Religionen in Witten

„Ein guter Sikh hält mit allen Menschen zusammen“

Kehar Sharif (67) und Jaspal Kaur (58) gehören der Sikh-Religion an und sprechen über Werte, Glaubensgrundsätze und Regeln.

Foto: Barbara Zabka

Kehar Sharif (67) und Jaspal Kaur (58) gehören der Sikh-Religion an und sprechen über Werte, Glaubensgrundsätze und Regeln. Foto: Barbara Zabka

Witten.   Wittener Sikhs gehören zu überregionaler Gemeinde im Ruhrgebiet. Bundesweit gibt es 37 Gotteshäuser. Kehar Sharif spricht über den Glauben aus Indien.

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Mit Religion lassen sich Konflikte lösen. Das hat Sikh Kehar Sharif durch seinen Glaube gelernt: „Ein guter Sikh hält mit allen Menschen zusammen und hilft, wenn Schlechtes passiert.“ Der gebürtige Inder lebt seit 1980 in Witten.

Er erklärt, dass der Sikhismus im 14. Jahrhundert aus Einflüssen des Hinduismus und des Islam entstanden ist. Der Glaube habe sich zu der Zeit aus einer Bewegung entwickelt, die die Konflikte zwischen den beiden Religionen zu überwinden suchte.

Heute einige alle Religionen jedoch derselbe Grundgedanke, so der 67-Jährige. Aus diesem Grund gehört Kehar Sharif auch seit über zehn Jahren der Wittener Gemeinschaft „Religionen für den Frieden“ an.

Gotteshaus ist Treffpunkt zum gemeinsamen Essen, Singen und Beten

Sharif lebt mit Ehefrau Jaspal Kaur und zwei erwachsenen Kindern in der Ruhrstadt. Er hat lange für die Firma Bosch gearbeitet, seine Frau in der Gastronomie. „In Witten gibt es keine eigene Sikh-Gemeinde. Wir gehören aber zu einer Gemeinde in Essen“, sagt Sharif.

Bis zu 400 Sikhs aus Essen und der Umgebung kommen jede Woche im „Gurdwara Nanak Sar“ zusammen. „Gurdwara“ heißt übersetzt Gotteshaus und ist für die Gläubigen ein Treffpunkt, um gemeinsam zu essen, zu singen und zu beten.

Die Räume sind schlicht und haben keine besondere Ausstattung. Die Religionsgemeinschaft ist in Deutschland bisher nicht anerkannt. Die Gemeindemitglieder finanzieren alles durch Spenden. Insgesamt 37 Sikh-Gotteshäuser gibt es bundesweit.

Für die Kinder von Kehar Sharif war das Gurdwara in der Jugend ein guter Ort, um die Muttersprache Panjabi zu lernen, wie der 67-Jährige sagt. Die heute 27-jährige Bäckerin und der 24-jährige Ingenieur sind immer zu besonderen Anlässen mit den Eltern dorthin gegangen.

Turban dient dem Schutz der Haare

Angehörige des Sikh-Glaubens tragen oft lange Haare – aus Respekt vor der Natur. Lange Haare sind eines der fünf Symbole der Religion, auch „Kakaars“ genannt. „Männer haben daher immer lange Bärte“, sagt Sharif. Zum Schutz der Haare tragen sie einen Turban, bei Frauen ist dieser freiwillig.

„Sehr strenge Sikhs wie Priester nehmen ihn auch im Schlaf nicht ab“, so der ehemalige Arbeiter, der heute das Online-Nachrichtenportal „Media Punjab“ betreibt. Kehar Sharif trägt den Turban gelegentlich, seine Ehefrau Jaspal Kaur trägt keinen.

Jeder Sikh könne selbst entscheiden, wie streng er oder sie die Regeln befolge, meint Sharif. Das Wichtigste sei, an die Schriften zu glauben. „Religion ist schließlich das, was die Menschen daraus machen.“

>>> Mehr als 200 Jahre dauerte die Entwicklung

  • Die Religion hat sich zwischen 1469 und 1708 aus einer Bewegung heraus entwickelt. Heute gibt es rund 30 Millionen Sikhs weltweit, davon leben etwa 10 000 in Deutschland.
  • Die Schriften der Sikhs heißen „Guru Granth Sahib“. Jeder Sikh besitzt fünf „Kakaars“: Langes Haar, lange Kleidung, Kamm, Armband und Schwert.

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