Serie "Stolpersteine"

Flucht aus Witten war vergebens

Ein Bild aus noch unbeschwerten Tagen: Elisabeth Marx (vorne rechts) mit ihren Freundinnen auf einem Foto von 1930. Sie wurde 1942 von den Nazis nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.Foto: Stadtarchiv Witten, Repro: Jörg Fruck

Ein Bild aus noch unbeschwerten Tagen: Elisabeth Marx (vorne rechts) mit ihren Freundinnen auf einem Foto von 1930. Sie wurde 1942 von den Nazis nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.Foto: Stadtarchiv Witten, Repro: Jörg Fruck

Witten.   Die Jüdische Familie Marx wohnte in der Nordstraße. Anna und Tochter Elisabeth entkamen zunächst nach Belgien, wurden von den Nazis gefasst und ermordet. An ihr Schicksal erinnern Stolpersteine, die am 10.12. verlegt werden.

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18 Stolpersteine, die an das Schicksal von Juden im Dritten Reich erinnern, wurden im Frühjahr dieses Jahres von dem Künstler Gunter Demnig in der Innenstadt verlegt. Am 10. Dezember kommen in einer weiteren Aktion des Künstlers 19 Steine an acht Orten im Stadtgebiet hinzu.

Mit denen wird aber nicht nur an das Schicksal jüdischer Mitbürger erinnert, sondern auch an andere Wittener, die damals Opfer des Nazi-Terrors wurden. An der Aktion im Dezember beteiligen sich der Lions Club Rebecca Hanf, das Friedensforum und die „Rosa Strippe“. Die WAZ stellt jetzt in einer Serie die Einzelpersonen und Familien vor, an die diesmal mit der Verlegung der Messingplatten erinnert wird.

In der Nordstraße 23 wohnte Anna Marx mit ihren beiden Töchtern. Schon im Jahr 1921 war ihr Mann, der Sanitätsrat Dr. Paul Marx gestorben. In der Pogromnacht des 9. November drangen SA-Angehörige und andere, die sich dazu berufen fühlten, in das Haus, zerschlugen einen großen Teil des Mobiliars und misshandelten Anna Marx, die daraufhin mit ihren Töchtern nach Berlin und ein Jahr später nach Belgien floh.

Doch auch hier waren sie nicht sicher, nachdem die deutsche Reichswehr einmarschiert war. Im Juli 1942 begannen die Deportationen auch in Belgien, von wo aus insgesamt etwa 25 000 Jüdinnen und Juden vor allem nach Auschwitz verschleppt wurden. Anna Marx wurde am 15. September 1942 deportiert. Die Fahrt dauerte zwei Tage. In Auschwitz wurde Anna Marx im Alter von 56 Jahren ermordet.

Während der Tochter Marianne, geboren 1909, im Jahr 1936 die Auswanderung nach Johannesburg (Südafrika) gelang, blieb ihre Schwester Elisabeth bei ihrer Mutter. Sie war 1911 geboren worden und hatte zwischen 1921 und 1929 das heutige Schiller-Gymnasium besucht. Ein Foto zeigt sie im Kreis ihrer Freundinnen, alle übermütig mit einer Zigarette in der Hand, deutsche „Pennäler“ wie hunderttausende andere auch.

Bei der Machtergreifung der Nazis war Elisabeth knapp 22 Jahre alt. Sie emigrierte nach Brüssel und heiratete dort. Sie hieß nun Vankelecom und konnte ihrer Mutter nach deren Flucht 1939 eine Unterkunft bieten. Elisabeth Vankelecom wurde nach dem Einmarsch der deutschen Armee in das damals neutrale Belgien festgenommen, mit ihrer Mutter am 15. September 1942 von Mechelen nach Auschwitz gebracht und dort nach ihrer Ankunft ermordet.

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