Auf Tour

Erlebnisspaziergang führt durch Herbede

Erlebnisführer Uwe Kühn (li.) startete seine Tour durch Herbede vor den historischen Gebäuden der Brennerei Sonnenschein.

Erlebnisführer Uwe Kühn (li.) startete seine Tour durch Herbede vor den historischen Gebäuden der Brennerei Sonnenschein.

Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Zum Rundgang durch Herbede kamen auch viele Bürger aus dem Ort. Sie wollten noch mehr erfahren über ihre Heimat – und hinterher Schnitzel essen.

„Da war früher eine Holzbrücke. Die wurde Kuhschiff genannt, denn es wurden Kühe von der einen auf die anderen Seite der Ruhr getrieben.“ Sabine Bollmann kennt sich aus in Herbede. Ganz in Weiß gekleidet, vorsorglich mit einem roten Regenschirm bewaffnet, nimmt sie teil am Rundgang durch Herbede, der an diesem heißen Nachmittag durch den idyllischen Wittener Stadtteil führt.

„Es gibt noch so viele Dinge, die ich nicht weiß“

„Es gibt aber noch so viele Dinge hier, die ich nicht weiß“, sagt die sympathische Frau, die selbst gebürtige Herbederin ist. Anvertraut hat sie sich deshalb Uwe Kühn. Der zertifizierte Natur- und Landschaftsführer wandert nicht zum ersten Mal durch den Ort. Seine „kulinarische Verführung“ heute ist aber eine Premiere. Enden wird sie nach etwa zwei Stunden mit einer Kutschermahlzeit in der Gaststätte „Am Pütt“. Auf den Teller kommen Schnitzel mit Bratkartoffeln. Vorher geht’s aber durch die Meesmannstraße – mit rund 25 gastronomischen Betrieben eine kulinarische Langlaufstrecke.

Das Haus Herbede, das Haus Schellenberg als ältestes Fachwerkhaus Wittens – es stammt aus dem Jahre 1660 – und das alte Rathaus im historischen Zentrum Herbedes zählen zu den Landmarken, die Uwe Kühn ansteuert. Er weiß: „Die Kombination von historischen Touren, gepaart mit einem kulinarischem Vergnügen, ist ein Trend. Das ist ein Erlebnis vor der eigenen Haustür.“

Von Branntwein und Dönermessern

Das sehen auch Gerda und Hartmut Niche so. Das nette Rentner-Ehepaar will mehr über die Heimat erfahren. „Man geht so oft an Dingen vorbei – und sieht sie nicht“, sagt Gerda Niche. Gatte Hartmut macht etwa auf die bemerkenswerte Aussicht von Burg Blankenstein gleich nebenan in Hattingen aufmerksam. Er kennt sich aus, will aber noch mehr wissen. Das Paar hat als Wegzehrung eine Flasche Wasser dabei, gegessen haben sie zu Mittag nur eine Kleinigkeit. Schließlich soll noch Platz sein für das spätere Mahl.

Uwe Kühn, selbst Herbeder Urgestein, 53 Jahre alt, hat Spaß an seinem Job. Er weiß viel. Auch, dass die Brennerei Sonnenschein während des Zweiten Weltkrieges die Wehrmacht mit Branntwein versorgte – per Tankwagen. Und dass der Turm der evangelischen Kirche in Herbede das älteste Gebäude des Stadtteils ist. Und nicht zuletzt, dass die Friedr. Lohmann GmbH Experte für fein geschliffene Messer zum Zerschneiden des Fleischs auf Dönerspießen ist.

Christel Albers hat eigentlich keine Nachhilfe in Sachen Heimat nötig, sich aber dennoch der rund 20-köpfigen Truppe angeschlossen. Sie ist selbst Gästeführerin – auf der Zeche Nachtigall und im Muttental. Sie sagt: „Ich wollte von meinem Kollegen lernen.“ Hat sie bestimmt. Wie die anderen auch.

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