Historisches Rätsel

Eine besondere Brücke führte in Witten zum Wennemarsberg

Diese  Brücke über die Straße Wennemarsberg am Stadtpark Witten bestand komplett aus Holz.

Diese Brücke über die Straße Wennemarsberg am Stadtpark Witten bestand komplett aus Holz.

Foto: Davide Bentivoglio

Witten.  Eine Brücke ganz aus Holz spannte sich einst über die Straße Wennemarsberg. Viele Leser haben sie bei unserem historischen Fotorätsel erkannt.

Eine ganz besondere Brücke zeigte unser historisches Fotorätsel von letzter Woche. Sehr viele Leser haben mitgerätselt und die Konstruktion erkannt: Die mittlerweile abgerissene Holzbrücke spannte sich über die Straße Wennemarsberg und verband die zwei Grüngebiete Stadtpark und Borbachtal.

Fotograf Davide Bentivoglio hat das historische Foto Anfang der 70er-Jahre geschossen. Die Brücke hatte der Wittener Architekt Otto Merker konstruiert. Ihre Besonderheit: Beim Bau wurde kein einziger Nagel und keine einzige Schraube benutzt. Alle Verbindungen waren mit einer speziellen Verzapfung-Technik ausgeführt.

Holzteile waren ineinander verzapft

Die Holzteile wurden miteinander verzapft und dann mit einer komplizierten Technik verdreht, verschoben oder so versetzt, dass die Verbindung ohne weitere Hilfsmittel stabil war. Diese eigentlich geniale Konstruktion erwies sich aber in diesem Fall als verhängnisvoll: Die Brücke stand an einer Stelle, die fast vollkommen von großen Bäumen überdacht war. So bekam sie kaum oder gar kein Sonnenlicht.

Nass wurde die Holzkonstruktion aber trotzdem. Die Nässe blieb im Holz und drang tief in die komplizierten Verzapfungen ein und kam nicht mehr heraus. Algen bildeten sich und machten den Gehbelag glitschig und rutschig. Kurz: Die Brücke begann zu verrotten. Sie wurde gesperrt und gegen Mitte der 90er-Jahre abgerissen. „Das gute Stück stand leider an der falschen Stelle unter Bäumen und wurde auch nicht entsprechend gepflegt. Dementsprechend wurde sie schnell morsch und musste nach wenigen Jahren abgerissen werden. Schade“, kommentiert daher sehr passend Leser Gerd Gahr.

Auch Günter Lohmann-Hütte bedauert das vorzeitige Ende der außergewöhnlichen Konstruktion und vermutet, dass sie wegen hoher Unterhaltungsaufwendungen vernachlässigt und schließlich abgerissen wurde. „Es könnte zu der Vermutung verleiten, dass diese Brücke errichtet wurde, um sie wieder abzureißen.“

Viele unserer Leser verbinden mit der Brücke Erinnerungen aus ihrer Kindheit. Christina Wildvang etwa ging als Kind oft am Wochenende dort entlang, „bei schönem Wetter auch mit dem geländegängigen Puppenwagen“. Sie vermutet, dass die Brücke allerdings erst Anfang der 80er-Jahre gebaut wurde. Sie erzählt, dass man damals – ohne eine Straße überqueren zu müssen - von der Ruhrstraße durch den Stadtpark, am Hammerteich vorbei und über den Hohenstein bis zum Kohlensiepen nur durch Grün und Wald gehen konnte. „Heute ist die Brücke ebenso verschwunden wie der Felsbogen und die kleine Aussichtsplattform. Die steinerne Sitzecke und die kleine Lavanische im Stadtpark sind verfallen. Und es ist zu befürchten, dass man demnächst noch mehr über Straßen gehen muss, wenn die Treppe in Richtung Straße Wennemarsberg nicht repariert, sondern entfernt wird“, sorgt sich Wildvang.

Annemarie Sinzig nutzte die Brücke regelmäßig, um eine Freundin zu besuchen: „Da eine Klassenkameradin auf der Egge wohnte, bin ich ab den Jahren 46/47 oft zu Fuß von Bommern aus über die Ruhr- und Wetterstraße den Wennemarsberg, später auch durch den Stadtpark und an der kleinen Brücke hinunter über den Wennemarsberg zur Egge gelaufen. Erinnerungen an die Kriegszeit und Evakuierungen und dann auch an Schulzimmer ohne Heizung und Schulspeisung werden wieder wach! Auch an die Lehrerin, die in ihrer umgefallenen Suppendose ausrutschte und hinfiel – echt gemein das Gelächter der Schüler.“

Name der Straße soll auf historische Persönlichkeit zurückgehen

Auch Leser Dieter Schidt nutzte die Brücke über den Wennemarsberg oft „um vom hinteren Teil des Stadtparks zu den ,Wittener Köppen’ zu gelangen“. Und er weiß noch mehr: „Der Name der Straße geht zurück auf Wennemar, ein Mitglied der Familie ,von Witten’. Um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert soll er hier versucht haben, eine Burg zu errichten, die jedoch nicht vollendet wurde und von der es auch keine Spuren mehr gibt.“

Christian Reinhard konnte als Kind beobachten, wie die Brücke erbaut wurde. „Ich wohnte im Parkweg und war sehr nah dran. Ich meine, mich erinnern zu können, dass die Brücke quasi ineinander gesteckt wurde. Leider stand die Brücke nicht sonderlich lange und gammelte bis zu ihrem zeitigen Abriss vor sich hin.“

Brücke auf dem Zeichentisch entstehen sehen

Die Brücke sei „nach Zimmermannsart konstruiert, ohne Metall nur mit Holzverzapfungen“, schreibt uns Brigitte Obenaus: „Ich habe sie auf dem Zeichentisch entstehen sehen und später auch in Wirklichkeit. Unsere Kinder sind mit der Oma öfters darüber gegangen auf dem Weg vom Saalbau zum Hammerteich oder Hohenstein.“

Auch Manfred W. Schwandt erinnert sich noch sehr gut an hölzerne Brücke. „Jetzt zahlt es sich für mich aus, dass ich mit meinem Vater in jungen Jahren recht häufig auf unseren langen Spaziergängen ,mitgeschleppt’ worden bin“, schreibt er scherzhaft. „Heute gibt es oberhalb der Straße Wennemarsberg einen einfachen Übergang, für den die Mauern auf beiden Seiten der Straße geöffnet wurden. Diese schmale Straße hatte mir in meiner Kindheit immer wieder etwas Furcht eingeflößt. Grund dafür waren die hohen Mauern auf beiden Seiten, die sich bis ans Ende der Straße hinziehen.“ Zudem meint er sich – wenn auch sehr vage – daran zu erinnern, dass die Holzbrücke „vor langer Zeit von Jugendlichen während ihrer Lehrzeit zum Zimmermann bzw. Forstarbeiter unter fachkundiger Anleitung gebaut worden sein soll“.

An das Ende der Brücke erinnert sich dagegen nur ein Leser konkret. „Die habe ich damals zusammen mit dem THW Witten demontiert, weil sie damals falsch gebaut worden ist, an der einen Seite zu kurz“, schreibt Martin Rose. Und Michaela Brock weist darauf hin, dass man auch heute noch die Verankerungen der ehemaligen Brücke am Wennemarsberg sehen könne, wenn man wisse, wonach man suche.

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