umwelt wegen mit schlechtem Gewissen nutzte, hat Knoth ihre Bilder mit Lehmfarbe und Moorlauge gemalt. Grob, aber detailliert. Trotzdem wirken die Zangen des großen Hirschkäfers, der rechts an der Wand hängt, nicht allzu gefährlich, ähnelt das Tier eher einer freundlichen Comicfigur.

Behausungen aus Pestwurzblättern

Wer die kleine Galerie in Annen betritt, blickt unweigerlich auf mehrere große kugelige Gebilde, die von der Decke baumeln. „Behausungen“ nennt Klara Ratajczak (39) ihre Skulpturen, die teils geschlossen sind, teils Öffnungen besitzen. Das Material: riesige Pestwurzblätter, die sie am Bach im Wald gesammelt hat. Zusammengefügt hat sie diese nicht mit Draht oder Band, sondern mit den Fäden der Blattstängel. Dann hat die Hagenerin sie mit Knochenleim bestrichen, um sie haltbar und transportfähig zu machen. Als ob das nicht schon ungewöhnlich genug wäre, warten die Kunstwerke mit einer weiteren Besonderheit auf: Sie atmen. „Wenn es feucht ist, werden die Blätter weich. Wenn es heiß ist, werden sie spröde und knistern“, erklärt Ratajczak. Einladen möchte sie den Betrachter, „mal reinzugehen in den fremden Blätterplaneten“, den manch einer sogar schon ekelig fand, wie sie erfahren hat.

An der Wand um die Ecke hängt eine Serie kleinformatiger Bilder. Hinter Glas befinden sich Blätter, deren Adern die Künstlerin mit Farbe weitergeführt oder deren Löcher sie wie Socken gestopft hat. Trockenes Gras hat sie zu einem Mini-Deckchen verhäkelt. Auch ein Schmetterling, eine Schnake und eine Spinne wird so zum ästhetischen Werk. Natürlich waren die schon tot, als Klara Ratajczak sie zum Motiv erwählte – dieser Hinweis, lächelt sie, sei ihrer zehnjährigen Tochter ganz wichtig gewesen.

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