Aussehen

Ex-Model Kera Deiss spricht über falsche Schönheitsideale

Diskutieren über Schönheitsideale: Kera Deiss, Ex-Model (2. v. li.), mit (v.li.) Astrid Raith, Cornelia Proll und Inga Janz, allesamt Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung.

Diskutieren über Schönheitsideale: Kera Deiss, Ex-Model (2. v. li.), mit (v.li.) Astrid Raith, Cornelia Proll und Inga Janz, allesamt Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Pragmatisch denken, sich vom gängigen Schönheitsideal lösen: Ex-Model Kera Deiss machte in Witten Mädchen Mut, ihren eigenen Körper zu mögen.

Lieber gesund zu sein als schlank – darum geht es in der Dokumentation „Embrace – Du bist schön“, die sich die vorwiegend sehr jungen Teilnehmerinnen im Kinosaal von Haus Witten an diesem Nachmittag anschauen. Es geht auch um das Gefühl, nicht schön genug zu sein. Ex-Model Kera Deiss, die als Gast bei der Veranstaltung dabei ist, kennt das zu gut. Als sie es 2010 bei der Pro Sieben-Show „Germanys next Topmodel“ unter die letzten 25 Kandidatinnen schaffte, sei sie immer die gewesen, die zu dick war, so die 31-Jährige.

Heute ist sie kein Model mehr – sie betreibt Präventionsarbeit, um vor allem jungen Mädchen zu zeigen, dass sie mehr sind als ihr Äußeres. In der anschließenden Diskussionsrunde nach dem Film beantwortet sie den Mädchen Fragen rund um das Thema Modeln und Schönheitswahn. Ebenfalls mit dabei sind unter anderem Cornelia Prill, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Witten und Inga Janz von der Jugendförderung. „Es erschien uns als gute Kombi, nach dem Film in offener aber geschützter Atmosphäre zu diskutieren. Und jeder kennt das doch – wie viel Zeit man verschwendet, um schön zu sein, statt einfach dankbar zu sein und zu leben“, so Janz.

Aus der Problemzone eine Lieblingszone machen

Die Aufklärung über falsche Schönheitsideale in Zeiten von Instagram und Photoshop hat große Relevanz. Das zeigt sich unter anderem, als die Mädchen eine auf Papier gemalte, lebensgroße Frauenfigur an den Körperteilen mit Zetteln bekleben sollen, die sie als ihre „Problemzonen“ wahrnehmen. Das Ergebnis ist erschreckend, aber vorhersehbar: Die Figur ist am Ende übersäht von Zetteln – sogar an den Füßen.

Kera Deiss hat dafür eine Lösung: Aus der „Problemzone“ einfach die „Lieblingszone“ machen. Zum Beispiel bei Speckrollen am Bauch: „Ich kann beim Lesen einfach mein Buch darauf abstellen. Der Bauch ist keine Problemzone, der Bauch ist toll. Genau wie meine Beine. Sie sind nicht dazu da, um in die kleinste Hose zu passen – sie sind zum Rennen da.“

Zwölf Jahre essgestört

Pragmatischer denken und sich vom verklärten Schönheitsideal, das durch die Medien eingetrichtert wird, lösen – das möchte Kera Deiss den Teilnehmerinnen vermitteln. Unter anderem, um sie vor dem zu bewahren, was ihr selbst widerfahren ist: Zwölf Jahre ihres Lebens war sie essgestört, musste zweimal stationär und einmal ambulant behandelt werden. Am Wichtigsten für ihre Genesung sei die Auseinandersetzung mit sich selbst gewesen. Und die Erkenntnis, dass sie nicht dünn sein müsse, um sich schön zu fühlen.

Teilnehmerin Sarah ist von der Botschaft der Dokumentation, deren Titel übersetzt „Umarmung“ bedeutet, berührt: „Unsere Körper tun uns den Gefallen, gesund zu sein. Das ist ein Privileg. Wenn ich immer nur daran denke, wie ich aussehe, entferne ich mich von jeglichem Gefühl. Es macht mich wütend, wie Oberflächlichkeit heutzutage propagiert wird. Wir vergessen, was wirklich wichtig ist.“ Was wirklich zählt, dazu sind sich die meisten Mädchen einig: Etwas im Leben bewegen und zufrieden sein – egal welche Zahl auf der Waage steht.

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