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Falsche Seite: Wittener ärgert sich über Knöllchen im Kleff

Florian Szigat ärgert sich über das Wittener Ordnungsamt.

Florian Szigat ärgert sich über das Wittener Ordnungsamt.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  15 Euro muss Florian Szigat aus Witten zahlen, weil er falsch herum geparkt hat. Er nennt das „Abzocke“. Denn der Kleff hat eine Besonderheit.

Ein Knöllchen hat Florian Szigat vor einigen Tagen vor der eigenen Haustür in Witten kassiert. Eigentlich zu Recht, wie er zugibt: Er hatte nämlich gegen die Fahrtrichtung geparkt. Dennoch fühlt er sich von der Stadt abgezockt.

Der 39-Jährige wohnt mit seiner Familie im Kleff in Heven. Eigentlich steht sein Wagen meist in der eigenen Einfahrt. An dem Tag, als das Ordnungsamt vorbei kam, hatte er ihn auf der Straße stehen lassen, nur ein paar Minuten, sagt er. Schon steckte das Knöllchen hinterm Scheibenwischer: 15 Euro Verwarngebühr – das ärgert Szigat.

Der Kleff in Witten ist nur in eine Richtung befahrbar

Denn der Kleff ist eine spezielle Straße: Die schmale Fahrbahn ist zwar nicht als Einbahnstraße ausgewiesen, hier aber nur in einer Richtung befahrbar – in der übrigens, in der das Auto geparkt war. „Die Durchfahrt aus der Gegenrichtung ist verboten“, erklärt Szigat. Um richtig herum vor dem Haus zu stehen, müsste er wenden. „Aber es gibt keine ungefährlichen Wendemöglichkeiten in der Straße“, sagt er. Und ein Parken in Fahrtrichtung wäre an der Stelle außerdem verkehrsgefährdend, weil man sie wegen Kurve und Hecke schlecht einsehen kann. „Links zu stehen, ist für alle sicherer.“

Der Hevener meint, das müsse auch dem Ordnungsamt einleuchten. Schließlich schreibe es doch auf der Wittener Homepage von der „Einhaltung der Spielregeln, die im täglichen Miteinander dem ganz normalen Bedürfnis und Menschenverstand des einzelnen Bürgers entsprechen sollten“. Diesen (gesunden) Menschenverstand vermisst Florian Szigat bei seiner Verwarnung: „Wo bleibt da das Augenmaß? Ich glaube, hier soll einfach nur die Stadtkasse aufgebessert werden.“

Anwohner: Stadt sollte lieber Einhaltung der Corona-Regel überwachen

Anstatt in den Vororten Falschparker zu überprüfen, sollten die Mitarbeiter lieber die Einhaltung der Corona-Regeln überwachen, meint der 39-Jährige. „Man sollte doch meinen, dass das Ordnungsamt in dieser Zeit genug zu tun hat. Knöllchen in Wohnstraßen und gleichzeitig jede Menge Masken-Muffel in der Stadt – das passt einfach nicht zusammen!“

Doch, sagt die Stadt. Das passt, denn es gehe ums Prinzip: Parken gegen die Fahrtrichtung entspreche nun einmal nicht der Straßenverkehrsordnung. „Das kann geahndet werden und genau das ist hier passiert“, so die Pressestelle. Die Einwände des Anwohners seien dabei nicht von Interesse.

Florian Szigat kann da nur mit dem Kopf schütteln. Bezahlt hat er das Knöllchen inzwischen trotzdem. Er wollte nicht riskieren, dass es sonst noch teurer wird. „Und wenn noch mehr Leute mitmachen“, sagt der Hevener spöttisch, „können wir ja so vielleicht die Überschuldung der Stadt abbauen“.

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