Stahl

Edelstahlwerke wollen 270 Stellen abbauen – Witten betroffen

Die Deutschen Edelstahlwerke Witten leiden gerade unter der Absatzkrise der Automobilindustrie.

Die Deutschen Edelstahlwerke Witten leiden gerade unter der Absatzkrise der Automobilindustrie.

Foto: Thomas Nitsche / FUNKE Foto Services

Witten.  Dass es bei den Edelstahlwerken aus Witten nicht rund läuft, wusste man schon vor Corona. Nun wurde bekannt, wie viele Stellen DEW abbauen will.

Einer der größten Arbeitgeber in Witten, die Deutschen Edelstahlwerke (DEW), wollen offenbar in einem größeren Umfang Stellen abbauen. Rund 270 Arbeitsplätze stehen derzeit an den Standorten Witten, Siegen, Hagen und Krefeld insgesamt auf dem Prüfstand. Das Unternehmen bestätigte jetzt entsprechende Informationen dieser Redaktion.

Betriebliche Kündigungen bei DEW in Witten oder an anderen Standorten ausgeschlossen

In welchem Zeitrahmen der kriselnde Stahlhersteller den Personalabbau plant, scheint noch nicht ganz klar zu sein. „Zeitnah“, ist aus den Reihen der IG Metall zu hören, „bis 2024“, heißt es seitens des Unternehmens. Klar ist: Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen und der Abbau wird sozialverträglich erfolgen, wie es in der Stahlindustrie üblich ist. Die Gewerkschaft hat ein ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Nach Informationen dieser Redaktion sollen allein rund 150 Stellen über „Outsourcing“ wegfallen. „Man verlagert Know-how nach außen“, sagt Holger Lorek von der IG Metall Düsseldorf. Er hält es aber für fraglich, „ob andere es wirklich besser und billiger können“.

Vor Corona-Krise das Zukunftskonzept „DEW 2020 plus“ präsentiert

Die Flaute bei den Edelstahlwerken hält schon länger an. Bereits vor der Corona-Krise wurde das Zukunftskonzept „DEW 2020 plus“ aufgelegt, um den schlingernden Stahlriesen zu sanieren. Konzernmutter Schmolz & Bickenbach steckte im vergangenen Jahr so tief in den roten Zahlen, dass nur eine Kapitalerhöhung in dreistelliger Millionenhöhe vorübergehend wieder für etwas Ruhe im Konzern sorgte. Jetzt sollen die einzelnen Standorte liefern. „Wir wollen uns dauerhaft profitabel aufstellen, um auch im Falle von dauerhaft niedrigeren Absatzmengen eine angemessene Rendite erwirtschaften zu können“, sagt Arbeitsdirektor Michael Leßmann.

Wie viele Millionen eingespart werden müssen, dazu wollte sich das Unternehmen noch nicht äußern, auch nicht dazu, wie sich der mögliche Stellenabbau auf die einzelnen Standorte verteilen könnte. Die IG Metall befürchtet allein in Witten mit seinen rund 1800 Beschäftigten den Wegfall von mehr als 100 Arbeitsplätzen, zumal die DEW-Hauptverwaltung in der Ruhrstadt sitzt. Von Seiten der Geschäftsführung heißt es zu den insgesamt im Raum stehenden 270 Stellen: „Wir prüfen eine Personalanpassung in dieser Größenordnung, die jedoch noch nicht abschließend bewertet ist.“ Daher sei auch noch „keine Bezifferung auf die einzelnen Standorte möglich“. Man befinde sich in einem engen Austausch mit den Arbeitnehmervertretern.

Stahlbranche leidet gerade unter der schwächelnden Autoindustrie

Gerade die schwächelnde Automobilbranche, die ihre Produktion wegen der Corona-Krise teilweise komplett heruntergefahren hat, setzt der Stahlbranche und großen Zulieferern wie DEW zu. Anders als noch im letzten Jahr gibt es aktuell aber keine Kurzarbeit. Diese Möglichkeit werde jedoch geprüft, betont das Unternehmen. „Wenn möglich“ will es auch staatliche Corona-Hilfe in Anspruch nehmen.

DEW hat bei der IG Metall die Abweichung vom Flächentarifvertrag beantragt, um das Unternehmen durch zusätzliche Einsparungen wieder auf Kurs zu bringen. 2016 war schon einmal die Jahressonderzahlung für zwei Jahre gestrichen worden. „Sie möchten die Deckungslücke nun für die nächsten drei Jahre geschlossen sehen“, sagt Gewerkschaftssekretär Holger Lorek. Verhandlungen über einen Sozialplan beziehungsweise Sanierungstarifvertrag könnten demnächst aufgenommen werden.

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