Tierquälerei

Fünf Tauben in der Wittener Innenstadt angeschossen

In der Taubenklinik Essen wurde einer Taube diese Kugel herausoperiert.

Foto: Initiative Stadttauben

In der Taubenklinik Essen wurde einer Taube diese Kugel herausoperiert. Foto: Initiative Stadttauben

Witten.  Wer macht in Witten Jagd auf Tauben? Fünf Vögel wurden angeschossen, aber nicht sofort getötet – was für sie eine noch größere Qual bedeutete.

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„Wer tut so etwas?“ Wittens „Taubenmutter“ Lilo Ellis ist entsetzt. Fünf Tiere seien angeschossen worden, nur eines konnte gerettet werden.

Junge Mädchen, die der Initiative „Stadttauben – Hilfe für Mensch und Tier“ angehören, hatten die verletzten Tiere in der unteren und oberen Bahnhofstraße gefunden. Ellis: „Bei dreien dachten wir erst, das käme von Spießen. Sie hatten alle Löcher im Körper.“ Bei der vierten Taube sei der Einschuss besser zu sehen gewesen.

Sie wurde in die Taubenklinik nach Essen gebracht. Dort hat man ihr eine Kugel herausoperiert. Die Initiative erstattete Anzeige. Eine später gefundene fünfte Taube war schon tot. „Sie hatte ebenfalls ein Einschussloch“, sagt Lilo Ellis.

Ein schlechter Spaß oder ein Taubenhasser?

Einen konkreten Verdacht gibt es nicht. Ellis: „Möglich, dass sich Jugendliche hier einen Spaß gemacht haben, oder ein Taubenhasser – ich weiß es nicht.“ Für die Tiere sei es eine Qual gewesen. „Sie konnten kaum noch fliegen.“

Seit 18 Jahren engagiert sich Lilo Ellis als Vorsitzende für die Initiative Stadttauben. Dass ihr in dieser Zeit Widerstand begegnet ist, ist nicht neu für sie. Sie hat auch schon Tierquälerei erlebt. „Es wurden schon Tauben die Füße und der Kopf abgerissen.“ Doch dass auf die Tiere in Witten geschossen wird, ist auch für sie eine neue, schreckliche Erfahrung.

Gipseier gegen Taubeneier getauscht

Die ehrenamtlichen Helfer hatten gerade wieder Gipseier gegen Taubeneiner in den Nestern getauscht, um die Taubenpopulation in der City einzudämmen, als die verletzten Tiere gefunden wurden. Zunächst waren die Einschusslöchern gar nicht sichtbar gewesen. Die Initiative brachte die Vögel zum Tierarzt, der sie einschläferte.

Erst bei der vierten Taube, wo das Einschussloch gut zu sehen war, entschloss man sich zur Untersuchung in der Taubenklinik. Auch finanziell gibt es da große Unterschiede. Ellis: „Einschläfern beim Tierarzt kostet 16,50 Euro, die OP in der Klinik 80 Euro.“

Die Initiative ist auf Spenden angewiesen, für Arztbesuche, für Futter oder auch mal Farbe, wenn wie neulich der Taubenturm im Lutherpark neu gestrichen wird. Insgesamt wünscht sich Ellis mehr Unterstützung, auch von den Hauseigentümern in der City und der Standortgemeinschaft Mitte. Schließlich tue man alles, um die Tauben aus der Fußgängerzone fernzuhalten.

28 Eier wurden zuletzt wieder ausgetauscht, in diesem Jahr schon über 200.

Kein Taubenzimmer im Rathaus

Den Traum von einem Taubenzimmer im Rathaus scheint die Initiative aber begraben zu können. Nach ihren Informationen ist das vom Rat eigentlich längst beschlossene Projekt beim Rathausumbau nicht mehr vorgesehen.

Damit bliebe der Taubenturm im Lutherpark die einzige Auffangstation für die Tiere in Witten. Lilo Ellis hofft, nach den Schüssen in der Stadt, dass Bürger ein bisschen aufmerksamer sind – und womöglich Hinweise geben können.

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