Kriminalität

Einige schwere Straftaten in Witten bleiben ungeklärt

April 2017: Erst brannte der Transporter, dann fielen Schüsse auf den Installateur. Der Fall ist weiterungeklärt.

April 2017: Erst brannte der Transporter, dann fielen Schüsse auf den Installateur. Der Fall ist weiterungeklärt.

Foto: Polizei

Witten.   Messerattacke, Schüsse und Brandserien: Es gibt einige schwere Fälle aus den vergangenen zwei Jahren, bei der die Polizei im Dunkeln tappt.

Ob Schüsse auf einen Wittener Installateur, eine Messerattacke auf einen Annener Anwalt oder Brandserien, bei denen teils Luxusautos abgefackelt wurden – es gibt einige schwerere Fälle aus den letzten zwei Jahren, die bis heute nicht aufgeklärt sind. Vielleicht werden sie es nie.

Im Falle des Juristen, der bereits im Oktober 2016 abends in seiner Kanzlei an der Annenstraße lebensgefährlich verletzt worden war, gibt es laut Polizei noch nicht mal einen Tatverdächtigen. Dabei hatte sich der Anwalt mit dem Messerstecher, der als ungepflegte, mit einem Parka bekleidete Erscheinung beschrieben worden war, noch einen kurzen Wortwechsel geliefert, bevor es zu der Tat kam. Der Anwalt befand sich damals alleine in seinem Büro, als der etwa 30-Jährige schellte.

Sechsmal auf Wittener geschossen

Mindestens sechsmal war im April 2017 auf einen Installateur geschossen worden, nachdem er nachts aus dem Haus geeilt war, um zu seinem Betriebsgelände zu brausen, wo Unbekannte seinen Firmenwagen abgefackelt hatten. „Damals wurde eine Mordkommission eingesetzt. Aber die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Polizeisprecher Volker Schütte. Insgesamt sei die Aufklärungsquote bei den so genannten Straftaten gegen das Leben jedoch hoch. „Das liegt an dem hohen Aufwand, der in solchen Fällen betrieben wird“, so der Experte.

Im Jahr 2016 gab es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Bochum vier Morde und sechs Versuche. Von diesen zehn Fälle wurden acht augeklärt. 2017 waren es fünf Morde und zwei Vesuche, sechs Fälle wurden gelöst. „Doch manchmal führt selbst der größte Aufwand nicht zum Erfolg“, bedauert der Polizeisprecher. Die Unfallflucht auf der Rüsbergstraße in der Halloweennacht 2010, wo ein 20-Jähriger getötet wurde, ist dafür das wohl bekannteste Beispiel.

Brandserie zieht sich durch die Innenstadt

Nicht nur eine Messerattacke auf einen Anwalt und Schüsse auf einen Installateur aus der letzten Zeit wurden nicht aufgeklärt, sondern auch zwei Serien von Auto-Bränden. Die eine ereignete sich in Heven, die andere zog sich durch die Innenstadt.

In beiden Fällen aus dem Jahr 2017 handelte es sich laut Polizei um Brandstiftung. Doch während die Täter in Heven unbekannt sind, gibt es bei der Innenstadtserie einen Tatverdächtigen. In der Nacht zum 13. Februar wurden zunächst zwei Wagen in der Friedrich-List-Straße leicht beschädigt, kurz darauf brannten zwei weitere in der nahe gelegenen Schulze-Delitzsch-Straße komplett aus. „Das Ganze war ein großer Feuerball“, beschrieb der Feuerwehrsprecher damals die Situation.

Dabei handelte es sich um einen Mercedes und einen BMW: Haben solche Täter es – vielleicht aus Sozialneid – auf Luxusautos abgesehen? „Nein, solche Brandstiftungen betreffen alle Marken, Wertlagen und Stadtteile“, hat Birgit Dienstbier festgestellt. Die Kriminalhauptkommissarin im Bochumer Präsidium ist auch für Witten zuständig.

Zahl der Autobrände hat sich fast verdoppelt

In der Ruhrstadt hat sich die Zahl der Autobrände in den letzten vier Jahren fast verdoppelt. Von fünf (2014) auf elf (2017): Allerdings sind darin auch die Brände durch technischen Defekt enthalten. Deren Anteil liegt aber in nahezu jedem Jahr unter 50 Prozent. So waren beispielsweise 2016 von den acht Bränden fünf auf Brandstiftung und drei auf technischen Defekt im Wagen zurückzuführen.

Doch könnten solche Zahlen auch einen falschen Eindruck erzeugen: Wenn vier hintereinander stehende Autos vier verschiedenen Geschädigten gehörten, dann würde für jedes eine eigene Anzeige aufgenommen. Das würde bedeuten: Von elf in einer Statistik genannten Fällen hätten sich damit vier an einem Ort abgespielt, so die Kriminalexpertin.

Polizei bittet Bürger um Hilfe bei Brandaufklärung

Am 21. August dann zog sich eine Serie von Autobränden durch die Innenstadt. Das Muster war immer dasselbe, so dass alle vier Wagen im vorderen Bereich schwer beschädigt wurden. Bereits um 18.48 Uhr wurde die Feuerwehr zum ersten Brand in die Gasstraße gerufen. Um 19.16 Uhr ging es dann weiter zum Humboldtplatz im Wiesenviertel, wo der nächste Wagen in Flammen stand.

Um kurz nach 22 Uhr brannten dann gleich zwei Wagen nur einige Straßen weiter entfernt. Beide befanden sich in der Beethovenstraße. Der eine an der Ecke Beethovenstraße/Ecke Schultenhofstraße, der andere etwa 50 Meter weiter an der Ecke zum Parkplatz an der Gedächtniskirche.

Tatverdächtiger wurde festgenommen

Aufgrund von Zeugenhinweisen nahm die Polizei gegen 22.50 Uhr einen Tatverdächtigen fest. Der 33-jährige Wittener war auch verdächtig, am 19. August einen Container angezündet zu haben. „Die sind die häufigsten Zielpunkte von Brandstiftern, weil sich ihr Inhalt, besonders Papier, so leicht entzünden lässt“, weiß Kommissarin Birgit Dienstbier. Autos rangierten weit dahinter. Die Aufklärungsquote sei aber gering. Denn es dauere eine Zeit, bis ein Fahrzeug richtig brenne. Dann sei der Täter über alle Berge.

Die Expertin bittet die Bevölkerung: „Wenn Sie bei der Aufklärung helfen möchten, schauen Sie nicht auf den Brand, sondern auf auffällige Personen in der Umgebung.“

Immer mehr Autodiebstähle werden aufgeklärt

Während die Zahl der Autobrände seit 2014 gestiegen ist, gingen die Diebstähle von Kraftwagen seit 2015 zurück. Von 47 über 40 auf 37 im Jahr 2017. Allerdings lagen sie im Jahr 2014 mit 32 Fällen auch besonders niedrig.
Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote der Wagendiebstähle seit 2015 rasant: Von 12,77 über 17,50 auf 40,54 Prozent.

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