Politik

Experten diskutierten in Witten über Zukunft Europas

Prof. Dr. Dirk Sauerland (v.li.) moderierte die Debatte mit Prof. Dr. Wim Kösters, Prof. Dr. Wychard Woyke und Dr. Nils-Christian Bormann in der Stadtbücherei. Foto:Walter Fischer

Prof. Dr. Dirk Sauerland (v.li.) moderierte die Debatte mit Prof. Dr. Wim Kösters, Prof. Dr. Wychard Woyke und Dr. Nils-Christian Bormann in der Stadtbücherei. Foto:Walter Fischer

witten.   Über Europas Zukunft haben Wissenschaftler in der Stadtbücherei diskutiert. Was kommt, weiß am Ende keiner. Aber es gibt interessante Ansätze.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wie geht es mit Europa weiter und welchen Einfluss haben vor allem Deutschland und Frankreich auf die Zukunft Europas? Darüber diskutierten Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit rund 50 Zuhörern in der Stadtbibliothek.

Unter Leitung von Prof. Dr. Dirk Sauerland von der Uni Witten wurde teilweise hitzig diskutiert. Mit dabei waren Dr. Nils-Christian Bormann, Vertretungsprofessor für „International Politics“ (Witten), Prof. Dr. Wim Kösters vom Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und Prof. Dr. Wichard Woyke vom Institut für Politikwissenschaft der Uni Münster.

Das Wittener Institut für Institutionellen Wandel , das Sauerland leitet, organisiert vierteljährlich eine öffentliche Debatte zu aktuellen politischen Themen wie zum Beispiel über Donald Trump, Russland und Terrorismus.

Gefahr von rechts droht immer noch in Frankreich

„Für Deutschland stehen gegenwärtig vorerst die Sondierungsgespräche im Vordergrund, bevor es auf europäischer Ebene weitergehen kann“, sagte Wichard Woyke von der Universität Münster, der die Debatte eröffnete. Daher mache es mehr Sinn, einen Blick auf den französischen Präsidenten Macron zu werfen, der sich trotz vieler EU-Gegner bei der Wahl gegen Marine Le Pen von der rechtsextremen Front Nationale durchgesetzt hatte.

Sollte es Macron bis zur nächsten Wahl im Jahr 2021 nicht schaffen, das Land aus seiner Spaltung und EU-Skepsis zu befreien, sieht Woyke für den europäischen Integrationsprozess schwarz. Dann habe Le Pen gute Chancen, eine neue Wahl zu gewinnen.

Etwas anders betrachtet Wirtschaftsforscher Wim Kösters die Zukunft und Gegenwart Europas. „Wenn man etwas in der EU macht, dann sollte man es vernünftig machen. Denn alles, was in der EU passiert, das betrifft uns auch innenpolitisch“, so der 74-Jährige.

Verträge einhalten und somit glaubwürdig bleiben

Politiker sollten nach Ansicht Kösters europäischen Verträgen wie dem Vertrag von Maastricht intensiver nachgehen, um so die politische Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten. Frankreich würde den Vertrag von Maastricht nicht akzeptieren.

Aktuell seien die europäischen Institutionen wie EU-Kommission und Europarat in Unglaubwürdigkeit geraten, weil sie nicht mit Sanktionen gegen Regelbrecher vorgingen, so Kösters. „Bevor diese Unglaubwürdigkeit nicht überwunden wird, kann Europa nicht gestärkt werden.“

Krisen als Auslöser einer wachsenden Zusammenarbeit

Nils-Christian Bormann von der Uni Witten/Herdecke ging den europäischen Integrationsprozessen im Allgemeinen auf den Grund. „Krisen sind der Auslöser von wachsender Zusammenarbeit“, sagte der 32-Jährige. So könne der Brexit positiv für eine gestärkte Zusammenarbeit sein oder aber auch Wirtschaftskrisen.

Bei den anschließenden Fragen der Zuhörer standen vor allem Macrons Reformpolitik, Alternativen zum EU-Modell und zur Wirtschaftspolitik im Mittelpunkt. Immerhin: Am Ende fielen die Aussichten der Experten für die Zukunft Europas optimistisch aus.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik