Schulleiter-Abschied

Flashmob: Am letzten Arbeitstag tanzt die ganze Schule

Norbert Kiesow auf dem Dach des AMGs. Er bedankt sich, nachdem die Schüler für ihn getanzt haben. Fotos:Barbara Zabka

Norbert Kiesow auf dem Dach des AMGs. Er bedankt sich, nachdem die Schüler für ihn getanzt haben. Fotos:Barbara Zabka

Witten.   Gleich zwei Wittener Schulleiter gehen in den Ruhestand: Norbert Kiesow verlässt das Albert-Martmöller-, Gerhard Koch das Schiller-Gymnasium.

„Herr Kiesow ist wirklich voll, voll, voll gut. Er war mein bester Mathelehrer.“ Kann man ein noch schöneres Kompliment geben als Zehntklässlerin Emily? Man kann! Sowohl die Schüler des AMGs als auch des Schiller-Gymnasiums legten sich richtig ins Zeug und bereiteten ihren scheidenden Direktoren den perfekten Abschied.

„Whatever you want“ am AMG

Um 8.30 Uhr stehen die Schüler entlang der Markmannstraße Spalier. Als ein Motor erdröhnt klatschen sie, denn es fährt ein: Norbert Kiesow, Jahrgang 1954, in einem 53er Ford Mercury Monterey. Das Kollegium hat zusammengelegt und den Oldtimer samt Chauffeur gemietet. „Das ist mein erster Schulleitertransport“, grinst Timo Plickert am Steuer. „Sonst fahre ich nur Hochzeitspaare.“

Die Fahrt von seinem Wohnort Gelsenkirchen bis Witten empfand Kiesow als „ganz schön durchrüttelnd. Und ich habe gedacht, das kann man nicht toppen.“ Man kann: Während er das Auto mit seinem Handy fotografiert, postieren sich die Schüler auf dem Schulhof. Auf den Tischtennisplatten stehen sportliche Lehrerinnen: Sie geben den Takt an zu „Whatever you want“ von Status Quo – und alle tanzen mit. „Wir sind ein BVB-Kollegium und tanzen nur für ihn dieses Schalke-Lied“, verrät eine Lehrerin.

Da fliegen bunte Luftballons in den Himmel und wird ein Plakat entrollt: „Glückauf, Herr Kiesow“! Die Kolleginnen Bruni Bülskämper und Rut Fröhlings haben die Überraschungsaktion geplant. Ihr Noch- Direktor winkt vom Dach eines Anbaus und kann sein Glück gar nicht fassen. „Im Nachhinein betrachtet ist so eine tolle Aktion das, was das AMG ausmacht.“ Er schüttelt viele Hände. „So ein nettes Kollegium!“ Auf Kiesow folgt der Wittener Johannes Rienäcker, 49, bislang Vize an einer Schule in Bochum-Gerthe.

Flashmob AMG Witten

Abschied für Schulleiter Kiesow am AMG. Erst wurde er mit einem Oldtimer abgeholt, dann tanzten alle Schüler und das Lehrerkollegium für ihn.
Flashmob AMG Witten

„Bye Bye“ am Schiller-Gymnasium

Um 9.30 Uhr sieht es am Schiller-Gymnasium noch normal aus: Da stehen die Schüler auf dem Schulhof zusammen, essen Butterbrote. Allerdings verteilt Lehrerin Anja Völkner auch heimlich Taschentücher. In den letzten Wochen hat sie mit den Schülern Tanzschritte geübt, und zwar wann immer es ging. „Bei uns war das im Klassenzimmer, in der Englischstunde“, erzählen Flora und Leonora aus der 6c.

Sie zählen zu der kleinen Gruppe, die am Ende der Hofpause in einer Ecke stehen bleibt. Gerade als Schulleiter Gerhard Koch und seine designierte Nachfolgerin Janine Bartsch (45) um die Ecke biegen. Musik erklingt, es ist Sashas Hit „Goodbye“. Die Gruppe setzt sich in Bewegung und zum Refrain strömen Schüler aus allen Ecken herbei. Ein bewegender Augenblick.

„Das war eine richtig große Überraschung“, sagt Koch. „Ich wollte keine große Feier haben, deswegen hat mich diese Form sehr gefreut. Ich bin stolz, dass ich hier arbeiten durfte.“ Seit 1979 heißt sein Arbeitsort Schiller-Gymnasium, seit 14,5 Jahren ist er dort Schulleiter. Jetzt muss der 65-Jährige aber wieder hinein. „Es ist mein letzter Arbeitstag und ich habe noch so viel zu tun!“

Flashmob Schiller Gymnasium

Das Schiller-Gymnasium Witten hat seinen Schulleiter verabschiedet. Bye bye Gerhard Koch!
Flashmob Schiller Gymnasium
>>> Drei Fragen an: Die neue Schiller-Schulleiterin 

Janine Bartsch kam vor 20 Jahren als Referendarin ans Schiller-Gymnasium – und blieb als Lehrerin, unterbrochen von Elternzeit. Seit 2012 war sie Erprobungsstufenkoordinatorin. Erst seit zwei Wochen steht fest, dass die 45-Jährige die Nachfolge von Gerhard Koch antritt.

1.) Warum haben Sie sich auf die Schulleiterstelle beworben?

Ich fühle mich mit dem Schiller sehr verwachsen. Das ist eine zentrale Stelle, um Schulleben gestalten zu dürfen. Ich möchte Dinge bewegen, die ich richtig und gut finde.

2.) Also: Raus aus dem Unterricht, ran an den Schreibtisch?

Noch zwei Tage lang, bis zum Ende des Halbjahres, bin ich Klassenlehrerin der 6b. Danach muss ich die Lage sondieren, aber Herr Koch und ich haben in den letzten Tagen eng zusammengearbeitet.

3.) Und was wäre ein Herzenswunsch, was sollte an der Schule als erstes erledigt werden?

W-LAN. Fast unfassbar, dass es das an unserer Schule nicht gibt. Wir können nicht mit Laptops oder Tablets arbeiten. Wir müssen viel mehr Wert auf die Digitalisierung legen. Außerdem steht G 9 vor der Tür. Ich sehe das als Chance, unsere Schule zu überprüfen: Was läuft gut, was müssen wir verändern, was können wir weglassen?

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