Gesangs-Projekt

Dringend gesucht: Wittener, die mit Kindern in Kitas singen

Gerd Neuhaus im Einsatz: Der 72-Jährige ist immer dienstags als Singpate in der Wittener Kita Friedenskirche zu Gast.

Gerd Neuhaus im Einsatz: Der 72-Jährige ist immer dienstags als Singpate in der Wittener Kita Friedenskirche zu Gast.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Natürlich wird in Wittener Kitas gesungen. Doch es geht intensiver: Deshalb werden Singpaten gesucht. Einige sind schon begeistert im Einsatz.

Fröhliche Töne erklingen in der Kita Friedenskirche. Wie an jedem Dienstagmorgen. Dann sind dort große Leute zu Gast, um mit den Kleinen Musik zu machen. „Singpaten“ heißen sie und stimmen gerade „Horch, was kommt von draußen rein“ an. Langsam springt der Funke über – und die Kinder machen begeistert mit. Weitere Paten werden nun gesucht.

Die Freude am Gesang ist uns in die Wiege gelegt – davon ist der Hattinger Soziologe und Musikpsychologe Karl Adamek (67) überzeugt. Er hat herausgefunden, dass Singen für die gesunde Entwicklung von Kindern unverzichtbar ist. „Singen ist die Sprache der Gefühle und Kraftfutter fürs Gehirn“, sagt Adamek. Forschungen hätten ergeben: Kinder, die singen, seien zu 90 Prozent schultauglich. Kinder, die nicht singen, nur zu 44 Prozent.

Experte: Freude am Singen so früh wie möglich fördern

Darum will er die Freude am Singen so früh wie möglich fördern – und bietet daher seit zwei Jahren gemeinsam mit den Ev. Kitas im Kirchenkreis Hattingen-Witten das Singpaten-Projekt „Canto elementar“ an. Vier Kitas in Witten machen schon mit: Außer jener an der Friedenskirche auch die Kitas Johannis, Herbede und Kleine Freunde in Bommern. Doch acht weitere Einrichtungen – vom Familienzentrum Märkische Straße bis zum Kindergarten Vogelnest – wünschen sich ebenfalls Singpaten.

Maria Schriewer kann das jedem nur empfehlen: „Ich gehe immer mit einem Lied auf den Lippen nach Hause“, sagt die 62-Jährige, die regelmäßig als Singpatin im Einsatz ist. Sie sei begeistert, wie die Kinder sich jedes Mal entwickelten: „Erst sitzen sie still da und nach einer Weile singen sie mit.“ Auch Angelika Pybrowski (64) und Gerd Neuhaus (72) macht das ehrenamtliche Engagement großen Spaß.

„Traditionelle Lieder gehen auf diese Weise nicht verloren“

Neuhaus, der schon sein Leben lang singt, hat stets seine Gitarre dabei. Für ihn zählt auch der kulturelle Aspekt. „Die traditionellen Lieder gehen auf diese Weise nicht verloren. Die Kinder haben beim dritten Mal alle Strophen drauf und tragen sie in die Familien hinein.“

Wer jetzt denkt, dass Singen in Kitas doch ohnehin gang und gäbe sei, der muss wissen: „Seit 1967 gehört es nicht mehr zu den Ausbildungsrichtlinien für Erzieherinnen“, so Karl Adamek. In der Kita Friedenskirche ist es dennoch – auch abseits der Singpaten-Dienstage – Alltag. „Wir singen täglich in den Stuhlkreisen und zu allen Festen“, bestätigt Birgit Elles. Das sei, sagt Adamek, „vorbildlich, aber längst nicht selbstverständlich“.

Wer Singpate werden möchte, kann sich bei einem Einführungstreffen am Freitag, 15. November, von 14.30 bis 16 Uhr im Gemeindehaus der Christuskirche an der Sandstraße 12 informieren.

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